Die Mannschaften waren gerade in der Halbzeitpause verschwunden. Borussia Dortmund schlich nach schwachen 45 Minuten im Kollektiv vom Feld, da drehte der Stadion-DJ die Boxen auf. Er trällerte, in maximaler Überlautstärke, einen Klassiker aus den 2000ern: „Give me everything tonight“ von Pitbull, zu deutsch: „gib mir alles, was du hast, heute Nacht“. Der Song klang einerseits wie eine Drohung, dass der FC Bayern im zweiten Durchgang noch eine Schippe drauflegen würde; mit viel Wohlwollen aber ließ er sich auch als Weckruf für die BVB-Profis deuten.

FC Bayern dominiert BVB, Kovacs Warnung bewahrheitet sich

Denn die Mannschaft von Niko Kovac verpennte den ersten Durchgang, durch einen Treffer von Harry Kane in der 22. Minute lag der FC Bayern völlig verdient und viel zu niedrig in Führung. Das Aufeinandertreffen zwischen den bis dato besten Mannschaften der Bundesliga entpuppte sich 45 Minuten lang zum Pseudo-Gipfel, erst nach der Pause zum Fußballspiel auf Augenhöhe.

Vor dem Klassiker laufen die Gerüchte heiß: Wechselt BVB-Star Nico Schlotterbeck zum FC Bayern München? In einer neuen Folge von "Echte Tiefe - den BVB verstehen" blicken die WAZ-Reporter Christian Woop und Jonas Ortmann gemeinsam mit Moderatorin Linda Joy Sonnenberg auf die Gerüchte. Wie wahrscheinlich ist ein Abgang? Welche Auswirkungen hätte er für Borussia Dortmund? Erinnerungen an den Schock um den Abgang von Mario Götze werden wach.

Am Ende siegte der FC Bayern knapp 2:1, weil Michael Olise in der 78. Minute nach einem Sensationpass von Harry Kane erhöhte, Julian Brandt später mit seinem ersten Ballkontakt verkürzte (85.). Der Rekordmeister zieht damit der Liga weiter davon, baut den Vorsprung auf Borussia Dortmund auf sieben Punkte aus und ist dem nun mit RB Leipzig ärgsten Verfolger bereits fünf Punkte enteilt.

Süle und Groß in der BVB-Startelf

BVB-Trainer Kovac hatte mit seiner Herangehensweise überrascht, baute seine Erfolgsmannschaft (zuvor 14 Bundesliga-Spiele unbesiegt) auf zentralen Positionen um. In der Abwehr rückte Ex-Münchner Niklas Süle für den zuletzt starken Ramy Bensebaini rein, zudem startete Pascal Groß im Mittelfeld. Dafür verzichtete der Coach mit Maximilian Beier auf seinen dritten Angreifer. Die Umstellung begründete der Trainer mit der Belastungssteuerung nach der Länderspielpause. Dennoch: Es wirkte wie Variante Sicherheit vor Risiko, obwohl Kovac vor der Partie noch sagte: „Wenn man in München zu ängstlich agiert, dann wird es schwierig.“

Auf der gegenüberliegenden Seite fiel Nationalspieler Serge Gnabry aus, dafür begann an der Seite von Super-Stürmer Harry Kane Chelsea-Leihgabe Nicolas Jackson. Dachten zumindest alle. Kovac hatte im Vorfeld davor gewarnt, dass der FC Bayern die Spiele in dieser Saison bereits in den ersten zwanzig bis drei Minuten entscheide. Doch der typische Dauerdruck ließ sich nicht vermeiden.

Bayern-Torjäger Kane mit zwölftem Treffer

Vor allem deshalb, weil der Kane-Kniff von Bayern-Trainer Vincent Kompany saß wie seine geschmeidige grau-schwarze Jogginghose am Seitenrand. Statt im Sturm begann der Angreifer im offensiven Mittelfeld als Spielmacher, was die Fünferkette von Kovac im Zusammenspiel mit den defensiven Vordermännern immer wieder aushebelte. Der 32-Jährige hatte immer wieder freie Räume, konnte aufdrehen und die Angriffe einleiten. Die verdiente Führung fiel schließlich jedoch nach einer Ecke. Kimmich flankte, Top-Torjäger Kane schraubte sich hoch und nickte ein – 1:0 (22.). Es war das zwölfte Saisontor des Engländers im siebten Saisonspiel. Vor dem Treffer hatte Kane allerdings Serhou Guirassy noch geschubst.

Und Dortmund? Die Daten wiesen nach einer halben Stunde null Torschüsse aus. Stattdessen verhinderte mehrmals Torwart Gregor Kobel und einmal der Pfosten bei einem Schuss von Olise das 0:2 (36.). Vielleicht war es ja Pitbull, der die Dortmunder wachrüttelte: Denn nach dem Seitenwechsel änderte sich der Auftritt.

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Nmecha hatte die erste BVB-Chance nach Eckball per Kopf (49.), Dortmund wurde mutiger und hatte in Person von Karim Adeyemi in der 65. Minute den Ausgleich auf dem Fuß. Doch der Stürmer rutschte weg, vergab freistehend vor Manuel Neuer und musste wenig später frustriert vom Feld.

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Angeführt von Kämpfer-Kapitän Nico Schlotterbeck, der ja vom FC Bayern umgarnt wird und in der 72. Minute gegen Olise ein Monster-Tackling auspackte. Doch dann kam erneut Kane: Mit einem 50-Meter-Pass vom anderen Stern setzte er Diaz in Szene, der in die Mitte passt, wo der eingewechselte Jobe Bellingham den Ball nicht klären konnte und Olise anschoss (79. Minute), das 0:2. Danach probierte die Borussia nochmal alles, Brandt traf und die Münchner zitterten. Am Ende ließ sich aus BVB-Sicht bitter festhalten: Eine gute Halbzeit in München reichte nicht.