Josef Capousek hatte in seinem Leben viele Berufe. Er war Maurer, Zeitungsverkäufer und hat am Fließband gearbeitet. Seine wahre Berufung fand er aber als Schmied, genauer gesagt Medaillenschmied, noch genauer gesagt: Goldmedaillenschmied. Der ehemalige Bundestrainer der deutschen Kanu-Rennsport-Nationalmannschaft holte von 1992 bis 2004 17 Goldmedaillen aus dem Olympischen Feuer. Im Alter von 79 Jahren ist der Duisburger Josef Capousek am Samstag einem schweren Leiden erlegen.
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Nach Deutschland kam Josef Capousek aus politischen Gründen. Nach dem Einmarsch der Russen im Jahr 1968 in die damalige Tschechoslowakei verließ er seine Heimatstadt Prag und wechselte nach Frankfurt. Die brutale Unterdrückung des „Prager Frühlings“ hat ihn nicht losgelassen. Nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine veröffentlichte Capousek auf Facebook noch einmal eine Zeitungsseite vom August 1968.
Mit den oben genannten Gelegenheitsjobs hielt er sich zunächst über Wasser, finanzierte sein Sport- und Politikstudium. 1980 kam er als diplomierter Trainer der Junioren-Nationalmannschaft nach Duisburg. Acht Jahre später war „der Josef“ dann der Chef der nationalen Paddler. Seine Medaillenschmiede nahm die Produktion auf. Dr. Jens Kahl, der Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes, erinnert sich an die Zusammenarbeit: „Der Josef hatte verstanden, dass Leistungssport mit Erfolgen verbunden ist.“ Im Klartext: Er wollte Siege sehen. Seine Ansagen waren mindestens unmissverständlich, auch wenn er den tschechischen Akzent nie ablegte.
Der Duisburger Capousek sah sich als Europäer
Was er aber eben auch war: ein Trainer, der sich für seine Sportlerinnen und Sportler einsetzte. Er arbeitete mit seinen Kanutinnen und Kanuten „auf gleicher Ebene und nicht von oben nach unten“, formulierte er einmal gegenüber dem Spiegel. Die Kanu-Legende Birgit Fischer, mit der er eine Zeit lang liiert war, gehörte dazu, Katrin Wagner, Ronny Rauhe oder Andreas Dittmer. Und das ist nur eine Auswahl.

2005 sorgte Goldgarant erneut für Schlagzeilen: Der Mann aus Duisburg wurde Trainer der chinesischen Kanu-Nationalmannschaft. Capousek sollte seine Paddlerinnen und Paddler fit für die Spiele 2008 in Peking machen. Als die Spiele losgingen, war der Mann aus Deutschland schon nicht mehr im Amt. Seine Ansagen fand die Führung in China ebenfalls unmissverständlich. Kurzerhand wurde er gefeuert. Angeblich wegen drohender Erfolglosigkeit. Im Vertrag soll er sich angeblich zu mindestens einer Goldmedaille verpflichtet haben. Capousek sagte dazu: „Blödsinn.“ Nebenbei: Meng Guanliang und Yang Wenjun fuhren das Gold tatsächlich im Kajak über 500 Meter ein. Gedankt hat man es ihm mit einem zeitweiligen Einreiseverbot.
Der gebürtige Tscheche, der in Deutschland lebte, und später auch in England und Italien trainierte, sah sich als Europäer. Das war bescheiden. Sein Horizont reichte weiter. Capousek ging noch einmal als Trainer nach China. Hier lernte er auch seine zweite Frau Liu Xinhua kennen. Mit ihr lebte er zeitweise Zhuhai im Süden des Landes und zuletzt wieder in Duisburg.
Josef Capousek hinterlässt zwei Kinder aus erster Ehe. Beerdigt werden will er in Prag. Ein Weltmann des Kanu-Rennsports kehrt heim.


