Der Lockdown trifft viele Branchen hart – doch nicht alle stehen dabei so im Fokus wie etwa die Gastronomie oder die Kultur. Manche Krise läuft im Stillen ab, wie die der Trödelmärkte. Dabei gehören sie für viele Menschen längst zu den Nahversorgern. An ihnen hängen Jobs, von der Logistik über Dienstleister bis hin zum klassischen Verkauf. Dennoch dürfen sie aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen in NRW derzeit nicht stattfinden.

„Die Problematik wird von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen“, sagt Volker Weitz, Veranstalter der Melan Märkte, zu denen auch der große Trödel am Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ) gehört. Bis zu 8000 Besucherinnen und Besucher würden normalerweise an einem Wochenende zu dem Markt nach Mülheim kommen. „Die Märkte haben einen hohen Stellenwert, das wird von der Landesregierung aber nicht gesehen.“

Trödelmärkte haben sich in den letzten Jahren gewandelt

Ursprünglich waren Trödelmärkte nicht zur Deckung des täglichen Bedarfs gedacht. Sie hingen an Jahrmärkten, es wurden vor allem Second Hand-Waren verkauft. Ihr Angebot hat sich in den letzten 20 Jahren aber gewandelt. Heute treffen sich dort sowohl Schnäppchenjäger als auch Personen mit geringen finanziellen Mitteln, es gibt günstige Lebensmittel, Kleidung und Haushaltsbedarf. Auch die Händlerinnen und Händler sind diverser geworden: Manche verkaufen ausrangierte Privatgüter, bei anderen deckt die Arbeit den kompletten Lebensunterhalt.

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Ungerecht behandelt fühlt sich der Veranstalter im Vergleich zu Wochenmärkten. Selbst unter den verschärften Lockdown-Bedingungen dürfen diese als Nahversorger weiter stattfinden. „Warum wird das Obst und Gemüse auf den Wochenmärkten anders bewertet als das auf den Trödelmärkten?“, fragt Weitz. „Menschen aus sozial schwächeren Stadtteilen kaufen seltener auf einem Wochenmarkt. Es wird ihnen die Möglichkeit genommen, sich auf Trödelmärkten günstig mit Lebensmitteln einzudecken.“

Doch neben dem Stellenwert als günstiger Versorger stehen auch Arbeitsplätze auf dem Spiel. „Wenn ich meinen Stammplatz aufgrund von Corona verliere, dann habe ich auch keine Chance, auf einem anderen Markt einen Platz zu bekommen. Allein am RRZ sind es gut 400 Aussteller, die kommen während der Krise sonst nirgendwo unter. Aktuell stehen wir als Veranstalter, aber auch die Händler, unter einem Berufsverbot“, so Weitz. Wie viele ihren Stand aufgeben werden, vermag er nicht zu schätzen. „Jetzt kommt es darauf an, ab wann wir wieder arbeiten dürfen. Januar, Februar, März – man weiß es nicht.“

Trödelmärkte im Lockdown: "Ein riesiges Rad ist zum Stillstand gekommen"

Bei Brauns Märkten sieht die Lage ähnlich aus. „Viele kleine Händler werden kaputt gemacht“, sagt Mitveranstalter Daniel Braun, der unter anderem Trödel in Essen und Moers organisiert. „Einige Händler haben schon während des ersten Lockdowns bei uns angerufen und gesagt, dass sie es nicht schaffen.“ Im Sommer seien die Märkte zwar langsam, dann aber erfolgreich wieder angelaufen. „Gerade der Essener Trödelmarkt war schnell wieder ausgelastet. Das Ruhrgebiet schien darauf gewartet zu haben.“

Von dem Trödelmarktverbot doppelt betroffen ist der Krefelder Tim Bongartz. „Es ist ein riesiges Rad, das zum Stillstand gekommen ist.“ Er arbeitet als Personalleiter eines Trödelmarktes und ist zusätzlich mit gastronomischen Angeboten auf Märkten vertreten. „Waffeln, Crêpes, Wurst, all die Wägen kann ich gerade nicht bewegen“, erzählt er. Allein für ihn würden gut 15 Angestellte arbeiten, die regelmäßig beim Verkauf mithelfen.

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Er selbst hätte vor der Krise finanziell gut dagestanden, im Lockdown aber im Supermarkt Regale aufgefüllt, um laufende Kosten zu decken und nicht untätig zu sein. Viele Händlerinnen und Unternehmer wie Bongartz hätten von den Fördermitteln des Landes profitieren können, Mini-Jobber oder Aushilfen waren davon ausgeschlossen. Erhebliche Einbußen hätten aber alle davontragen müssen. „Es betrifft hier wieder die Leute, die weniger Geld haben: die Finanzschwachen.“ Er zweifelt zudem an der rechtlichen Grundlage des Verbots und fragt: „Warum haben die Wochenmärkte noch geöffnet?“ Trotzdem kann er Marktbetreiber verstehen, die nicht aktiv die Öffentlichkeit suchen. „Das kann ja auch zu einem Imageschaden und schlechter Publicity führen.“

Schlechte Publicity will auch Volker Weitz als Veranstalter der Melan Märkte vermeiden. Er glaubt allerdings, dass „ein guter Branchenanwalt gegen das Verbot klagen könnte und wahrscheinlich recht bekommen“ würde. Ganz abhängig davon, wie sich die kommende Zeit entwickeln wird: „Wenn das Verbot noch lange weitergeführt wird, überlegen wir, auch gemeinsame rechtliche Schritte einzuleiten.“

Vera Denkhaus