Verkehr

Immer mehr Unfälle in Autobahn-Baustellen an Rhein und Ruhr

Häufig gilt Baustellen nur noch Tempo 60 statt der bislang üblichen 80 km/h. Das sorgt dafür, dass Unfälle dort meist glimpflicher verlaufen. Die daraus resultierenden Rückstauungen beeinträchtigen den Verkehr allerdings stark.

Häufig gilt Baustellen nur noch Tempo 60 statt der bislang üblichen 80 km/h. Das sorgt dafür, dass Unfälle dort meist glimpflicher verlaufen. Die daraus resultierenden Rückstauungen beeinträchtigen den Verkehr allerdings stark.

An Rhein und Ruhr.   Die Autobahnpolizei Düsseldorf hat im vergangenen Jahr 1845 Unfälle in Autobahn-Baustellen gezählt. Zwei Jahre zuvor waren es noch 500 weniger.

Immer mehr Baustellen auf Autobahnen in Nordrhein-Westfalen und immer breitere Autos sorgen dafür, dass auch die Zahl der Unfälle an diesen Gefahrenstellen zugenommen hat. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Geschwindigkeitsüberwachung in diesen Bereichen und mahnt Autofahrer zur Vorsicht.

Die für die Rhein-Ruhr-Region zuständige Autobahnpolizei Düsseldorf zählte im vergangenen Jahr 1845 Unfälle in Baustellen, wie ein Sprecher auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilte. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es 1557 und im Jahr davor 1348 gewesen. Baustellenunfälle machen damit mittlerweile 12% der Unfälle auf Autobahnen in der Region aus. In den Jahren zuvor hatte der Anteil bei 10% und 9% gelegen.

Vier Personen teils schwer verletzt

Immer wieder haben diese Unfälle auch schlimme Folgen – so etwa Mitte April dieses Jahres, als in einer Baustelle auf der A 52 im Kreuz Neersen ein Pkw wegen eines Beinahe-Unfalls vor ihm abbremste, der Hintermann das zu spät erkannte und auffuhr. Vier Personen wurden teils schwer verletzt, es entstand hoher Sachschaden.

„Baustellen sind immer Gefahrenbereiche, besonders auf Autobahnen“, mahnte GdP-Landeschef Michael Mertens im Gespräch mit der Redaktion. Autofahrer unterschätzten, dass es bei Geschwindigkeitsbegrenzungen dort nicht nur um Verkehrssicherheit gehe, sondern auch um Arbeitssicherheit. Besondere Gefahr droht, wenn Fahrbahnen verschwenkt werden.

Die Gewerkschaft drängt auf mehr Geschwindigkeitsüberwachung in Baustellen – einmal durch die semistationären Blitzer, mit denen jede Kreispolizeibehörde in NRW ausgestattet werden soll. Auch mehrere Landkreise legen sich solche Anlagen zu. Zum anderen rät die GdP aber zu „Section Control“, also der abschnittsweisen Tempoüberwachung: „Da dauert die rechtliche Prüfung ja noch an.“

Dr. Roman Suthold, Verkehrsexperte ADAC Nordrhein, erinnerte gegenüber der Redaktion daran, dass fast 50% der Staus auf NRW-Autobahnen durch Baustellen verursacht würden: „Eine frühzeitige und klare Baustellen-Kommunikation im Vorfeld sowie auf der Autobahn selbst sorgt für mehr Verständnis, erhöht die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer und ist deshalb ganz entscheidend.“

Auffahrunfälle mit Lkw besonders gefährlich

Besonders gefährlich seien Auffahrunfälle, bei denen Lkw nahezu ungebremst auf ein Stauende auffahren. „Die Folgen sind aufgrund hoher Masseunterschiede zwischen Lkw und Pkw und der oft hohen Geschwindigkeits-Differenz in vielen Fällen dramatisch“, warnte Suthold. Der ADAC fordere eine europaweite Verschärfung der Vorschriften zu Lkw-Notbremsassistenten.

Landesweit ist die Zahl der Autobahnbaustellen deutlich gestiegen. 21.478 Arbeitsstellen von unter 24 Stunden Dauer zählte der Landesbetrieb Straßen NRW im vergangenen Jahr, dazu 334 längere Baustellen. Zum Vergleich: 2016 waren es 16.473 kürzere und 332 längere Baustellen.

Runter vom Gas schon vor der Baustelle

Durch Schilder, Markierungen, zusätzliche Sicherungshänger oder auch Leitschwellen weise man Verkehrsteilnehmer frühzeitig auf Gefahren hin, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebes Straßen NRW. Schon vor der Einfahrt in den Baustellenbereich wird die Geschwindigkeit reduziert.

Seit Ende 2018 gilt zudem eine neue Arbeitsschutzrichtlinie. Nun sind größere Abstände zwischen Baustellen und fließendem Verkehr vorgeschrieben. „Das hat natürlich Auswirkungen auf die verbleibende Fläche für die Fahrspuren“, sagte die Sprecherin. Baumaßnahmen könnten mitunter nur unter Vollsperrung durchgeführt werden.

>>>> HINTERGRUND: DAS NAVI ALS GEFAHRENQUELLE

Neben unangepasster Geschwindigkeit ist Unachtsamkeit eine der größten Gefahrenquellen beim Durchfahren solcher Baustellenbereiche. Navigationsgeräte funktionieren mitunter in Baustellen auf Autobahnen nicht. Viele Autofahrer sind aber völlig fixiert auf ihre Geräte und reagieren dann sehr irritiert. Michael Mertens, Landeschef der Gewerkschaft (GdP), mahnt auf Hinweistafeln zu achten: „Wenn da steht, dass Navigationsgeräte nicht funktionieren, hat das seinen Sinn.“

Leserkommentare (6) Kommentar schreiben