Das Kreuzgewölbe an der Decke, die schwarzen und roten Fliesen am Boden, an den Wänden eine historische Butter-Kirne zur mechanischen Butterherstellung, Fachliteratur zur Geschichte der Käseproduktion, eine Käsepresse, eine Käsewanne, beide sind ein Jahrhundert alt. Was sich dem Besucher bietet, wenn Museen ihre Tore wieder öffnen dürfen, ist ein uriger Blick auf die Geburtsstunde des Käsemachens am Niederrhein – am Originalschauplatz.
Das Käsemuseum auf Gut Hogefeld
Das 2020 eröffnete Käsemuseum auf Gut Hogefeld im Klever Ortsteil Rindern zeigt die erste Produktionsstätte der Käse-Pionierin Maria Reymer (1803-1852). Hier hat die Tochter des damaligen Gutsbesitzers Theo Reymer 1825 dem Niederrhein die Käsemacherei gebracht und deutschen Käse nach Gouda-Art hergestellt. Dem Weg dorthin ging eine clevere Idee ihres Vaters, vielleicht sogar eine frühe Form der Wirtschaftsspionage, voraus: Es galt nämlich, die in den Kriegswirren des 16. Jahrhunderts verloren gegangene Rezeptur der Käseherstellung erst einmal wieder zu erlangen und die Produktion von Käse neu zu erlernen.
Das Käsehandwerk – bei den Niederländern abgeguckt
Ein Handwerk, das man hier im übrigen schon seit dem 15. Jahrhundert beherrscht hatte. Dafür schickte Landwirt Theo Reymer seine Tochter 1824 zu Verwandten ins niederländische Utrecht, wo sie die Kunst der Käseproduktion lernte. Ein Wissen, das die Niederländer gut hüteten.
Schließlich exportierten sie ihren Gouda und Edamer mit finanziellem Erfolg und der Geschichte, allein ihre fruchtbaren Weideplätze ermöglichten die Herstellung von gutem Käse, während es den Menschen am Niederrhein nach der französischen Besatzung wirtschaftlich alles andere als gut ging. Das Wissen um die Produktion von Käse sorgte nicht nur dafür, dass „Milch schnittfest, haltbar und transportfähig gemacht wurde“, wie es Josef Gietemann, Vorsitzender von Arenacum – Verein für Kultur und Geschichte in Rindern, und Molkereimeister Johannes Intveen auf den Punkt bringen.
Niederrheinischer Käse nach Gouda-Art
Zu wissen wie man Käse herstellt, hat auch dafür gesorgt, dass der Niederrhein sich im 19. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Milchregionen Nordrhein-Westfalens entwickeln konnte. Denn Theo Reymer hat sein Wissen anderen Landwirten weitergegeben, viele von ihnen hielten wie er Milchvieh.
Die Produktion von niederrheinischem Käse nach Gouda-Art begann auf Gut Hogefeld am 11. Mai 1825. Bis zum Ende des Jahres hatte der Hof mit der Milch von zehn Kühen stolze 4300 Pfund Käse hergestellt. Die Erträge aus der Käsemanufaktur waren fast zweieinhalb Mal höher als bei der bisherigen Produktion von Butter. Zahlreiche Molkereien entstanden in der Region, Käse vom Niederrhein fand reißenden Absatz.
„Theo Reymer und seine Tochter haben so für einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Landwirte gesorgt“, so Josef Gietemann, der hofft, bald wieder gemeinsam mit Roland Verheyen vom Verein Arenacum und Gästeführerin Hildegard Liebeton durch die fast verwunschen wirkenden Räume führen zu können.
Das kleine Käsemuseum im Kellergewölbe des ältesten Teils des Gutsgebäudes zeigt historische Exponate für das Handwerk der Käse- und Butterherstellung und öffnet den Blick in die Arbeitswelt von vor 200 Jahren. Hergerichtet überwiegend in Eigenleistung durch die Mitglieder des Vereins Arenacum und mit Unterstützung einiger Handwerksbetriebe sowie gefördert mit Mitteln der NRW-Stiftung, ermöglicht es Besuchern den Anfängen und der Geschichte der Käseproduktion am Niederrhein nachzuspüren.
Eine Milchroute ist geplant
Für die Zeit nach Corona plant der Verein eine „Milchroute“. Mit dem Fahrrad können Interessierte dann vom Museum Forum Arenacum in Kleve-Rindern zum Gut Hogefeld, zum Milchviehbetrieb Speetenhof in Kranenburg-Mehr und zur Käserei Aurora in Kranenburg-Nütterden fahren. Seit 2020 ist der „Klever Milchweg“ auf dem Deich um eine Infotafel „Das Käsemuseum auf Gut Hogefeld“ erweitert worden.


