Bei der Frage musste Miquel Vila kurz überlegen. Ob die RESG Walsum jetzt eine Spitzenmannschaft sei? Der Spielertrainer des deutschen Rollhockey-Rekordmeisters lächelte dann verschmitzt, wie es so seine Art ist, und sagte: „Ja.“ Das haben die Roten Teufel am Samstagabend wirklich eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als sie auch das Prestigeduell der Bundesliga gegen den Erzrivalen RSC Cronenberg zwar sicher nicht haushoch überlegen, aber dennoch auf sehr überzeugende Art und Weise mit 3:2 (0:0) gewannen und so die Tabellenführung untermauerten.

Im Moment des Triumphes war kurz auch der größte Schmerz vergessen. Florian Keil, der nun schon in der dritten Saison mit einem Zweitspielrecht aus Cronenberg für die RESG aufläuft, in der Regionalliga aber für die zweite Mannschaft seines Stammvereins spielt, zeigte sich gegen diesen extrem motiviert und bezahlte seinen Einsatz mit einer womöglich schweren Verletzung. Drei Minuten vor dem Spielende krachte er bei einem Konter mit den Füßen voran in die Bande hinter dem Gästetor und verdrehte sich dabei den rechten Knöchel. Auf blanken Sohlen hüpfte er aber nach Spielende noch in den Mannschaftskreis und feierte mit seinen Teamkollegen den ersehnten Erfolg.

RESG-Abteilungsleiter Jens Stölzel (links), selbst früher ein Spitzenkeeper, gab Fynn Hilbertz vor dessen Beckersloh-Debüt noch ein paar wichtige Tipps.
RESG-Abteilungsleiter Jens Stölzel (links), selbst früher ein Spitzenkeeper, gab Fynn Hilbertz vor dessen Beckersloh-Debüt noch ein paar wichtige Tipps.© T. K.

Der stand lange auf des Messers Schneide. 38 Minuten lang waren beide Tore scheinbar wie vernagelt. Auf Walsumer Seite hatte daran Fynn Hilbertz großen Anteil. Der Ex-Krefelder hütete erstmals in der Halle Beckersloh den RESG-Kasten und hielt ihn mit starken Paraden sauber; einige Male half auch deutlich hörbar die Metallumrandung mit. Dann kassierte er jedoch ein „Krümeltor“, als Cronenbergs Thomas Köhler ein Bully wenige Meter neben dem Walsumer Gehäuse gewann und die Kugel plötzlich irgendwie vom Innenpfosten über die Linie trudelte. „Ich glaube, die ist von Flo Keils Bein abgefälscht worden“, mutmaßte Miquel Vila nachher.

Weitere Artikel:

Der ganze Aufwand umsonst? Die Hausherren hatten bis dahin auf Augenhöhe mit den Wuppertalern agiert, wobei Miquel Vila allen seinen Feldspielern Einsatzzeit gab – am Ende womöglich ein wichtiger Faktor, weil die Kräfte so ausgeglichen dosiert werden konnten. Mattia Hackel hätte ebenso für die Führung sorgen können oder der nach der Pause in die Partie gekommene Ex-Cronenberger Sandro Caramanno. Junioren-Nationalspieler Julian Haubrock lieferte ebenfalls ein gutes Spiel ab, kassierte dann aber unmittelbar nach dem 0:1 die blaue Karte für ein hartes Einsteigen gegen Aaron Börkei.

Oldie-Turnier und Europapokal

Auch am kommenden Wochenende rollt die Kugel in der Halle Beckersloh – und das gleich drei Tage lang. Von Freitag bis Sonntag ist die RESG Gastgeber für ein Ü-35-Turnier, an dem noch der TuS Düsseldorf-Nord (Auftaktgegner der RESG am Freitag um 18.30 Uhr), die ERG Iserlohn, der RSC Cronenberg und der RSC Darmstadt teilnehmen. Für die Hausherren gehen unter anderem André Kulossek, Lukas Lemkamp, Philipp Kluge und Christopher Nusch aufs Parkett; prominente Gästeakteure sind Carsten Tripp, Carlos Nunez (Iserlohn), Felix Bender, Johan van Diejen (Darmstadt), Martin Schmahl, Kay Hövelmann (Cronenberg), Jan Kutscha und Tobias Paczia (Düsseldorf). Am Samstag geht‘s um 10 Uhr los, die Endrundenspiele beginnen am Sonntag um 13.15 Uhr.

In dieses Turnier eingebettet ist das erste internationale Highlight der RESG in dieser Saison. Am Samstag um 19.30 Uhr steigt das Hinrundenspiel der ersten Runde in der WSE Trophy gegen den Schweizer Vertreter Pully RHC.

Nach überstandener Unterzahl setzte die RESG jedoch zu einem beeindruckenden Schlussspurt an. Der junge Spanier Gerard Leal gewann ein Bully neben dem Cronenberger Tor und drosch die Kugel dann aus der Luft zum Ausgleich ins Netz (43.). Sekunden später drehte Miquel Vila mit einer Soloaktion, bei denen er gleich zwei Gästeakteuren das Spielgerät durch die Beine zog und dann einschoss, das Geschehen komplett (44.). Die beiden Katalanen glänzten dann noch gemeinschaftlich: Konter, Pass Vila, Abschluss Leal – 3:1 (46.). 62 Sekunden vor Schluss konnte Niko Morovic zwar nochmal verkürzen, doch auch eine finale Überzahl durch Herausnahme des Keepers brachte den Gästen nichts mehr ein.