Antibiotika sind seit fast 100 Jahren eine wahre Wunderwaffe gegen Krankheiten, die durch Bakterien entstehen – für Erwachsene wie für Kinder. Bakterielle Erreger werden aber zunehmend resistent gegen die Medikamente. Das liegt auch an Patientinnen und Patienten, die sich nicht an die genauen Einnahmeempfehlungen halten.

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Welche Irrtümer es bei Antibiotika gibt, weiß Apothekerin Dr. Ina Lucas aus der Praxis zu berichten. In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ erzählt sie, vor welchen häufigen Fehlern sie Kunden bewahren muss.

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Dr. Ina Lucas: „Antibiotika dürften die allermeisten Menschen in Deutschland schon einmal eingenommen haben. Pro Jahr geben die Apotheken ungefähr 30 Millionen Packungen ab und fast täglich berate ich in meiner Apotheke zu diesen wertvollen Medikamenten. Denn wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Antibiotika auch in Zukunft wirksam bleiben.

Vor etwa 100 Jahren entdeckte der Wissenschaftler Alexander Fleming zufällig das erste Antibiotikum. 1941 wurde Penicillin erstmals bei einem Menschen eingesetzt. Über die Jahrzehnte wurden rund 80 antibiotische Substanzen entwickelt und die Antibiotika immer breiter eingesetzt, auch bei Kindern. Einerseits ist das eine Erfolgsgeschichte. Andererseits kämpfen wir zunehmend gegen Antibiotika-Resistenzen. Das heißt, dass viele Bakterien unempfindlich geworden sind, gegen ein oder mehrere Antibiotika. Und diese Resistenzen nehmen weltweit stark zu. In Deutschland starben im Jahr 2019 rund 45.000 Menschen im Zusammenhang mit Antibiotika-Resistenzen.

Unsere Expertin

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..

Was ist nun das Besondere an Antibiotika? Diese Medikamente wirken gegen Bakterien, greifen menschliche Strukturen idealerweise aber nicht an. Deshalb sind sie in der Regel gut verträglich für Menschen, stören aber teilweise die erwünschten Bakterien im Darm. Ihre Wirkung setzt zudem oft sehr schnell ein. Antibiotika sind hochwirksame, manchmal sogar lebensrettende Medikamente, die meist nur kurzfristig eingenommen werden müssen.

Antibiotika sollten grundsätzlich nur eingenommen werden, wenn es nötig ist – aber nicht auf Verdacht. Jetzt im Winter sind Erkältungen an der Tagesordnung, die sehr häufig durch Viren verursacht werden. Gegen viral ausgelöste unkomplizierte Erkältungen wirken Antibiotika gar nicht.

Antibiotika nehmen: Auf diese Vorschriften kommt es an

Neulich fragte mich ein erkälteter Patient, ob er jetzt das Antibiotikum einnehmen könne, das er sich letztes Jahr im Thailand-Urlaub gekauft hat. Meine Antwort: Nein! Das begründete ich ihm natürlich: Selbst wenn eine Infektion durch ein Bakterium ausgelöst wird, hilft nicht jedes Antibiotikum. Der eine Wirkstoff hilft bei Blasenentzündung, der andere bei Atemwegsinfekten. Jede Einnahme von Antibiotika in Eigenregie sorgt zudem dafür, dass immer mehr Bakterien resistent gegen ein Antibiotikum werden.

Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“

Solche Resistenzen entstehen auch, wenn Patientinnen und Patienten eine zu geringe Dosis einnehmen oder die Therapie zu früh beenden. Die Bakterien, die mit geringen Mengen eines Antibiotikums in Kontakt kommen, sterben nicht – sondern „lernen“ das Überleben unter erschwerten Bedingungen. Das Antibiotikum wirkt dann nicht mehr, das Bakterium wird resistent. Diese Fähigkeit gibt es an nachfolgende „Generationen“ und auch an andere Bakterienstämme weiter.

Mein Rat an alle Patientinnen und Patienten lautet deswegen: Bitte nehmen Sie Antibiotika in der vorgesehenen Dosierung so lange wie nötig ein.

  • Nicht abkürzen,
  • keine Dosisverringerung,
  • keine Tabletten auslassen.

Ich hoffe, dass meine Beratungsgespräche dazu beitragen, dass Antibiotika auch in Zukunft wirksam bleiben – das wäre gut für uns alle.“