Die Zahlen, über die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt „The Lancet“ berichten, sind ein Weckruf. Wer einen BMI von über 30 hat, läuft ein um 70 Prozent höheres Risiko, wegen einer Infektion ins Krankenhaus zu müssen oder sogar daran zu sterben – selbst, wenn keine anderen Vorerkrankungen vorliegen.

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Bei extremer Fettleibigkeit (BMI über 40) verdreifacht sich das Risiko für einen schweren Infektionsverlauf. Das Forscherteam um Solja Nyberg von der Universität Helsinki und Mika Kivimäki vom University College London untersuchte Daten von mehr als 540.000 Menschen in zwei großen Langzeitstudien aus Finnland und Großbritannien. Dabei analysierte das Team insgesamt 925 verschiedene Infektionskrankheiten.
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Tödliche Gefahr Adipositas: Extremes Übergewicht erhöht Gesundheitsrisiken
Laut den neuen Daten war weltweit rund jeder zehnte infektionsbedingte Todesfall auf Adipositas zurückzuführen, vor allem in Ländern mit besonders vielen stark übergewichtigen Menschen. In den USA ließen sich so sogar 25 Prozent aller Infektionstodesfälle auf Fettleibigkeit zurückführen, in Deutschland immer noch knapp 15 Prozent.
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„Es ist plausibel, dass Adipositas die Fähigkeit des Immunsystems schwächt, sich gegen infektiöse Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze zu verteidigen, was zu schwereren Krankheitsverläufen führen kann“, wird Kivimäki in einer Mitteilung von „The Lancet“ zitiert. Die Gründe könnten Faktoren sein, die mit Adipositas einhergehen, etwa ein nährstoffreiches Milieu, das das Überleben von Mikroorganismen begünstigt, sowie Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen. Die Studienautoren schreiben jedoch auch, dass aus den Daten zwar der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Infektionsrisiko hervorgeht, aber nicht die genauen Gründe dafür.
Ausgangspunkt für die Studie waren Beobachtungen vor einigen Jahren: „Studien während der Covid-19-Pandemie zeigten, dass übergewichtige Personen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Sars-Cov-2-Infektion hatten, was sich in vermehrten Krankenhausaufenthalten und einer höheren Sterblichkeit widerspiegelte“, schreibt das Team. Allerdings sei nicht klar gewesen, ob dies auch für andere Infektionskrankheiten gelte.
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Die Studienautoren warnen, dass sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen könne. „Da die Adipositasraten weltweit voraussichtlich steigen werden, wird auch die Zahl der Todesfälle und Krankenhausaufenthalte aufgrund von mit Adipositas verbundenen Infektionskrankheiten zunehmen“, sagt Nyberg. Um das Risiko schwerer Infektionen sowie anderer mit Adipositas verbundener Gesundheitsprobleme zu reduzieren, bestehe ein dringender Bedarf an Maßnahmen, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben und Gewicht zu reduzieren, betont die Forscherin.
pau/dpa








