Es ist eine typische Vorstellung. Wenn es nicht läuft, dann muss es in der Pause in der Kabine doch rappeln. „Nein“, sagte Trainer Frank Petrozza schon im Anschluss an den 8:5-Sieg der Füchse gegen die Saale Bulls Halle, durch den der EV Duisburg weiterhin auf Rang drei der Eishockey-Oberliga Nord steht. „Die Jungs waren selbst unzufrieden. Wir wussten, was falsch gelaufen ist.“ Und ganz offensichtlich entspricht es dem Charakter dieser Mannschaft, das dann auch besser machen zu wollen.
„Es geht nicht so sehr darum, was in der Kabine passiert ist. Na, vielleicht ein wenig“, sagt Füchse-Topscorer Sandis Zolmanis. „Wir sind einfach nicht gut gestartet und haben in der Pause darüber gesprochen. Dann haben wir unsere Beine gefunden, haben einen Gang hochgeschaltet, dadurch Druck auf den Gegner ausgeübt und ihn zu Fehlern gezwungen.“ Praktisch so, wie es Halle im ersten Drittel gemacht hatte. Auch Bulls-Trainer Marko Raita hatte den Eindruck, dass im zweiten Drittel plötzlich alles „upside down“ war. 12:5 Torschüsse für Halle im ersten Drittel, 12:5 Torschüsse für Duisburg im zweiten Drittel. Das untermauert diesen Eindruck.
Es scheint bislang die Geschichte dieser Saison zu sein, dass wir entweder ein schlechtes erstes oder ein schlechtes zweites Drittel spielen, dann aber trotzdem einen Weg finden, das Spiel zu gewinnen.
Sandis Zolmanis, Stürmer der Füchse Duisburg
„Es scheint bislang die Geschichte dieser Saison zu sein, dass wir entweder ein schlechtes erstes oder ein schlechtes zweites Drittel spielen, dann aber trotzdem einen Weg finden, das Spiel zu gewinnen“, sagt Zolmanis. „Und das ist es, worauf es ankommt.“ Der lettische Stürmer hat gerade in den drei aufeinanderfolgenden Siegen gegen die Topteams der Liga – in Tilburg, gegen die Hannover Scorpions und nun gegen Halle – geglänzt. Er lenkt das Spiel, verändert das Tempo, hat das Auge für seine Mitspieler und spielt die entscheidenden Vorlagen für die Tore – und zwar für die entscheidenden. Zwei Tore hat der Duisburger Topscorer bislang erst selbst erzielt, dafür aber satte elf Treffer aufgelegt.
Was auffällt: Die spielerische Verbindung mit seinem Landsmann Egils Kalns wird besser und besser. „Wir hatten einige Jahre nicht mehr miteinander gespielt. Die Dinge brauchen Zeit“, sagt der 31-Jährige. Auch das lässt sich mit Zahlen belegen: Egils Kalns hat erst beim Heimsieg gegen Hamm seinen ersten Saisontreffer erzielt – doch damit ist der Knoten offenbar geplatzt. Bislang bringt es Kalns auf fünf Tore und drei Vorlagen. Schon bei der EG Diez-Limburg hatten Zolmanis und Kalns hervorragend miteinander gespielt. Nun suchen und finden sie sich auch in Duisburg immer häufiger. „Es hat aber auch etwas mit dem Selbstvertrauen zu tun“, sagt Zolmanis. Je besser es läuft, desto besser harmonieren auch die Reihen.
Auch interessant
Dass hier in Duisburg alle drei Importspieler aus Lettland kommen, ist eher ungewöhnlich – aber für die drei Stürmer natürlich eine gute Sache. „Wir und unsere Familien verbringen viel Zeit miteinander, können uns gegenseitig helfen. Auch auf dem Eis ist es so, dass wir vor einem Bully einen Spielzug auf Lettisch besprechen können, was unsere Gegner dann nicht verstehen“, so Zolmanis. „Ich fühle mich wohl hier in Duisburg. Wir wohnen mit dem Auto nur rund fünf Minuten von der Eissporthalle entfernt, haben schöne Wohnungen und jeder versucht, uns zu helfen. Das alles hilft uns, uns heimisch zu fühlen.“
Nun sind es drei Siege in Serie – ausnahmslos gegen Topteams. Alle fünf Heimspiele brachten Siege ein. Was bedeutet das für den EVD? „Erst einmal bedeutet das, dass die Liga unglaublich eng beieinander ist“, so Zolmanis. „Jeder kann jeden schlagen, sodass man tatsächlich stets von Spiel zu Spiel denken und sich fokussieren muss. Die drei Siege zeigen aber auch, was unser Team leisten kann.“ Und was ist das genau? Zolmanis lacht kurz auf. „Wir wollen die Play-offs erreichen und dazu sind wir auch in der Lage. Und dann werden wir sehen, wie weit wir kommen.“ In Leipzig am Sonntag (16 Uhr) erwartet er jedenfalls erneut ein schweres Spiel. „Du hast die lange Fahrt und Leipzig hat sich kaum verändert. Sie sind heimstark und schwer zu bespielen. Wir müssen gut in der Defensive stehen und auf unsere Chancen warten.“
Bleibt nur noch eine Frage: Warum nennt ihn jeder Sancho? „Das stammt aus meiner Jugendzeit in Lettland. Und weil ich hier in Deutschland oft mit anderen Letten gespielt habe, die mich dann auch Sancho genannt haben, haben das immer mehr Leute mitbekommen“, berichtet „Sancho“ Zolmanis mit einem Lächeln. Dass ihn die Fans nun auch Sancho nennen, könnte also das Heimatgefühl des EVD-Topscorers noch ein wenig mehr vergrößern.



