Er hatte die Schnauze buchstäblich voll. Atle Lie McGrath schrie seinen Frust heraus, während im Hintergrund die Trainer aus der Schweiz und Österreich über Gold und Silber jubelten. Derweil schleuderte der Norweger erst einen Skistock über die Zäune hinaus in den Wald von Bormio, nur Sekunden später flog der zweite im hohen Bogen ins Nirwana. Der norwegische Skistar konnte es nicht fassen, dass er die große Chance auf die Goldmedaille im Slalom der Olympischen Spiele einfach so weggeschmissen hatte. Nach wenigen Sekunden fädelte er als letzter Läufer an einem blauen Tor ein. Das Aus, das Ende vom Gold-Traum.

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Der Frust saß so tief, dass McGrath gar nicht erst auf seinen Ski ins Ziel fuhr, wo der Schweizer Loic Meillard über seinen Olympia-Triumph zusammen mit Fabio Gstrein, der sich mit 0,35 Sekunden Rückstand auf Meillard Silber sicherte, und mit dem Norweger Henrik Kristoffersen (+1,13), der Bronze gewann. Stattdessen fuhr er in Richtung Zaun, riss die Verankerungen der Stangen aus dem Schnee und kletterte unten drunter hinaus von der Strecke in den tiefen Schnee. Wutentbrannt stiefelte er Hunderte Meter immer weiter, bis er sich am Waldrand fallen ließ, die Handschuhe auszog, die Brille auf den Helm setzte und seine Tränen aus dem Gesicht wischte.

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Nur noch weg: Völlig frustriert stapft McGrath Richtung Wald.© Getty Images | DUSTIN SATLOFF

McGrath träumte spätestens seit dem ersten Lauf von dem großen Triumph beim olympischen Slalom in Bormio. Mit sechs Zehnteln führte er vor dem Schweizer Meillard und hatte die goldene Medaille vor dem geistigen Auge vielleicht schon umgehangen. Doch dann schied der Norweger, der zwar für seinen eleganten, aber auch aggressiven Fahrstil bekannt ist, aus. „Das tut mir so leid. Er geht aus dem Gelände raus, in Waldnähe. Er braucht seine Ruhe. Für ihn ist das der schlimmste Tag seit Langem. Wenn du so in Führung bist und das so hochhängst, dann tut mir das so enorm leid für ihn“, sagte ZDF-Experte Marco Büchel nach dem Rennen.

Strasser wird nur Neunter

Aus deutscher Sicht verlief das Rennen ebenfalls nicht wie gewünscht. Linus Straßer wurde nur Neunter und hatte über eine Sekunde Rückstand auf das Podium. Straßer hatte das „Stockerl“ bei schwieriger Sicht schon im ersten Durchgang aus den Augen verloren. „Ich würde selber gerne wissen, wo ich das Tempo verloren habe“, sagte er nach Zwischenrang zwölf: „Kurssetzung, Hang – das ist keine einfache Kombination. Solche Rennen sind immer ein bisschen frustrierend. Man könnte mich noch zehnmal runterfahren lassen, und ich wüsste nicht wie.“