Raffaele Palladino rannte aufs Spielfeld und flippte völlig aus. Die mehr als 20.000 Italiener brüllten in den Nachthimmel und bangten. Ramy Bensebaini wollte zuvor retten, was kaum zu retten war und traf mit der ausgestreckten Hacke den einköpfenden Nikola Krstovic. Er blutete sofort und die Bank von Atalanta sprang auf, forderte Strafstoß. Es liefen die letzten Sekunden.

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Draußen gab es Diskussionen, eine Rote Karte gegen Ersatzspieler Nico Schlotterbeck und die Bergamo-Bank. Für Bensebaini gab es noch Gelb-Rot. Doch Lazar Samardzic trat anschließend cool zum Elfmeter nach VAR-Eingriff an und und machte die notte magica, die magische Nacht, perfekt, die der diego-simeoneske Mister großmäulig im Vorfeld angekündigt hatte. Und Borussia Dortmund? Sagte im letzten Moment arrivederci, Champions League.

BVB verspielt im Hexenkessel einen 2:0-Vorsprung

Der BVB verspielte im Hexenkessel Atalantas tatsächlich den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel und scheiterte in den Play-offs der Champions League nach dieser bitteren Elfer-Entscheidung. Der italienische Nationalstürmer Gianluca Scamacca (5. Minute) und Davide Zappacosta (45.) hatten das Hinspielergebnis bereits in den ersten 45 Minuten hochverdient egalisiert. Mario Pasalic setzte den Kopfball zum 3:0 ins schwarzgelbe Herz (57.).

Karim Adeyemi hielt die Hoffnung mit einem Traumtor am Leben (3:1, 75.), bis Samardzic aus elf Metern zum bitteren 4:1-Endstand traf. „Wenn du so viele individuelle Fehler machst, wird es schwer, weiterzukommen“, sagte BVB-Kapitän Emre Can und sprach von „einem verdienten Ausscheiden“.

Rabenschwarzer erste Halbzeit von Ramy Bensebaini

Damit hat die Mannschaft von Niko Kovac nach dem frühen Aus im DFB Pokal gegen Bayer 04 Leverkusen auf dem internationalen Parkett das nächste Saisonziel verzockt. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) wartet nun der FC Bayern.

Im Vorfeld war das Rückspiel bereits zum vielzitierten Giftgipfel mutiert. Die aktive Fanszene hatte sich dazu entschieden, das Spiel zu boykottieren. Mehreren Anhängern wurde von der Bundespolizei die Ausreise verwehrt. Einige Fans, die die Stadt der Lombardei bereits erreicht hatten, sollen sogar in ihren Unterkünften von Beamten aufgesucht worden sein. Das Bündnis Südtribüne sprach von einem „regelrechten Spießrutenlauf“, der Aufarbeitung erfordert. Die verbliebenen Fans wurden unter einer massiven Polizei-Eskorte in Linienbussen zum Stadion gebracht – eine Maßnahme, die im Nachmittagssonnenschein der charmanten Stadt etwas übertrieben wirkte.

Emre Can kehrte zurück in die Startelf

Um den trügerischen 2:0-Sieg aus dem Hinspiel über die Bühne zu bringen, war Emre Can nach seiner Oberschenkelverletzung zurück in der Startelf. Für ihn rückte Talent Luca Reggiani auf die Bank. Dort nahm erstmals auch wieder der zuletzt angeschlagene Nico Schlotterbeck Platz. Ansonsten vertraute Kovac im Stadio di Bergamo auf die Elf aus der Vorwoche.

Palladino hatte wie bereits erwähnt ausgerufen, die Arena in einen Hexenkessel zu verwandeln. Die Zuschauer peitschten ihm bei, teufelten ihre Mannschaft von den Rängen mit einer fantastischen Stimmung nach vorn. Und die Mannschaft hebelte früh an der Revanche.

Torwart Gregor Kobel musste sich bereits in der vierten Minute gegen Nicola Zalewski strecken, kratzte den Ball aus dem Eck. Keine Minute später trat Dortmunds Horror-Szenario ein: ein früher Rückstand. Lorenzo Bernasconi brachte den Ball auf der linken Seite in die Mitte. Ramy Bensebaini spitzelte ihn unglücklich an den zweiten Pfosten und Starstürmer Scamacca sagte Grazie – 1:0 (5.).

Desaströse Vorstellung vor dem Gipfel gegen Bayern

Atalanta und die Arena waren außer Rand und Band. Die Partie begann wie das Hinspiel - nur spiegelverkehrt. Da hatte Serhou Guirassy in der dritten Minute zur schwarzgelben Führung getroffen und die harmlosen Italiener kamen überhaupt nicht ins Spiel. In Norditalien verzweifelten nun die Dortmunder, wirkten nervös mit zittrigen Füßen. Es war eine über weite Strecken desaströse Vorstellung drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen den Rekordmeister aus München.

Grazie! Gianluca Scamacca schiebt am zweiten Pfosten zum 1:0 ein.
Grazie! Gianluca Scamacca schiebt am zweiten Pfosten zum 1:0 ein.© dpa | Gambarini

Bergamo erdrückte die Gäste förmlich. Kobel rettete erneut klasse gegen Zalewski (23.). Vor allem über die rechte Seite und den wiedergekehrten Can hatte der BVB viele Probleme. Julian Brandt vergab dann plötzlich die dicke Ausgleichschance, Bergamos Schnapper Marco Carnesecchi kam an seinen Abschluss gerade noch so heran (29.). Kurz vor der Pause zog der 33-jährige Routinier Zappacosta aus 16 Metern ab, Bensebaini fälschte ab – 2:0 (45.).

Trotz Riesenchancen kam der Klub aus dem Ruhrgebiet nicht mehr zurück. Maximilian Beier lief nach dem Seitenwechsel von der rechten Seite alleine auf Carnesecchi zu, doch knallte die Kugel an den Pfosten (54.). Guirassy schoss sich selbst an (74.). Dann kam Adeyemi und brachte scheinbar die Verlängerung. Dann folgte das Drama in der Nachspielzeit.

Die harte Duelle gingen meist an Bergamo: Kapitän Marten de Roon im Zweikampf gegen Julian Brandt.
Die harte Duelle gingen meist an Bergamo: Kapitän Marten de Roon im Zweikampf gegen Julian Brandt.© dpa | Gambarini