Es könnte so einfach sein: Am Tresen in der Apotheke einfach die Gesundheitskarte ins Lesegerät stecken – schon sieht die Apothekerin auf dem Bildschirm alles Wichtige zu Patientin oder Patient und kann optimal beraten. Noch aber hinken E-Rezept und vor allem die elektronische Patientenakte (ePA) hinterher, was die Digitalisierung in der Apotheke angeht.

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Was mit der Gesundheitskarte schon verbessert wurde und wo es noch ärgerliche Lücken gibt, weiß Apothekerin Dr. Ina Lucas aus ihrer Filiale zu berichten. In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ verrät sie, welche Vorteile die Versichertenkarte schon jetzt für Apotheken und Patienten bringt, warum die Karte bei Tablettenschachteln Licht ins Dunkel bringt und wie Lucas und ihr Team gefährliche Wechselwirkungen bei Medikamenten jetzt leichter erkennen können.
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Dr. Ina Lucas: „Immer mal wieder kommen Patientinnen und Patienten in meine Apotheke und stellen plötzlich fest, dass ein anderes Medikament auf dem elektronischen Rezept verordnet wurde, als sie erwartet hatten. Oder die Verordnung fehlt komplett und kann deshalb auch nicht durch das Einstecken der Gesundheitskarte in der Apotheke abgerufen werden. Das kann medizinische oder technische Gründe haben.
Die Enttäuschung der Patienten ist dann zunächst einmal groß. Aber genau hier kommt ein großer Vorteil des E-Rezeptes zum Tragen – nämlich, dass Ärztinnen und Ärzte die E-Rezepte aus der Ferne ausstellen, freigeben oder löschen können. Wenn ich als Apothekerin also mit der Arztpraxis telefoniert habe, ist das neue E-Rezept schon nach wenigen Minuten abrufbar. Ich freue mich dann genauso wie meine Patienten. Unsere Nerven wurden geschont – und wir haben Zeit gespart.
Unsere Expertin
Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..
Nach mehr als zwei Jahren im Einsatz ist das E-Rezept längst keine Neuheit mehr, sondern im Alltag aller Menschen, Arztpraxen und Apotheken angekommen. Bundesweit wurden schon rund 1,3 Milliarden E-Rezepte ausgestellt und eingelöst. Bei den meisten E-Rezepten läuft es reibungslos und sie werden auch als nützlich wahrgenommen. Anders ist es bei der elektronischen Patientenakte, kurz ePA. Die ePA ist zwar seit Oktober 2025 Pflicht in allen Arztpraxen und Apotheken, wird aber nur stufenweise eingeführt und sich deshalb erst nach und nach mit Dokumenten und Informationen füllen.
Aus Apothekensicht ist innerhalb der ePA derzeit vor allem die elektronische Medikationsliste (eML) interessant. Dort werden automatisch alle Arzneimittel aufgelistet, die elektronisch verordnet und in der Apotheke bezogen wurden. Statistisch gesehen werden pro Woche im Durchschnitt rund 20 Millionen elektronische Medikationslisten durch Praxen, Kliniken oder Apotheken geöffnet.
Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“
Wechselwirkungen bei Medikamenten: Apotheken bieten wichtigen Check
Auch wenn die ePA noch lange nicht vollkommen ist, so hat sie für Patienten in der Apotheke doch durchaus Vorteile. Die in der eML angezeigte Historie aller bisherigen elektronischen Verordnungen und Abgaben kann dem Apothekenteam helfen, einen besseren Rundumblick zu gewinnen. So lässt sich die Frage, warum die Tablettenschachtel diesmal ganz anders aussieht als voriges Mal, schnell und unkompliziert beantworten.
Ein weiterer Vorteil der eML ist der Wechselwirkungs-Check. Möchte also eine Patientin ein rezeptfreies Medikament in der Apotheke kaufen und löst gleichzeitig ein E-Rezept ein, kann die Apotheke auch Wechselwirkungen mit früheren, elektronisch verordneten Arzneimitteln erkennen – und nicht nur mit demjenigen, das gerade verordnet wurde.
Alles in allem geht es also voran mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen und in den Apotheken. Selten sprunghaft, meistens nur Schritt für Schritt, aber es müssen auch alle mitmachen und mitkommen – von IT-Dienstleistern über Arztpraxen, Kliniken, Apotheken und Krankenkassen bis hin zu den Versicherten. Als positiver Mensch sehe ich persönlich das Glas eher halb voll als halb leer, aber trotzdem darf es gerne noch einen Schritt schneller mit der Digitalisierung vorangehen. Meinen Patientinnen und Patienten erkläre ich das alles gerne.“











