Als die „Hawks“ der Lise-Meitner-Gesamtschule aus dem Duisburger Westen das Halbfinale gewonnen hatten, war ihnen etwas Bemerkenswertes gelungen. Ohnehin ist das Erreichen eines Endspiels um die Deutsche Meisterschaft eine große Leistung. Doch gerade hatten sie die Mannschaft des Theodor-Fliedner-Gymnasium aus Düsseldorf-Kaiserswerth besiegt – mithin eine Schule, die sich seit 19 Jahren dem American Football verschrieben hat und seitdem zahlreiche Titel eingefahren hat. Das, was Jens Ruffert im Jahr 2005 in der Nachbarstadt ins Leben gerufen hat, könnte nun auch in Duisburg-Rheinhausen geschehen. Hier heißt der Gründer der Football-AG: Burkhard Heesen.

So hatten viele Kinder die Gelegenheit, zum ersten Mal überhaupt nach Berlin zu reisen.

Burkhard Heesen, Lehrer an der Lise-Meitner-Gesamtschule in Duisburg-Rheinhausen

„Wir haben im letzten Jahr losgelegt und haben bei der regionalen Ausscheidung den vierten Platz belegt“, erinnert sich der Lehrer, der an sich im Handball zu Hause ist. „Ich habe an einer Fortbildung teilgenommen“, berichtet er. „An der Lise-Meitner-Gesamtschule habe ich eine Sportklasse und habe vorgeschlagen, dass wir Flagfootball spielen.“ Das kam an. Und wie! Nach dem ersten Jahr kam eine AG hinzu und die Jungen und Mädchen aus den Jahrgängen 2012 und 2013 belegten nun bei der Regionalmeisterschaft den ersten Platz! Damit war die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gesichert. „So hatten viele Kinder die Gelegenheit, zum ersten Mal überhaupt nach Berlin zu reisen. Dass das über den Sport geschieht, finde ich prima“, sagt der Duisburger Lehrer.

Auch interessant

Und die Kids haben ihm offenbar gut zugehört. Denn in Berlin überstanden sie nicht nur die Vorrunde, sondern erreichten letztlich das Finale. Und wer dies gewänne, würde zur Weltmeisterschaft in die USA reisen. „Die Kinder waren Feuer und Flamme.“ Im Endspiel gegen das Erasmus-Grasser-Gymnasium aus München, das zwei Wochen vor Berlin noch ein Trainingscamp mit den Carolina Panthers aus der großen NFL absolviert hatte, gingen die jungen Duisburger sogar mit 7:0 in Führung – verloren dann aber mit 7:16.

WM-Reise knapp verpasst

Trotz des großen Erfolgs, deutscher Vizemeister geworden zu sein, flossen Tränen beim Team. „Das kann ich verstehen“, sagt Burkhard Heesen. Denn seine Schülerinnen und Schüler hatten schon die Hand am Flugticket nach Orlando, wo die WM über die Bühne gehen wird. Doch so ein Lehrer ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein guter Pädagoge. „Ich habe meine Mannschaft gefragt, wieviele deutsche Vizemeister sie denn so kennen würden. Ich habe ihnen dann gesagt: Ich kenne nur zehn: nämlich euch!“ Da hellten sich die Mienen dann doch etwas auf – erst recht als die Glückwünsche für diese bemerkenswerte Leistung auf allen Wegen hereinkamen.

Weitere Artikel:

Schon vor dem Turnier waren die Duisburger Kids stolz. Jedes Team bekam eine Grußbotschaft per Video von einem NFL-Team. „Bei uns war es der Offensive Coordinator der Seattle Seahawks“, berichtet Burkhard Heesen. „Und weil er diesen Gruß mit einem ‚Go, Hawks!‘ beendet hatte, haben wir uns Hawks genannt.“

Im Vorfeld hatte Burkhard Heesen auch Kontakt zu den Duisburg Vikings aufgenommen, dem hiesigen Football-Verein. „Da habe ich mir einige Anregungen geholt“, berichtet der Lehrer. Daher ist er für die Zukunft offen für Kooperationen. Vielleicht auch mit Rhein Fire. Denn schließlich hat der zweifache Meister der European League of Football gerade erst seinen Komplett-Umzug nach Duisburg bekanntgegeben. Da wäre doch eine Zusammenarbeit mit einer Sportschule, die sich dem Flagfootball widmet, ganz schick. Erst recht, wenn die Schule nach nur 19 Monaten deutscher Vizemeister wird.

Das erfolgreiche Team: Ben Erb, Aurelia H., Lina Hackstein, Milan Kretschmann, Arian Maslani, Leonie Müller, Riad Pacolli, Elias Broel, Paul Müller und Noah Kollmann.

Auch interessant