Finn Sonnekalb wusste schon früh, was er will. Als er einst in der Schule zeichnen sollte, was er einmal im Leben erreichen wolle, malte er sich auf einem Siegertreppchen als Olympiasieger. Von diesem Kindheitstraum war er am Donnerstag noch weit entfernt. Im hochklassigen 1500-Meter-Wettkampf belegte Deutschlands größtes Eisschnelllauf-Talent in 1:45,64 Minuten nur den 13. Platz. Das Kopfschütteln, als er über die Ziellinie fuhr, verriet: Sonnekalb hatte sich auf seiner Paradestrecke deutlich mehr ausgerechnet. „Ist jetzt schon schade, dass man erstmal wieder vier Jahre warten muss, um Olympiasieger zu werden“, sagte der Erfurter anschließend.
Chinese Ning bezwingt sensationell Topfavorit Stolz
Den Sieg holte sich sensationell der Chinese Zhongyan Ning mit olympischem Rekord in 1:41,98 Minuten. Er bezwang Topfavorit Jordan Stolz (USA/1:42,75) und verhinderte damit dessen Gold-Hattrick in Mailand. Zuvor hatte der 21-jährige Stolz über 500 und 1000 Meter gewonnen. Dritter wurde der niederländische Altmeister Kjeld Nuis (1:42.82). Die weiteren deutschen Starter Hendrik Dombek (München/1:46,52) und Moritz Klein (Erfurt/1:46,54) belegten die Ränge 19 und 20.

Während sie mit ihren Läufen zufrieden sein konnten, verließ Sonnekalb enttäuscht das Eis. An Unterstützung fehlte es ihm nicht. Vater Gerrit, Mutter Madlen und Bruder Jann (14) feuerten ihn im Team-D-Outfit von der Tribüne aus lautstark an. Am Fernseher in Inzell, wo am Wochenende der Junioren-Weltcup steigt, drückten Freundin Melissa und Trainer Harald Harnisch die Daumen. Morgens hatte er seinem Schützling per WhatsApp noch einen Dreizeiler geschickt: „Fokussiere dich, mach dein Ding und haue einen raus!“
Friesinger bescheinigt Sonnekalb „gute Zukunft“
Das gelang ihm nicht. Im Duell mit Ausdauerspezialist Sander Eitrem musste der 18-Jährige beinahe die gesamte Distanz allein laufen. Erst auf den letzten Metern zog der Norweger an ihm vorbei. Da gingen Sonnekalb die Kräfte aus. „Man braucht bei der Auslosung auch etwas Glück“, erklärte Dreifach-Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma bei Eurosport. „Hinzu kommt die Erkältung, die ihn erwischt hatte, die besondere Anspannung und der Druck bei Olympia.“ Allesamt Erfahrungen, die den jungen Läufer aus ihrer Sicht weiterbringen würden: „Finn hat eine gute Zukunft vor sich.“
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Schon sein olympisches Debüt in der vergangenen Woche verlief nicht wunschgemäß. Sonnekalb hatte sich bei der Eröffnungsfeier einen fiebrigen Infekt zugezogen. Entsprechend geschwächt war er ins 1000-Meter-Rennen gegangen und landete auf dem zwölften Platz. „Wir wissen alle: Wenn alles perfekt läuft und wenn er auch eine optimale Vorbereitung gemacht hätte, dann wäre er auf jeden Fall in Medaillennähe gewesen“, resümierte Sportdirektorin Nadine Seidenglanz.



