Coronavirus

Längere Schulferien wegen Corona: „Das wäre kontraproduktiv“

Die Mehrheit der Eltern fordert laut Sebastian Witzmann die Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen.

Die Mehrheit der Eltern fordert laut Sebastian Witzmann die Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Der Vorschlag, die Winterferien zu verlängern, stößt auf Kritik. Lehrerverband fordert eine Maskenpflicht und Lüftungsgeräte an allen Schulen.

An Rhein und Ruhr. In den kommenden Wochen könnte es in vielen Klassenräumen in NRW kalt werden. Weil vielerorts Lüftungsgeräte fehlen, müssen Lehrer regelmäßig die Fenster öffnen. Mehrere CDU-Politiker haben deshalb am Dienstag vorgeschlagen, die Winterferien zu verlängern. Entsprechend kürzer sollen im kommenden Jahr die Sommerferien ausfallen. Ein Vorschlag, der in NRW auf Kritik stößt.

„Ich halte davon gar nichts“, so Andreas Bartsch, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands. Dass Schüler im Winter einige Tage weniger in den kalten Klassenräumen sitzen müssen, klinge erstmal gut. „Aber das geht doch nicht an die Wurzel des Problems.“

Präsenzunterricht könne nur stattfinden, wenn die Maskenpflicht wieder eingeführt wird. „Die Masken haben sich bewährt“, so Bartsch. Außerdem müssten in allen Schulen Lüftungsgeräte installiert werden, um das ständige Stoßlüften einzustellen. „Ich kenne den Vorschlag, Schüler mit Decken und Schals in den Unterricht zu schicken. Das ist gut gemeint, aber keine Lösung.“

Maskenpflicht: „Mehrheit der Eltern würde das befürworten“

Unterstützung erhält Bartsch von Sebastian Witzmann, Elternpflegschaftsvorsitzender des Lessing-Gymnasiums und Berufskollegs in Düsseldorf. „Es gab bereits einen Schulausfall. Und jetzt soll es wieder so eine lange Periode ohne Präsenzunterricht geben? Das wäre absolut kontraproduktiv.“ Zumal die Schüler auch in den Ferien nicht kontaktlos bleiben würden. Durch die zunehmende Nachlässigkeit der Bürger bei der Einhaltung von Corona-Regeln sei nicht auszuschließen, dass das Infektionsrisiko für Kinder im Privatbereich sogar höher ist als in der Schule.

Witzmann plädiert für die Wiedereinführung der Maskenpflicht in Schulen. „Die überwältigende Mehrheit der Eltern an unserer Schule würde eine Maskenpflicht befürworten.“ Auch die Schüler hätten sich an das Tragen eines Atemschutzes gewöhnt. „Die Gegner der Maskenpflicht schreien nur lauter“, so Witzmann. Deshalb entstehe der Eindruck, ein großer Teil der Eltern sei gegen eine Wiedereinführung.

Ministerin Gebauer: „Der Vorschlag ist untauglich und unnötig“

Auch im Schul- und Bildungsministerium von NRW trifft der Vorschlag nicht auf Gegenliebe. „Der Vorschlag ist untauglich und unnötig. Er ist kurzfristig weder schulorganisatorisch noch praktisch umzusetzen“, erklärt Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer zum Vorschlag, die Winterferien zu verlängern und stattdessen die Sommerferien zu kürzen. „Nach dem Lockdown im letzten Schuljahr muss es in diesem Schuljahr darum gehen, dass Schule in geregelten Strukturen stattfindet und die Kinder so viel Präsenzunterricht wie möglich erhalten ohne lange Unterbrechungszeiten wie einen Monat Weihnachtsferien.“

Die Erfahrungen der vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass an den Schulen kein unkontrolliertes Infektionsgeschehen festzustellen ist und Schulen keine Hotspots sind. „Ganz im Gegenteil. Die strengen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen werden eingehalten und wirken“, so Gebauer.

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