Die Annahme, dass man in einer Beziehung zunimmt, muss nicht stimmen – im Gegenteil. Eine aktuelle Studie der University of California, Los Angeles (UCLA) deutet darauf hin, dass Menschen, die in einer liebevollen, verlässlichen Ehe leben und eine starke emotionale Unterstützung erfahren, seltener von Übergewicht betroffen sind. Ist der sogenannte „Pärchenspeck“ also nur ein Mythos?

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Im Mittelpunkt der Studie stand das Hormon Oxytocin (auch „Kuschel‑ oder Bindungshormon“), das bei sozialem Kontakt ausgeschüttet wird und unter anderem Vertrauen, emotionale Stabilität sowie die Appetitkontrolle reguliert. Teilnehmer waren 94 erwachsene, meist übergewichtige Personen aus dem Raum Los Angeles. Diese wurden in vier Gruppen eingeteilt: verheiratet oder nicht, und mit hoher oder niedriger selbst wahrgenommener emotionaler Unterstützung.

Zufriedenheit in der Ehe senkt BMI deutlich

Neben klassischen Parametern wie dem Body-Mass-Index (BMI) erfassten die Forscher auch das Essverhalten, Hinweise auf Ess‑Sucht sowie Stoffwechsel‑ und Darmwerte der Probanden. Bei 77 Teilnehmenden wurden außerdem Oxytocinwerte im Blut gemessen, MRT-Scans erfassten die Reaktion des Gehirns auf Bilder von Lebensmitteln, und Stuhlproben wurden auf Tryptophan-Metabolite untersucht, die mit Entzündungen, Stimmung und Stoffwechsel zusammenhängen.

Die Ergebnisse zeigen klare Unterschiede: Verheiratete, die ihre Partnerschaft als unterstützend empfanden, hatten im Schnitt einen deutlich niedrigeren BMI – in der Regel mehr als fünf Punkte unter dem Wert von Teilnehmern, die angaben, keine emotionale Unterstützung zu erhalten. Der Ehestatus allein reichte jedoch nicht aus: Nur in Kombination mit hoher emotionaler Unterstützung trat der Effekt auf. Unverheiratete Personen zeigten hingegen keine Verbindung zwischen emotionaler Unterstützung und BMI, der Effekt scheint also nur dann aufzutreten, wenn man verheiratet und zufrieden in seiner Ehe ist.

Soziale Unterstützung stärkt Impulskontrolle und Darmgesundheit

Auch beim Essverhalten zeigten sich Unterschiede: Wer sich emotional unterstützt fühlte, berichtete seltener von Heißhunger, Kontrollverlust beim Essen oder Schuldgefühlen danach. Im Gehirn war bei unterstützten Ehepaaren besonders der sogenannte „dorsolaterale präfrontale Kortex“ aktiv: Ein Areal, das für Impulskontrolle und bewusste Entscheidungen zuständig ist – vor allem beim Anblick kalorienreicher Lebensmittel.

Eine Darmuntersuchung lieferte weitere Hinweise auf die biologische Wirkung von sozialer Nähe: Teilnehmer, die sich unterstützt fühlten, wiesen dort mehr entzündungshemmende Stoffe und weniger schlechte Bakterien auf. Die günstigsten Werte im Darm und beim Hormonprofil traten bei der Kombination aus Ehe und hoher Unterstützung auf. Höhere Oxytocinwerte korrelierten sowohl mit aktiverer Hirnaktivität als auch mit den vorteilhaften Darmwerten, was auf ein enges Zusammenspiel von Gehirn, Darm und Hormonen hinweist.

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Limitationen und Ausblick

Ob die Ergebnisse bei normalgewichtigen Menschen oder deutlich jüngeren Altersgruppen ähnlich sind, lässt sich anhand dieser Studie nicht zeigen. Wichtige Faktoren wie der soziale Hintergrund, der Lebensstil oder die Familienstrukturen der Personen wurden nicht näher beleuchtet. Auch die Stichprobengröße war zu klein, um allgemeingültige Schlüsse ziehen zu können. Zudem wurden zur emotionalen Unterstützung nur zwei Fragen gestellt.

Die Studie liefert jedoch Hinweise darauf, dass soziale Unterstützung in Beziehungen emotional stabilisiert, aber auch messbare biologische Effekte hat: bessere Selbstkontrolle beim Essen, günstigere hormonelle Regulation und ein gesünderes Stoffwechselprofil. Soziale Nähe wirkt dabei auf mehreren Ebenen gleichzeitig – Gehirn, Hormone und Darm – und könnte neue Perspektiven für Prävention und Therapie von Übergewicht und Essstörungen eröffnen.

lcz