"Durchboxen ist falsch"

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Der ehemalige Fortunaspieler Jörg Albertz genießt das Familienleben, ist aber über die Umstände seines Abschieds doch enttäuscht.

Vor der Tür steht ein geschmückter Weihnachtsbaum. Drinnen im Haus brennen die weißen Kerzen am Adventskranz, im Garten tollen Schäferhund Murphy und Labrador Luca. Rund um den Tisch hat sich eine sichtlich glückliche Familie versammelt. Mit liebevoll-glänzenden Augen blickt Jörg Albertz auf Ehefrau Mirjana und sein Töchterchen Lenja. „Ich bin rundum zufrieden”, sagt der ehemalige Fußball-Nationalspieler. Und sieht auch so aus.

Allerdings nur so lange das Wort „Fortuna” nicht im Raum schwebt. Dann blickt der ehemalige Rot-Weiße eher traurig. Der Abschied im Sommer dieses Jahres nagt immer noch an der (Fußballer-)Seele des dreimaligen Nationalspielers. Auch wenn er versucht, dies in moderaten Worten zu verbergen.

Mehr Zeit fürKind und Ehefrau

„Ich genieße es, nach 18 Jahren auf dem Fußballplatz nun mehr Zeit für meine Kleine und mein Frau zu haben”, sagt der 36-Jährige: „Die Decke fällt mir nicht auf den Kopf.” Wobei es ein komplettes Leben ohne Ball für einen Albertz natürlich nicht gibt: „Ich spiele noch in der Mönchengladbacher Weisweiler-Traditionself, bei verschiedenen Turnieren und betreibe mit dem Ex-Borussen Georg Dresen zusammen eine mobile Fußballschule, bei der wir Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren an drei Tagen in der Woche ausbilden.”

Demnächst will er auch den Trainer B- und A-Schein machen. „Ich kann mir schon vorstellen, mal eine Jugendmannschaft zu trainieren”, sagt Jörg Albertz, den sie in Schottland, wo er mit den Glasgow Rangers dreimal Meister und Pokalsieger wurde, seines harten Schusses wegen respekt- und liebevoll „Ali the Hammer” nannten.

Fast wäre seine Trainerkarriere schon im Sommer gestartet worden. „Fortuna hatte mir angeboten, das B-Juniorenteam als Nachfolger von Tim Kamp zu übernehmen. Aber ich kann doch keine Bundesligamannschaft ohne Trainerschein betreuen”, beschreibt er das letzte Kapitel einer langen Reihe von rot-weißen Irrungen und Wirrungen. „Als Fortuna mich 2005 von Fürth nach Düsseldorf zurückholte, habe ich mit Peter Frymuth, Werner Sesterhenn und Paul Jäger zusammengesessen und dabei wurde mir per Handschlag eine Zukunft nach der sportlichen Karriere im Management des Vereins zusagt”, sagt Albertz, „ich sollte Jäger unterstützen.”

Die Konsequenzengezogen

Nach zwei Jahren mit mehr sportlichen Tiefen als Höhen stand im Sommer 2007 das Ende der Spielerkarriere an. „Da sagte mir der neue sportliche Leiter Wolf Werner, dass er mich als Stand-bye-Spieler fürs Regionalliga-Team haben will und ich bei ihm zwei Jahre lang lernen soll. Doch als ich zum ersten Training der neuen Saison kam, erklärte Werner, dass er seinen Plan erst noch durchboxen muss. Doch wenn man etwas durchboxen muss, ist man bei mir falsch”, bekennt Albertz, der daher die Konsequenzen zog und sich von Fortuna ganz verabschiedete.

„Man hat mir den Mund wässrig gemacht, dann nichts erfüllt. Ich hätte gerne den Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft gemacht und unter Goran Vucic sicherlich viel gelernt. Aber daran hat wohl niemand gedacht”, bekennt Jörg Albertz. Und ist daher „doch enttäuscht” über den wenig harmonischen Abschluss seiner großen Karriere, die 1990 bei Fortuna als Bundesligaspieler begann und nach Stationen beim Hamburger SV, Glasgow, Shanghai und Fürth 2007 auch in Düsseldorf endete.

Nur einmal, beim 0:0 gegen Essen, erlebte er in dieser Saison seine Ex-Kollegen live in der Arena. „Aber ich verfolge die Ergebnisse natürlich immer per Videotext und Internet und drücke dem Team beide Daumen, dass es im kommenden Jahr mit dem Aufstieg klappt.”

Für die Zukunft nach dem Fußball hat Albertz sich auch noch ein anderes Standbein geschaffen. Gemeinsam mit einem Onkel verkauft er eine in Schottland entwickelte automatische Babyschaukel („Dreammover”), die (Klein-)Kinder beruhigen soll, aber auch als Spielgerät genutzt werden kann.

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