Handball

Trimph in Maskes Lokschuppen

Foto: Horstmueller

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vor 20 Jahren gelang HSG-Vorgänger Turu der größte Kluberfolg: Europacupfinalsieg in Frankfurt/Oder.

Die Europapokal-Helden von damals haben sich viel zu erzählen. 20 Jahre sind ins Land gezogen. Zwei Jahrzehnte, in denen niemand von ihnen den 21. Mai 1989 vergessen hat. Den Tag, der noch immer für den bislang größten Triumph in der Vereinsgeschichte der HSG-Handballer steht. Fast alle waren sie ins Herz der Altstadt gekommen, um sich zu erinnern, wie es war, damals, beim Gewinn des IHF-Cups im deutsch-deutschen Duell gegen ASK Frankfurt/Oder. Wie Richard Ratka. Einer der besten Handballer im rechten Rückraum, später Meistermacher und Aufstiegstrainer der Düsseldorfer.

Das Hinspiel hatte HSG-Namensvorgänger Turu mit 17:12 gewonnen. Doch reicht der Vorsprung? Der Weg zur Antwort war lang. „Ein Finale spielt man nicht, man gewinnt es”, lautete die Devise. Für die Spieler, die das Flugzeug mit dem Zwischenstop Berlin-Tegel bestiegen, begann in Zeiten kurz vor der Wiedervereinigung eine Reise ins Ungewisse. „Mit dem Bus ging es vom Flughafen aus über Eisenbahngleise in Richtung ostdeutsche Grenze. Dahinter erschloss sich für uns eine völlig neue Welt”, rekonstruierte Horst Bredemeier.

Heute arbeitet der Silberschopf mit dem markanten Kinnbart an der Seite von Trainer Richard Ratka als Strippenzieher bei Erstligist GWD Minden. Der ehemalige Nationaltrainer hat die Finalspielstätte bis heute nicht vergessen. Ein ehemaliger Lokschuppen, mitten auf einem alten Industriehof. „Eigentlich eines Europapokalfinales unwürdig!” Henry Maske trainierte damals in einem kleinen Gym auf dem Gelände. Im inneren der kargen Halle vermischte sich ostsozialistische Kälte mit brütend heißer Hitze. Bei gefühlten 35 Grad schwitzten selbst hochrangige SED-Funktionäre wie Egon Krenz auf der Tribüne.

Zur Pause liegt die Turu mit 6:7 hinten. „Es war eine Schweine-Spiel, ein absoluter Psychokrieg”, so Bredemeier. Während Richard Ratka mit einer Roten Karte vom Feld fliegt, entschärft Michal Barda im Turu-Tor sechs von insgesamt elf Strafwürfen der Frankfurter. Coach Bredemeier liegt derweil im Dauer-Clinch mit den Schiedsrichtern. Turu verliert zwar mit 15:18. Doch der Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel reicht. Die Rückreise wird zu einer großen Party. Vorbei an Grenzzöllnern, Eisenbahngleisen bis Berlin-Tegel.

„Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän. Wir landen leider in Köln”, meldete sich Spaßmacher Michael Hein aus dem Cockpit. In Oberkassel angekommen, wird mit 300 Fans gefeiert.

20 Jahre später beginnt hier die Spurensuche. Der Pokal ist verschwunden. Bis heute. „Unwichtig”, sagt Frank Harting, mit neun Toren „Mister Europapokal”, „uns bleiben schließlich die Erinnerungen. Wir waren eine große Familie. Jeder stand für den anderen ein. Nur das zählte!”

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben