Julian Nagelsmann fühlte sich in den vergangenen Wochen ein bisschen wie der Bösewicht. Zumindest ließen seine Worte („Das waren fiese Gespräche“) darauf schließen. Am Donnerstagmittag stellte der 38 Jahre alte Bundestrainer in Frankfurt seinen Schlachtplan für die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada vor – und damit auch die 26 Spieler, die zum Turnier fahren. Und er musste zuvor eben auch vielen anderen erklären, warum sie nicht nominiert wurden. Mit dabei sind allerdings immerhin auch vier Spieler von Borussia Dortmund.

Nico Schlotterbeck fährt zur WM, Karim Adeyemi hat stattdessen Urlaub.
Nico Schlotterbeck fährt zur WM, Karim Adeyemi hat stattdessen Urlaub.© Getty Images | Leon Kügeler

Nico Schlotterbeck, Felix Nmecha, Waldemar Anton und Maximilian Beier haben Nagelsmann in der Vizemeister-Saison überzeugt. „Ich bin kein großer Freund von Erwartungshaltungen. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Wir wollen alle dasselbe Outcome: ein gutes Turnier spielen“, sagte der Bundestrainer. Besonders bei Nmecha, der erst seit wenigen Wochen nach einer Knieverletzung wieder fit ist, geriet Nagelsmann ins Schwärmen.

Maximilian Beier habe „deutsche Arbeitermentalität“

Felix habe in seiner Reha-Phase „sehr gut gearbeitet“ und sei inzwischen sogar stabiler als vor der Verletzung. „Bei seinem ersten Einsatz über 20 Minuten war seine erste Aktion direkt ein Aufdrehen mit einem 40-Meter-Tempodribbling“, berichtete Nagelsmann. Da sei für ihn klar gewesen: Die Nominierung ist entschieden. Der Bundestrainer: „Er ist ein Top-Spieler, der alles mitbringt, um einer der Besten der Welt zu sein. Er ist gesund, hat keine Probleme und wird uns extrem helfen, ein gutes Turnier zu spielen.“

SV Werder Bremen v Borussia Dortmund - Bundesliga
Konzentriert: BVB-Profi soll auch in der deutschen Nationalmannschaft eine zentrale Rolle einnehmen© Getty Images | PAU BARRENA

Das soll auch Beier tun, der sich im Rennen um die Plätze der Konterstürmer gegen Kevin Schade vom FC Brentford und seinen Dortmunder Teamkollegen Karim Adeyemi durchsetzte. „Karim hatte eine sehr, sehr gute Hinrunde, in der Rückrunde hat leider nicht mehr so viel geklappt“, analysierte Nagelsmann und berichtete anschließend auch vom Gespräch über die Nicht-Nominierung.

„Auch da nochmal ein kurzer Wink, weil Karim ja immer so ein bisschen einen negativen Ruf hat“, sagte Nagelsmann und stellte sich demonstrativ vor ihn. „Menschlich, wie er das aufgefasst hat, wie er reagiert hat – 1A. Kann man wirklich nur sagen: top. Auch im Nachhinein dann die Nachrichten, wie er das auffasst – das ist mir schon wichtig zu betonen. Das hat er wirklich gut gemacht.“

Für Beier habe letztlich vor allem dessen Vollkaracho-Spielweise gesprochen. „Wir sind keine klassische Kontermannschaft. Aber wenn du führst, musst du kontern können. Dafür brauchst du Spieler, die dir die Lunge aus dem Leib rennen“, erklärte der Bundestrainer. „Und Maxi ist immer auf dem Gaspedal und topfit.“

Lesen Sie auch

Nagelsmann weiter: „Er verkörpert diese deutsche Arbeitermentalität: marschieren, machen, Gas geben. So wollen wir die deutsche Nationalmannschaft sehen.“ Während Schlotterbeck in der Abwehr neben Jonathan Tah vom FC Bayern München gesetzt sein dürfte, gelten Beier und Waldemar Anton eher als Herausforderer. Nmecha hingegen darf sich nach den Worten des Bundestrainers berechtigte Hoffnungen machen, bei der WM eine größere Rolle im Mittelfeld der DFB-Elf zu spielen.