Eine Sache ist offensichtlich: Die Oceansport-Kanuten des WSV Niederrhein dürften die spektakulärsten „Sportplätze“ aller Duisburger Vereine erleben. Das bringt das Paddeln auf freiem Wasser so mit sich. Nun wurde es allerdings bemerkenswert, denn der WSV reiste zur IVF-Va’a-Weltmeisterschaft nach Brasilien. Austragungsort für die Rennen, die mit einem Kanu samt Ausleger bestritten werden, war der Sao Francisco Beach in der Guanabara-Bucht gegenüber von Rio de Janeiro mit dem Zuckerhut und der bekannten Christusstatue. Sieben Sportler des WSV gehörten zur Nationalmannschaft des Deutschen Kanu-Verbands.
Der Backwash der Felsen machte das Paddeln angesichts der heran rollenden, tosenden Wellen zum Ritt auf des Messers Schneide.
Volker Briel, Kanute beim WSV Niederrhein
„Um sich an das Meer zu gewöhnen, nutzte unser Team die Möglichkeit, früh morgens vor Sonnenaufgang bei dem befreundeten Club Surf Hoe in Itaipu zu trainieren“, berichtet Volker Briel vom WSV Niederrhein. „Je nach Wetter waren die Wellen bis zu dreieinhalb Meter hoch.“ Als erste ging Jamie Lee Schaare an den Start. Schon in der Bucht waren die Bedingungen schwierig, doch beim Passieren des Fort Fortaleza wurde es „brutal“. „Der Backwash der Felsen machte das Paddeln angesichts der heran rollenden, tosenden Wellen zum Ritt auf des Messers Schneide“, so Briel.
Für die deutschen Boote wurde das zu einer großen Herausforderung. „Wo sollen wir hier solche Wellen auf dem Meer trainieren?“, so Briel. „Da war es eine Super-Leistung für Jamie, die Strecke zu meistern und noch ein paar Paddlerinnen hinter sich zu lassen.“ Thomas Eilert startete bei gleichen Bedingungen mit dem Ü-60-Team im V6. Die Mannschaftsboote müssen noch ein gutes Stück weiter aufs offene Meer hinaus. Dank des erfahrenen Steuermann Rainer Hopf, der in Australien lebte, meisterte die Crew die 24 Kilometer lief auf dem fünften Platz ein. „Strahlende Gesichter zeugten von der Begeisterung im Kampf mit den Naturgewalten“, berichtet Briel.

Während Torben Kuhlmann im Elite-V1 den Abstand zur Spitze gegenüber der letzten WM verkürzen konnte, wurde es im Rennen mit der auf Hawaii lebenden, aber für den WSV Niederrhein startenden Laura Birse im V1 der Ü40-Klasse spektakulär. Die Wettkämpfe konnten im Livestream auf der Haupttribüne verfolgt werden – nur die Wende wurde von den Kameras nicht erfasst. „Wo ist Laura?“ Alles schien auf einen Dreikampf zwischen den Booten aus Argentinien, Brasilien und Kanada hinauszulaufen. Als die Brasilianerin führte, tobten die Zuschauer. Doch dann antworteten die Deutschen vor Ort mit ihrem Jubel auf die Frage des Sprechers, der dann bemerkte: Laura Birse griff die Lokalmatadorin an! Der Zweikampf dauerte bis zum Ziel an – letztlich gewann die WSV-Athletin mit Silber die erste Medaille für das deutsche Team.

Als nächstes war Volker Briel in der Para-Klasse VL4 im Einer selbst im Einsatz. Diesmal führte der Kurs auf Rio de Janeiro zu, wobei die Wende vor dem Flughafen Dumont erfolgte. Nachdem der bekannte futuristische Bau des Stararchitekten Oscar Niemeyer passiert worden war, „nahmen die Wellen zu und die Querwellen der Schifffahrt ließen die Passage zum Eiertanz werden“, so Briel. Neben sich entdeckte der Duisburger plötzlich eine große Schildkröte. „Die hat mir dann wohl Glück gebracht“, lachte er. Denn am Ende gewann er die erste Goldmedaille für Deutschland.
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Nach ihm ging dann das V6-Elite-Boot der Damen wieder auf die lange 24-Kilometer-Strecke. An Bord waren Jamie Lee Schaare und Jana Giersch vom WSV zusammen mit Lydia Elstermeier, Lara Ehlis und Vanessa Holznagel, die zudem beim WSV trainieren. Am Steuer war Marcia Verruck, die in Brasilien lebt. Mit einer soliden Leistung konnten mehrere Nationen auf die Plätze verwiesen werden. Schließlich ging noch das Elite-V6-Team der Männer mit Torben Kuhlmann an den Start und konnte ebenfalls ein gutes Ergebnis erzielen.


