Alzheimer gehört zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin. Die Krankheit entwickelt sich oft über viele Jahre, bevor Betroffene erste Gedächtnisprobleme bemerken. Genau hier setzt die aktuelle Forschung an: Statt Alzheimer erst zu behandeln, wenn Einschränkungen auftreten, suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, die Krankheit möglichst früh aufzuhalten.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Antikörper-Wirkstoff Trontinemab steht dabei besonders im Fokus. Eine große klinische Studie soll nun klären, ob das Medikament Menschen helfen kann, die noch keine Beschwerden haben, aber ein erhöhtes Risiko für Alzheimer aufweisen.

Auch interessant

Alzheimer: Neues Medikament Trontinemab soll Demenz aufhalten

Trontinemab ist ein neuartiger Antikörper, der vom Schweizer Pharmaunternehmen Roche entwickelt wird. Das Medikament richtet sich gegen sogenannte Amyloid-beta-Ablagerungen. Diese Eiweißansammlungen bilden im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten sogenannte Plaques und stehen im Zusammenhang mit dem Verlust von Nervenzellen.

Der Wirkstoff gehört zu einer neuen Generation von Alzheimer-Medikamenten. Anders als ältere Ansätze soll Trontinemab mithilfe einer speziellen Technik, dem sogenannten Brain-Shuttle, die Blut-Hirn-Schranke besser überwinden können. Diese natürliche Schutzbarriere des Gehirns verhindert normalerweise, dass viele Wirkstoffe aus dem Blut in das Nervengewebe gelangen.

Lesen Sie auch

Durch den verbesserten Transport ins Gehirn könnte Trontinemab mit geringeren Mengen auskommen und dadurch möglicherweise weniger Nebenwirkungen verursachen. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Amyloid-Ablagerungen schneller reduzieren kann als bisherige Medikamente.

Alzheimer: Neuartiges Demenz-Medikament könnte Wendepunkt darstellen

Die entscheidende Frage lautet nun: Kann Trontinemab Alzheimer nicht nur verlangsamen, sondern möglicherweise verhindern? Eine internationale Phase-III-Studie mit dem Namen PrevenTRON soll darauf Antworten liefern.

Für die Untersuchung sollen rund 1600 Menschen ab 55 Jahren gewonnen werden, die noch keine Gedächtnisprobleme haben. Voraussetzung ist jedoch, dass bestimmte biologische Hinweise auf ein erhöhtes Alzheimer-Risiko vorliegen. Dazu zählt unter anderem ein erhöhter Wert des Blutmarkers p-tau217.

Auch interessant

Dieser Biomarker kann Hinweise darauf geben, ob sich im Gehirn Prozesse entwickeln, die mit Alzheimer verbunden sind. Forscher hoffen, dadurch Menschen identifizieren zu können, die von einer frühen Behandlung besonders profitieren könnten.

Neue Studie zu Alzheimer-Medikament geplant: Senkt es Risiko für Demenz?

Experten sehen in der Entwicklung von Trontinemab einen möglichen Wendepunkt. Die Vorstellung dahinter: Ähnlich wie Medikamente gegen erhöhte Cholesterinwerte das Risiko für Herzinfarkte senken können, könnten zukünftige Alzheimer-Therapien das Risiko für eine Demenzerkrankung verringern, bevor Beschwerden entstehen.

Hilary Evans-Newton von Alzheimer’s Research UK betont, dass die Forschung in diesem Bereich große Fortschritte mache. Die kommenden Jahre könnten demnach zeigen, ob Behandlungen möglich werden, die die Gesundheit des Gehirns langfristig schützen.

Auch interessant

Auch andere Fachleute sprechen von einem möglichen Durchbruch. Entscheidend sei jedoch, ob die Ergebnisse der großen Studien bestätigen, dass die Entfernung von Amyloid-Ablagerungen tatsächlich verhindert, dass Menschen geistig abbauen.

Frühere Medikamente konnten Alzheimer bisher nur verlangsamen

Mit Lecanemab und Donanemab gibt es bereits erste zugelassene Alzheimer-Medikamente, die nachweislich den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Beide Wirkstoffe greifen ebenfalls Amyloid-Ablagerungen an.

Auch interessant

In Studien konnten sie den kognitiven Abbau bei Menschen mit frühen Alzheimer-Symptomen bremsen. Lecanemab reduzierte die Verschlechterung demnach um 27 Prozent, Donanemab um 35 Prozent. Eine vollständige Heilung oder ein Stopp der Krankheit gelang jedoch nicht.

Alzheimer-Medikament Trontinemab könnte weniger Nebenwirkungen mit sich bringen

Ein Vorteil von Trontinemab könnte sein, dass der Wirkstoff gezielter ins Gehirn gelangt. Frühere Alzheimer-Antikörper müssen in höheren Dosierungen eingesetzt werden, um ausreichend Wirkung zu erzielen. Dadurch steigt das Risiko bestimmter Nebenwirkungen.

Erste Daten aus kleineren Studien geben Hinweise darauf, dass Trontinemab möglicherweise besser verträglich sein könnte. Bei höheren Dosierungen wurden in bisherigen Untersuchungen weniger schwere Komplikationen beobachtet als bei früheren Wirkstoffen. Die Ergebnisse müssen allerdings in größeren Studien bestätigt werden.

Auch interessant

Noch ist nicht klar, ob die schnellere Entfernung der Plaques tatsächlich dazu führt, dass Menschen länger ohne Gedächtnisprobleme leben. Genau diese Frage sollen die kommenden Phase-III-Studien beantworten.

Bluttests könnten Alzheimer früher erkennen

Eine wichtige Rolle bei der neuen Forschung spielen Bluttests. Der Marker p-tau217 könnte künftig helfen, Menschen mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko frühzeitig zu erkennen.

Nach bisherigen Erkenntnissen können solche Tests mit hoher Genauigkeit auf Alzheimer-typische Veränderungen hinweisen. Bevor sie jedoch breit eingesetzt werden können, müssen sie weiter geprüft werden und mit anderen Untersuchungen vergleichbare Sicherheit bieten.

Für Betroffene bedeutet das: Wer sich Sorgen wegen Gedächtnisproblemen macht, sollte nicht abwarten. Der erste Schritt ist ein Gespräch mit dem Hausarzt oder der Hausärztin. Dort können andere Ursachen ausgeschlossen und bei Bedarf weitere Untersuchungen, etwa in einer Gedächtnisambulanz, eingeleitet werden.

Lesen Sie auch

Was jeder selbst für die Gehirngesundheit tun kann

Auch wenn Medikamente wie Trontinemab noch nicht verfügbar sind, können Menschen einige Risikofaktoren beeinflussen. Forscher empfehlen vor allem regelmäßige Bewegung, geistige Aktivität und eine ausgewogene Ernährung.

Auch der Verzicht auf Rauchen, ein bewusster Umgang mit Alkohol und die Behandlung von Hörverlust können eine Rolle spielen. Studien zeigen, dass unbehandelter Hörverlust ein wichtiger Risikofaktor für Demenz sein kann. Bis Trontinemab möglicherweise eingesetzt werden kann, werden noch mehrere Jahre vergehen.