- Für Menschen mit Demenz wird Weihnachten schnell anstrengend
- Doch Familien können einiges dafür tun, dass Betroffene sich wohlfühlen
- Zwei Krankenschwestern geben Tipps aus der Praxis
Weihnachten gilt als Fest der Familie und der Geborgenheit. Doch für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bringt diese Zeit nicht nur Freude, sondern oft auch besondere Herausforderungen. Die festliche Stimmung wird von Unsicherheit oder Überforderung überschattet. Denn: So schön der Abend mit der gesamten Familie werden soll, unterscheidet er sich stark vom gewohnten Alltag der Erkrankten.

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Eine, die die Lage der Betroffenen aus nächster Nähe kennt, ist die Berliner Krankenschwester Tatjana Jeske. Sie erlebt in ihrer Arbeit in der ambulanten Altenpflege immer wieder, wie sehr Zeiten wie Weihnachten Demenzkranke und ihre Angehörigen fordern – und was es leichter macht.
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Weihnachten: Für Demenzkranke die „komplette Reizüberflutung“
Um die Herausforderung besser zu verstehen, müsse man sich nur einmal in die Lage der Betroffenen hineinversetzen. „Da sind plötzlich mehr Menschen als sonst im Raum, alles ist viel lauter, überall laufen Gespräche, nicht selten im Hintergrund zudem noch Musik“, beschreibt es Jeske. „Für die Betroffenen ist das häufig eine komplette Reizüberflutung.“ Alles, was ihnen sonst Orientierung verschaffe – wie vertraute Abläufe oder Rituale –, gerate durcheinander. „Das führt schnell zu Unsicherheit und manchmal auch zu Angst.“

Viele Demenzkranke zeigten daher gerade an Weihnachten typische Symptome, die für Angehörige manchmal schwer zu deuten sind. „Oft werden die Betroffenen unruhig, laufen viel herum oder wirken angespannt. Manche ziehen sich auch zurück, möchten plötzlich nicht mehr am Geschehen teilnehmen und wirken abwesend“, erklärt die Krankenschwester.
Für die Familie könne das manchmal zu einer Geduldsprobe werden. „Es kommt vor, dass die Betroffenen plötzlich sehr verwirrt wirken, nicht mehr wissen, wo sie sind oder mit wem sie eigentlich feiern. Manche werden traurig oder nachdenklich, andere reagieren gereizt oder sogar aggressiv, wenn ihnen alles zu viel wird“, sagt Jeske. Je nach Stadium der Krankheit seien die Symptome unterschiedlich.
Erwartungen herunterschreiben: So ersparen Familien sich Stress
Ein zentraler Punkt ist daher laut Jeske, dass Angehörige ihre Erwartungen herunterschrauben. „Viele möchten das perfekte Fest organisieren, aber das ist bei Demenz meist gar nicht möglich“, sagt sie. Stattdessen empfiehlt Jeske, das ganze Weihnachtsprogramm so einfach wie möglich zu gestalten: „Weniger Gäste, kurze Besuchszeiten und möglichst wenig Hektik. Das nimmt viel Stress raus.“
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Entscheidend sei zudem, sich am Wohlbefinden der erkrankten Person zu orientieren. „Als Angehörige sollte man sich immer fragen: Was tut Oma oder Opa heute wirklich gut?“, rät sie. Oft würde ein gemeinsames Kaffeetrinken oder zusammen ein Weihnachtslied singen reichen. Wichtig sei auch, demenzkranken Menschen jederzeit Pausen zu ermöglichen. „Rückzugsmöglichkeiten sind enorm wichtig, etwa ein ruhiges Zimmer ohne viel Trubel“, so die Krankenschwester.
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Geschenke für Demenzkranke? Weniger ist mehr
Wenn es um Rituale wie zum Beispiel Geschenke geht, rät Tatjana Jeske ganz klar dazu, Demenzkranke nicht mit zu vielen Päckchen zu belasten. „Die Situation ist oft schon schwierig genug. Wenn dann noch viele Geschenke ausgepackt werden sollen, kann das Betroffene verunsichern“, sagt sie. Ein einziges, liebevoll ausgesuchtes Geschenk sei oft die bessere Entscheidung.
Ein weiterer Tipp: Auch wenn Oma mal etwas erzählt, das so gar nicht stimmt, sollte man geduldig bleiben. „Es bringt nichts, darauf zu bestehen, wie es wirklich war, oder ständig zu fragen: ‚Erkennst du mich noch?‘“, betont Jeske. Das führe nur zu Frust. Lieber lasse man solche Momente einfach stehen. „Man sollte validieren, also die Gefühle und das Gesagte ernst nehmen, statt sie zu korrigieren“, so ihr Rat.
Ebenso wichtig: Menschen, die im Alltag professionelle Unterstützung erhalten, sollten auch an den Feiertagen nicht darauf verzichten müssen. „Gerade Angebote wie die mobile Pflege geben Demenzkranken Sicherheit, weil wir regelmäßig zu festen, gewohnten Zeiten kommen“, erklärt Jeske. „Für viele sind wir ein sicherer Hafen.“
Demenzkranke im Pflegeheim: Das gilt für die Angehörigen
Wie wichtig es ist, feste Routinen an den Feiertagen beizubehalten, betont auch die 31-jährige Jennifer Ferreira. Sie leitet seit fünf Jahren eine Demenzstation in einem Pflegeheim im Schwarzwald. Sie rät ausdrücklich davon ab, Demenzkranke über Weihnachten nach Hause zu holen. „Sie sind danach tagelang total durcheinander. Bei uns sind alle Abläufe jeden Tag genau gleich gestaltet“, erklärt sie. Sobald die Betroffenen das Pflegeheim verlassen, gehe das damit verbundene Sicherheitsgefühl häufig verloren.
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Manchmal komme es zudem vor, dass Bewohner zu viel Besuch bekommen. Gerade wenn mehrere Kinder oder Verwandte gleichzeitig ins Pflegeheim kommen, könne das Demenzkranke schnell aufwühlen. In solchen Fällen sei es hilfreich, die Besuche auf verschiedene Tage zu verteilen. Wichtig sei dabei auch der Zeitpunkt: Besuche am späten Nachmittag oder Abend können laut Ferreira besonders schwierig sein, da viele Betroffene dann eher unruhig oder gereizt reagieren, so ihre Erfahrung.
Beide Fachfrauen beobachten: Wenn Perfektion und große Erwartungen in den Hintergrund rücken, entsteht Raum für echte Nähe. Das Fest wird ruhiger, vielleicht schlichter, dafür aber oft viel entspannter und persönlicher. Tatjana Jeske betont: „Es gibt kein perfektes Weihnachten mit Demenz. Aber es kann trotzdem wunderschön werden – auch wenn vieles anders ist als früher.“









