Es sollte doch alles besser werden. Nach einem in den Sand gesetzten Saisonstart hatte sich Fußball-Verbandsligist Duisburger FV 08 von Trainer Dieter Henkelüdecke getrennt – obwohl er die Hochfelder in der vorherigen Spielzeit auf einen starken vierten Platz sowie in die Hauptrunde des DFB-Pokals geführt hatte. Sein Nachfolger: der Reha-Coach von Zweitliga-Nachbar MSV Duisburg, Harri Renter, zuvor unter anderem sogar Hochsprung-Bundestrainer. Doch passenderweise erwies sich seine Verpflichtung zunehmend als Flop: Durch die 1:6 (1:2)-Heimklatsche gegen den SV Wermelskirchen rutschte 08 noch tiefer in den Abstiegskampf. Nur die minimal bessere Tordifferenz gegenüber dem 1. FC Mülheim verhinderte den Sturz auf den letzten Platz.
Überraschend kam diese Entwicklung für den 43-jährigen Übungsleiter nicht. Nach dem Spiel beklagte er die Disziplinlosigkeit seiner neuen Mannschaft, womit er sich nicht ausnahmslos auf die Darbietung auf dem Feld bezog. Vielmehr berichtete Renter, der beim MSV seinen ursprünglichen Posten als Konditionstrainer nach Protesten der Mannschaft verloren hatte und sich danach mit der Zuständigkeit für die Wiedereingliederung der zuvor verletzten Akteure begnügen musste, von einer Maßnahme im Vorfeld der Partie. Er hatte am Samstagabend zwischen 21 und 23 Uhr 16 seiner Akteure angerufen – natürlich auf Festnetz, denn an Mobiltelefone war noch nicht zu denken. Ergebnis: Nur drei von ihnen nahmen zu Hause den Hörer ab. Die anderen „feierten sicher Sparklub-Auszahlung oder freuten sich über ihr Weihnachtsgeld“, mutmaßte der angesäuerte Renter.
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Die Auswirkungen der vermeintlichen „Nachtschwärmerei“ meinte der Coach dann anderntags auf dem Spielfeld zu sehen. Einen, der nicht drangegangen war, traf freilich keine Schuld. Stammtorhüter Johann Rieckhof hatte sich übers Wochenende zum Manöver bei der Bundeswehr verabschiedet. An seiner Stelle hütete Ralf Ring den Kasten. Der Youngster, von Hamborn 07 gekommen, musste schon nach 100 Sekunden erstmals hinter sich greifen. Zwar gelang Ralf Balsam schon in der fünften Minute der Ausgleich, doch das blieb nur ein Strohfeuer. Achim Meuer, später in der Oberliga für den MSV am Ball, brachte sein Team zur Pause in Führung. Nach dem Wechsel brach es dann völlig über die Hausherren herein. Wolfgang Sagorna traf zweimal, Meuer ein weiteres Mal, ehe Dieter Schröder in der 90. Minute den schmerzhaften Schlusspunkt setzte.
Hauptsponsor Manfred Sander wusste, woran es mangelt: „Da muss ein Stürmer her.“ Als Retter auserkoren war der 31-jährige Wolfgang „Bübi“ Minas, der sich einen Monat zuvor beim TuS Xanten abgemeldet hatte.
DFV 08: Ring – Schulz, Schmidt (32. Leßmann), Pelzer, Siekierski, Lotz, Pompe, Lohmann, Alberti (72. Bentvelzen), Balsam, Monsheimer.



