Frauenfußball

Mit Gregor Grillemeier fing alles an

Gregor Grillemeier stöbert in alten Zeitungsausschnitten. (Foto: Alexandra Umbach)

Gregor Grillemeier stöbert in alten Zeitungsausschnitten. (Foto: Alexandra Umbach)

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Duisburg. Vor 40 Jahren hob Gregor Grillemeier die Frauenfußball-Abteilung des KBC Duisburg aus der Taufe und sorgte für den ersten Höhenflug Duisburger Spielerinnen.

Der Moderator des Deutschen Fußball-Bundes war nun wirklich schlecht informiert. Als sich der FCR 2001 Duisburg am 30. Mai 2009 anschickte, im Berliner Olympiastadion den DFB-Pokal der Frauen zu gewinnen, verkündete der Mann auf dem Rasen, dass die Löwinnen den Cup ja schon zuvor in Luft recken durften. Unter anderem 1983. Damals noch unter dem Namen KBC Duisburg. Völliger Quastsch, denn ein Jahr lang, von 1993 bis 1994 , spielten die Kaßlerfelderinnen und der FCR – damals noch als FC Rumeln-Kaldenhausen – gemeinsam in der Bundesliga. Dennoch leistete der KBC Duisburg, leistete vor allem Gregor Grillemeier senior, die Pionierarbeit im Duisburger Frauenfußball.

Irgendwann 1982 fuhr Gregor Grillemeier an einem Schwimmbad in Meiderich vorbei. Dort stürmten gerade einige Jugendliche über die Wiese, spielten Fußball. Ein Mädchen fiel dem KBC-Trainer sofort auf. Sie hatte Ballgefühl, die zeigte Einsatz, setzte sich gegen die Jungs durch.

Das Mädchen hieß Martina Voss.

Heute lacht Martina Voss-Tecklenburg, als sie sich erinnert, wie Gregor Grillemeier ihre Eltern davon zu überzeugen versuchte, dass ihre Tochter unbedingt beim KBC Fußball spielen sollte. Familie Voss war da ganz und gar anderer Meinung. Im Dezember 1982 ging sie dann doch zu einem Hallentraining des KBC. Heimlich versteht sich. „Da haben wir drei gegen drei auf kleine Kästen gespielt“, erinnert sich die Frau, die den FCR 01 in den letzten Jahren zu zwei nationalen und einem internationalen Titel geführt hat. So begann die Karriere einer der erfolgreichsten Fußballerinnen Duisburgs.

Dank Gregor Grillemeier.

„Stimmt. Ich habe Martina entdeckt“, strahlt Grillemeier, wenn er sich an seine Zeit beim KBC erinnert. Gespielt hat sie dann unter seinem Nachfolger Gerd Lehnen, denn 1982 machte Grillemeier Schluss in Kaßlerfeld. Doch Frauenfußball beim KBC, Frauenfußball auf diesem Niveau hätte es wohl kaum ohne ihn in Duisburg gegeben.

„Dabei ging alles mit einem Jux los“, berichtet Grillemeier. Damals waren die Damen schon dabei, als die KBC-Herren gespielt haben. Auch im Vereinsheim nach den Spielen. „Wir könnten doch eine Damenmannschaft aufmachen“, brachte eine Bierlaune 1970 die entscheidende Idee. Erst kurz zuvor, noch im gleichen Jahr, hatte der DFB das Frauenfußballverbot aufgehoben. Keinen Tag zu früh, schließlich hatten „wilde Verbände“ längst eine Menge Länderspiele organisiert. Dem Zeitgeist konnte der DFB einfach nicht mehr hinterher hinken.

Mit Hilfe der Vereinswirtin Paula Schmitz stellte Gregor Grillemeier sein Team auf die Beine. Gründer, erster Trainer und was noch? „Mein Vater war eigentlich Mädchen für alles“, schaut Grillemeiers Sohn Gregor junior, der spätere MSV-Profi, liebevoll zu seinem Vater. Die Zeit, als sein Vater die KBC-Frauen aus der Taufe hob, hat er miterlebt. „Er war damals mit der Tröte dabei und hat die Frauenmannschaft angefeuert“, lächelt Gregor senior. Und Mädchen für alles trifft es nun wirklich. „Ich habe die Spielerinnen zum Teil sogar abgeholt und nach dem Training wieder nach Hause gefahren.“

Schnell erspielte sich der KBC einen Zuschauerstamm. „Am Anfang war es noch Sensationslust“, kann sich Grillemeier noch gut an Sprüche erinnern wie: „Da will ich mal den Trikottausch sehen.“ Doch die Anerkennung wuchs. „Ich habe immer darauf geachtet, dass wir eine gute Mannschaft hatten.“ 1970/71 musste das Team noch reisen, eine Liga gab es noch nicht, also wurden Freundschaftsspiele vereinbart. Im Jahr 1971/72 führte der FVN eine „Frauen-Spielklasse“ ein. Im ersten Jahr musste der KBC mit 32:4 Punkten noch Preußen Duisburg (33:3) den Vortritt lassen, doch ein Jahr später drehte der KBC die Verhältnisse um und stieg gemeinsam mit den Preußen in die neu geschaffene Landesliga auf.

„Wir waren mit viel Herzblut dabei. Das war eine schöne Zeit“, sagt Grillemeier. Dabei war die Unterstützung des Gesamtvereins nicht besonders groß. Und Sponsoren? „Naja“, sagt Grillemeier, „es gab Leute, die uns ab und zu einen Trikotsatz spendiert haben.“ Das, was Grillemeier für die Spielerinnen um Gisela Schenten, Brigitte von Ackern, Roswitha Vogel und seiner Ehefrau Roswitha getan hat, ist bis heute nicht vergessen. Eine Glückwunschkarte zu seinem 60. Geburtstag hat Grillemeier aufbewahrt. Und immer noch wird er zu Ehemaligen-Treffen eingeladen.

Längst war der KBC auch national zu einem Synonym des Erfolgs geworden. Am Niederrhein dominierten die Kaßlerfelderinnen den Frauenfußball. 13 Mal wurden die Duisburgerinnen von 1975 bis 1988 FVN-Meister, holten von 1977 bis 1988 elfmal den Landespokal, wurde 1983 – unter Grillemeisers Nachfolger Gerd Lehnen – DFB-Pokalsieger und zwei Jahre später unter Jürgen Krust Deutscher Meister sowie 1980 uns 1988 Vizemeister.

Und schon damals lockte der KBC zumindest in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft so viele Zuschauer an wie heute der FCR. Als die Kaßlerfelderinnen am 14. Mai 1978 gegen Rot-Weiß Berrendorf spielten, kamen 1500 Fans. „Und das in Neuenkamp“, so Grillemeier. „Wir haben in Kaßlerfeld ja auf Asche gespielt. In der Endrunde brauchten wir aber einen Rasenplatz.“ Doch auch das heimische KBC-Domizil war gut besucht. Damals gab es dort noch einen aufgeschütteten Hügel. „Da sind sogar einige Leute mit ihren Autos hochgefahren“, erinnert sich Grillemeier.

Als 1990 die Frauen-Bundesliga gegründet wurde, gehörte der KBC zu den Gründungsmitgliedern. Kurz darauf begann jedoch der Niedergang. 1994 stieg der Verein ab und meldete kurze Zeit später die Frauenabteilung ab.

Warum? „Wie gesagt, wir haben das mit viel Herzblut gemacht“, zuckt Grillemeier mit den Schultern. Der Umkehrschluss legt die Gründe nahe. Inzwischen war aus dem FC Rumeln-Kaldenhausen der FCR Duisburg geworden, holte zum Teil auf Umwegen einige ehemalige KBC-Leistungsträgerinnen zu sich und knüpfte an die Erfolge des KBC an.

So sehr, dass heutzutage Moderatoren des DFB bei einem Pokalfinale davon ausgehen, beide Vereine seien ein- und dasselbe . . .

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