Es lief die 52. Minute, als der Ball vor die Füße von Vitalie Becker kullerte. Viel war Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg bis dahin nicht gelungen, aber der 22 Jahre alte Linksverteidiger nahm Maß und schoss den Ball flach ins Eck – es war ein Kracher zum Schalker 1:0 (0:0)-Sieg, ein Kracher, der den Königsblauen die Herbstmeisterschaft in der Zweiten Liga sicherte. Ein Kracher, der die Veltins-Arena zum Beben brachte. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, riefen die Schalker Fans – die Saison 2025/2026 bleibt für sie ein großer Höhepunkt.

Schalke-Fans präsentieren besondere Choreographie

Schalkes Fans hatten sich schon vor dem Spiel etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um das Duell der Freunde zu einem denkwürdigen Erlebnis zu machen. Kurz vor dem Anpfiff präsentierten sie eine grandiose Wechselchoreographie. In Ponchos gekleidet formten die Fans in der Nordkurve zuerst das Wappen des FC Schalke 04 und dann das des 1. FC Nürnberg. Und das zu den Klängen von „Schalke und der FCN“.

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Doch die Choreographie blieb für lange Zeit der Höhepunkt des Spiels – in der ersten Halbzeit passierte auf dem Rasen nichts. Es gab keine Torchance, die Abwehrreihen hatten keine Schwierigkeiten, ohne Gegentor zu bleiben. Die Schalker Leistung war sehr enttäuschend. 104 Prozent Einsatzbereitschaft hatte Trainer Miron Muslic gefordert, vollen Fokus, volle Spannung – doch die Beine der Schalker wirkten müde, es gab Fehler, die es in dieser Saison so eher selten gab. Missverständnisse in der Offensive wie zwischen Vitalie Becker und Kenan Karaman (31.) sowie Mika Wallentowitz und Christopher Antwi-Adjei (40.) sorgten für ein Raunen in der Arena. Die Freistöße aus dem Halbfeld, sonst eine Stärke, landeten stets beim ersten Nürnberger Abwehrspieler. Und Innenverteidiger Hasan Kurucay, bisher spielstärkster Abwehrspieler, verdaddelte den Ball im Spielaufbau (19.).

FC Schalke 04 - 1. FC Nürnberg
Grandiose Choreographie: Die Nordkurve formte erst das Wappen des FC Schalke 04 und dann das des 1. FC Nürnberg.© Bernd Thissen/dpa | Bernd Thissen

Die Nürnberger aber schafften es, keine Schalker Einladung zu nutzen. Sie hatten zwar 62 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit, kombinierten sich ein ums andere Mal flott durchs Mittelfeld, doch sobald sie in Schalker Strafraumnähe waren, trafen sie zielsicher die falsche Entscheidung. Das trübe Nürnberger Fazit zur Pause: null Torschüsse. FCN-Trainer Miroslav Klose, der Weltmeister und frühere Weltklassestürmer, wedelte an der Seitenlinie wuchtig mit den Armen, so viel Harmlosigkeit trieb ihn beinahe in den Wahnsinn. Denn Klose wusste: Bei einem solchen Spielverlauf hätte der Club die Chance, den ersten Sieg auf Schalke seit 1993 zu schaffen – wenn denn der letzte Pass mal ankommt.

Schalke-Kapitän Kenan Karaman legt vor, Vitalie Becker trifft

Und auch die zweite Hälfte begann ausgeglichen. Doch die Schalker blieben auch im 16. Spiel das, was ein besonderes Merkmal dieser Saison ist: gnadenlos effizient. Erst in der 52. Minute gelang ihnen der erste gescheite Angriff, und direkt fiel das 1:0. Kenan Karaman, der vor der Pause ebenfalls neben sich gestanden hatte, spielte einen blitzgescheiten Steilpass in den Lauf von Vitalie Becker – mit einem satten Linksschuss sorgte er für den Herbstmeister-Knaller.

Eine knappe Führung, der Gegner muss offensiver spielen – es ist ein Szenario, das die Schalker normalerweise lieben. Doch was auf dem Rasen passierte, war eine Mischung aus Abwehrschlacht und Zitterspiel. Das Schalker Konterspiel war in der Schlussphase katastrophal. Die Nürnberger hielten sich dauerhaft in der Spielhälfte des diesmal dunkelgrün gekleideten Schalker auf – und in der 66. Minute bekamen sie ihre erste Chance. Tim Drexler lief S04-Innenverteidiger Hasan Kurucay davon und passte den Ball in den Strafraum. Dort stand Luka Lochoshvili allein vor dem Tor, doch Torwart Loris Karius machte sich ganz groß und wehrte den Ball ab. Einmal mehr rettete Karius seiner Mannschaft eine Führung und untermauerte seinen Status als bester Torhüter der Zweiten Liga.

Zur Absicherung des Sieges brachte S04-Trainer Miron Muslic Timo Becker – der Vize-Kapitän feierte nach rund zweieinhalb Monaten Verletzungspause sein Comeback. Und Muslics Rechnung ging auf: So oft der Ball auch in den Strafraum flog – ein Abwehrbein brachte Schalke immer dazwischen. So genügte Beckers Knaller zum knappen, glücklichen Sieg.