Das sonnenverwöhnte Antholzer Tal zeigt sich am Donnerstag von seiner winterlichen Seite: Es schneit unaufhörlich. Die Schneedecke legt sich wie ein Schleier über die schmucken Bergdörfer. Das Ambiente passt zur gedrückten Stimmung in der deutschen Biathlon-Mannschaft, die in einer Pension unterhalb der Arena untergebracht ist. Statt der erhofften Staffelmedaillen gab es zweimal nur Rang vier. Die Enttäuschung ist groß – insbesondere bei Franziska Preuß.

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Die Olympischen Spiele in Antholz sollten ihr rauschendes Abschiedsfest werden. Am Fuße der Rieserferner-Gruppe wollte sie sich ihren Traum von einer olympischen Einzelmedaille erfüllen. Kein Ort schien dafür besser geeignet. Hier ist die Oberbayerin seit mehr als 15 Jahren Stammgast. Sie kennt die Strecken, sie liebt die Gegend, und dank der vielen deutschen Fans herrscht fast immer Heimspielatmosphäre. Doch ausgerechnet jetzt passt gar nichts zusammen. Auf der Zielgeraden ihrer Karriere erlebt Preuß einen italienischen Albtraum.

Nervenflattern beim letzten Schießen
Kein Rennen ohne Drama am Schießstand: Schon beim bronzenen Auftakt in der Mixed-Staffel hatte sie noch Glück, dass die Norwegerin Maren Kirkeeide eine Strafrunde mehr drehen musste. Doch die Schwächen der 31-Jährigen beim letzten Stehendschießen zogen sich anschließend wie ein roter Faden durch die Wettkämpfe. Im Einzel (10.), im Sprint (7.) und in der Verfolgung (6.) vergab sie ihre Medaillenchancen jeweils beim finalen Anschlag.
Schon nach der Verfolgung brach Preuß im Ziel in Tränen aus. Nach dem neuerlichen Fiasko im Staffelrennen am Mittwoch verließ sie völlig frustriert und ohne ein Wort das Stadion. Wieder versagten die Nerven: Drei Nachlader und eine Strafrunde kosteten sie entscheidende Sekunden. Die Aufholjagd der Mannschaftskolleginnen blieb trotz eines makellosen Auftritts von Schlussläuferin Vanessa Voigt erfolglos – 21,5 Sekunden fehlten zum Podest.
Letzte Chance im Massenstart am Samstag
Zwar stellte sich Trainer Kristian Mehringer schützend vor sein Aushängeschild: „Ich möchte jetzt nicht ihr die Schuld zuweisen, dass es mit der Medaille nicht geklappt hat. Wir können nur als Team gewinnen oder als Team verlieren.“ Doch wie es in ihr aussieht, kann man nur erahnen. Ihre eigenen Erwartungen scheinen eine zu große Belastung zu sein. Das Training am Donnerstag ließ sie aus. Ihre Strategie: den Kopf freibekommen. Noch hat sie eine Chance auf ein olympisches Happy End: Am Samstag (14.15 Uhr) endet der Biathlon in Antholz mit dem Massenstart über 12,5 Kilometer (ARD und Eurosport live).

Sportdirektor Bitterling baut auf Erfahrung von Preuß
Mehringer fordert von Preuß ein anderes Mindset: Sie solle ihr vielleicht letztes Rennen einfach genießen und an nichts anderes denken. Sportdirektor Felix Bitterling setzt auf die Erfahrung der amtierenden Gesamtweltcupsiegerin: „Sie hat sich schon ein paar Mal ausgegraben aus so einem kleinen Loch, hat sehr gut analysiert und sich dann wirklich super professionell wieder vorbereitet auf den nächsten Wettkampf.“
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Während Preuß um ein versöhnliches Ende ihrer Spiele kämpft, sind an diesem Freitag zunächst die Männer an der Reihe. In ihrem 15-Kilometer-Massenstart (14.15 Uhr/ZDF und Eurosport live) stehen sie ebenso unter Druck, einen historischen Tiefpunkt zu vermeiden. Bislang brachten die deutschen Biathleten bei Olympia stets mindestens zwei Medaillen mit nach Hause.





