Preisfrage: Wer ist der einzige ungeschlagene Cheftrainer in zehn Jahren 1. und 2. Frauen-Fußball-Bundesliga beim MSV Duisburg? Angesichts der eher mauen Erfolgsbilanz in diesem Zeitraum scheint eine Antwort kaum möglich, doch es gibt sie: Robert Augustin feierte am 18. Februar 2018 als Nachfolger des in elf Spielen punktlos gebliebenen Christian Franz-Pohlmann einen fast schon sensationellen 2:1-Sieg über den SC Freiburg. Da der vormalige Co-Trainer aber nicht über die passende Lizenz verfügte, hatte ab der folgenden Woche ein gewisser Thomas Gerstner das Sagen. Der Rest ist Vereinsgeschichte, die nun eine Neuauflage an anderer Stelle erfährt: Gerstner und Augustin wurden bei Bundesligist SGS Essen als Teil des Trainerteams ab der kommenden Saison präsentiert.
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Dass der 58-jährige Ex-Bundesligaprofi Gerstner noch einmal auf der hiesigen Fußballbühne auftauchen würde, hätte wohl kaum jemand erwartet. Schon nach seinem ersten Engagement beim MSV, das zwar nur etwas mehr als drei Jahre dauerte, sich aufgrund der Intensität mit dem dreimal hart erkämpften Klassenerhalt ungefähr doppelt so lang anfühlte, war vermutet worden, dass er nun seinen Ruhestand im spanischen Exil genießen würde. Dann rief ihn Hauptsponsor Capelli, der ihm zuvor 2021 unerwartet den Stuhl vor die Tür gesetzt hatte, aber noch einmal zurück – und Gerstner konnte sich im Sommer 2023 noch einmal als Retter feiern lassen. Den endgültigen Absturz ein Jahr später, dem dann der komplette Abschied des MSV aus dem Leistungsbereich folgte, konnte aber auch er nicht mehr verhindern.
Alle im Verein sind super positiv gestimmt und haben Bock auf die Aufgabe, die Geschichte der SGS weiterzuschreiben.
Thomas Gerstner, neuer Sportlicher Leiter der SGS Essen
Nun ist das Duo Gerstner/Augustin, das in Duisburg bis 2023 zusammen das Sagen hatte, in Essen wieder vereint, allerdings in neuer Konstellation. Gemeinsam mit Britta Hainke, ehemals für den FSV Gütersloh verantwortlich, werden sie ein Trio in der Sportlichen Verantwortung bilden, wobei Augustin, bislang Co-Trainer des zu Borussia Dortmund wechselnden Markus Högner, angesichts der immer noch fehlenden Lizenz als „Teamchef“ agieren wird. Thomas Gerstner soll aber nicht nur Lizenzgeber sein, sondern auch als Sportlicher Leiter fungieren. Dieses Amt hatte er beim MSV gemeinsam mit dem Trainerjob bereits in Personalunion ausgeübt. „Für mich hat es von der ersten Sekunde der Gespräche an perfekt gepasst. Alle im Verein sind super positiv gestimmt und haben Bock auf die Aufgabe, die Geschichte der SGS weiterzuschreiben“, so Gerstner.
Mit den Abwehrspielerinnen Paula Flach und Vanessa Fürst, die unter ihm beide zu Bundesliga-Stammkräften wurden, gibt es für Gerstner ein Wiedersehen. Aktuell steht mit Julia Debitzki eine dritte Ex-Duisburgerin im Kader, doch ihr Vertrag an der Ardelhütte läuft aus, Einsätze verzeichnete sie zuletzt kaum noch. Ein anderer frührer Duisburger verabschiedet sich derweil nach fünf Jahren von der SGS: Jörg Vesper, einst Co- und Torwarttrainer beim FCR 2001, später dann Sportlicher Leiter beim Nachwuchs von Hamborn 07, verkündete unlängst seinen Abgang als Torhüterinnencoach.

Den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga haben die Essenerinnen längst sicher, da es in dieser Saison wegen der geplanten Aufstockung auf 14 Teams nur einen Absteiger gibt – und das wird das völlig chancenlose Team von Turbine Potsdam sein. Eine Etage tiefer ist der Kampf um die Aufstiegsplätze noch in vollem Gang. Dabei ist der 1. FC Nürnberg fünf Runden vor Schluss bereits durch und wird ein Jahr nach dem gemeinsamen Abstieg mit dem MSV ins Oberhaus zurückkehren. Auf gutem Weg befindet sich Vorjahresaufsteiger 1. FC Union Berlin mit einer Ex-Duisburgerin in seinen Reihen: Antonia Halverkamps traf zuletzt beim 4:0-Sieg beim FC Ingolstadt 04 vor bemerkenswerten 6676 Zuschauerinnen und Zuschauern. Um Platz drei balgen sich der Hamburger SV und der SV Meppen.
Und dann noch Nachrichten von den aktuellen Zebras: Der künftige Niederrheinligist meldet zwei weitere Verstärkungen für die kommende Saison. Aus der U19 von Borussia Mönchengladbach kommen Jennifer Mann und Luna Wittwer, die beide im vergangenen Jahr mit der Gladbacher U17 den deutschen Meistertitel errungen hatten.


