Ständige Erschöpfung, Kältegefühl trotz warmer Umgebung und eine langsam steigende Zahl auf der Waage – solche Beschwerden können auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen. Die sogenannte Hypothyreose zählt zu den häufigeren Hormonstörungen und bleibt dennoch oft lange unentdeckt.

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Die Schilddrüse ist zwar klein, übernimmt im Körper jedoch zentrale Steuerfunktionen. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, spüren das Betroffene meist im ganzen Organismus.
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Schilddrüse: Ein kleines Organ mit großer Wirkung
Die Schilddrüse sitzt vorn am Hals, unterhalb des Kehlkopfs, und wird wegen ihrer Form oft als „Schmetterlingsorgan“ bezeichnet. Sie produziert Hormone, die nahezu alle Stoffwechselprozesse beeinflussen – vom Herzschlag über die Verdauung bis zur Körpertemperatur.
„Man kann sie als eine Art Taktgeber des Stoffwechsels verstehen“, erklärt Volker Fendrich. Werden zu wenige Hormone gebildet, verlangsamt sich der gesamte Organismus. Die wichtigsten Botenstoffe heißen T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Sie steuern unter anderem Energieverbrauch, Muskelaktivität, Haarwachstum und Konzentrationsfähigkeit.
Häufige Ursache: eine Autoimmunreaktion
Die mit Abstand häufigste Ursache einer Unterfunktion ist die chronische Entzündung Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei greift das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Schilddrüsengewebe an. Auch andere Faktoren können eine Rolle spielen: Operationen, bei denen Teile der Schilddrüse entfernt wurden, bestimmte Medikamente oder ein langfristiger Jodmangel. In seltenen Fällen liegt die Ursache bereits bei der Geburt vor – solche Fälle werden jedoch meist früh im Neugeborenenscreening erkannt.
Typische Symptome: Wenn der Stoffwechsel langsamer wird
Eine Unterfunktion entwickelt sich oft schleichend. Die Beschwerden sind vielfältig und werden nicht immer sofort mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Kälteempfindlichkeit
- Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
- verlangsamter Puls
- Konzentrationsprobleme
- depressive Verstimmungen
- trockene Haut und brüchige Haare oder Nägel
- Verstopfung
„Viele beschreiben es so, als würde der Motor im Körper nur noch stottern“, sagt Volker Fendrich. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion zeigen sich dagegen gegenteilige Symptome wie Herzklopfen, Schlafstörungen oder Gewichtsverlust.
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Diagnose beim Arzt: Ein Blutwert gibt den ersten Hinweis
Der erste Schritt führt in der Regel in die Hausarztpraxis. Eine Blutuntersuchung liefert wichtige Hinweise auf eine mögliche Störung. Zentrale Rolle spielt dabei der sogenannte TSH-Wert. Dieses Hormon wird im Gehirn gebildet und steuert die Schilddrüse. Ist der Wert erhöht, deutet das häufig auf eine Unterfunktion hin. „Das Gehirn versucht dann, die Schilddrüse stärker anzuregen – was bei einer geschädigten Drüse nicht mehr funktioniert“, erklärt Volker Fendrich.
Zusätzlich werden häufig die freien Schilddrüsenhormone (fT4) sowie mögliche Antikörper im Blut bestimmt. Auch eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über die Ursache geben, etwa bei einer Hashimoto-Erkrankung.
Behandlung: Hormone gibt‘s in Tablettenform
Standardtherapie ist die Gabe von L-Thyroxin. Dabei handelt es sich um ein synthetisches Schilddrüsenhormon, das den fehlenden Botenstoff ersetzt. Die richtige Dosierung wird individuell angepasst, oft über mehrere Wochen hinweg. In vielen Fällen ist die Einnahme langfristig oder lebenslang notwendig.

Wichtig ist auch der richtige Zeitpunkt der Einnahme: Die Tablette sollte nüchtern eingenommen werden, idealerweise mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück. Bestimmte Lebensmittel und Medikamente können die Aufnahme beeinflussen – dazu zählen etwa kalziumhaltige Produkte wie Milch oder Joghurt sowie Eisenpräparate oder einige Antibiotika.
Begleitende Faktoren nicht unterschätzen
Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch andere Werte eine Rolle. Fachleute empfehlen häufig, Eisen-, Vitamin-D- und Selenwerte mit zu überprüfen.
Gerade bei Hashimoto-Patientinnen und -Patienten treten Mängel häufiger auf, was Symptome wie Müdigkeit zusätzlich verstärken kann. „Wird ein Vitamin-D-Mangel ausgeglichen, kann das die Wirkung der Schilddrüsenhormone unterstützen“, erläutert Wolfgang Braun.
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Lebensstil kann den Verlauf beeinflussen
Auch wenn Medikamente die Grundlage der Behandlung bilden, kann der Alltag einen Unterschied machen. Ausreichender Schlaf, Stressreduktion und der Verzicht auf Nikotin gelten als sinnvoll.
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist in den meisten Fällen gut behandelbar – entscheidend ist jedoch, sie frühzeitig zu erkennen und konsequent zu therapieren.
ef/dpa










