„Deutscher Meister wird...“ Nein, nicht die RESG. Nur zu gern hätten jene, die es am Samstag auf den Rängen der Halle Beckersloh mit dem Walsumer Gastgeber hielten, diesen Gesang angestimmt. Doch auch 27 Jahre nach dem letzten Titelgewinn geht das Warten für den noch immer amtierenden Rekordchampion weiter. Es waren die Fans des RSC Cronenberg, also ausgerechnet des Erzrivalen der Roten Teufel, die das Lied mit ihrem Vereinsnamen vervollständigten. Wobei es natürlich noch ein kleiner Schritt bis dahin ist, denn die Wuppertaler haben erst einmal nur das Halbfinale für sich entschieden – dies aber nach dem 7:1 vor Wochenfrist in eigener Halle nun mit einem 4:0 (0:0) ziemlich kurz und schmerzlos.

Wobei: Wirklich schmerzlos war diese am Ende ergebnistechnisch deutliche Abfuhr für die Hausherren naturgemäß nicht. „Das hat die Mannschaft nach dieser Saison nicht verdient“, befand der niedergeschlagene Abteilungsleiter Jens Stölzel kurz nach Spielschluss. Lange Zeit war für das im vergangenen Sommer doch wieder recht stark umformierte Team vieles nach Plan gelaufen, was die Träume vom ersten Meistertitel seit 1999 enorm beförderte. Aber im gleichen Atemzug musste der frühere deutsche Nationaltorhüter einräumen: „Leider haben die Jungs im Halbfinale nur in einer von vier Halbzeiten gezeigt, was sie können.“

Kapitän Coll war dabei

Das war, wie das Resultat schon erkennen lässt, die erste im Heimspiel am Samstag. Da lebte die Hoffnung auf die Wende im Best-of-Three-Duell mit den „Freunden“ aus dem Bergischen Land. Da stimmte das Maß an gesunder Aggressivität, ohne in übertriebene Härte zu verfallen – so wie man es umgekehrt eine Woche zuvor erlebt hatte, als ein heftiger Schlag auf das Handgelenk von Marc Coll den RESG-Kapitän am Weiterspielen gehindert hatte. In eigener Halle stand sein Mitwirken nun auf der Kippe, am Ende lief er trotz anhaltender Schmerzen auf und warf zumindest seine volle Präsenz in die Waagschale.

Zwei Minuten vor der Pause bot sich die Großchance zur Führung. Nach einem Foul von Gästekeeper Leon Geisler an Julian Haubrock gab es die blaue Karte und Penalty. Doch wie schon im ersten Spiel fehlte der RESG das Standardglück: Gerard Leal zimmerte die Kugel an die Latte. Stattdessen kam es, wie es kommen musste: Im zweiten Durchgang waren 35 Sekunden vergangen, als Daniel Strieder bei einer Hereingabe vor Leal am langen Pfosten zum Einschuss kam. Nur drei Minuten später spielte die RESG einen eigenen Angriff sehr schlecht aus und ermöglichte Cronenberg einen Konter, bei dem Lucas Seidler mit der Kugel und Schlussmann Fynn Hilbertz im Tor landete. Sinnbildlich für den unbedingten Willen, der den Walsumern bei allem Einsatz abging.

Rollhockey-Bundesliga: Play-Off Halbfinale - RESG Walsum gegen RSC Cronenberg
Perfekte Schusshaltung: Doch auch Julian Haubrock wollte gegen Cronenberg kein Treffer gelingen.© FUNKE Foto Services | Tobias Stern

Damit war die Sache im Prinzip durch. Hilbertz parierte zwar den Direkten von Niko Morovic nach dem zehnten RESG-Teamfoul (36.), aber auch das verursachte keinen Hallo-Wach-Effekt. In der 44. Minute traf Florian Keil noch einmal den Pfosten, der direkte Gegenzug bescherte mit dem 3:0 durch Tom Drübert den endgültigen K. o. Die Schiedsrichter verhängten sogar noch das 15. Teamfoul, woraufhin Strieder zum Endstand einschoss.

Geldsegen

Den positivsten Moment gab es für die RESG am Samstag schon vor dem Spiel. Der Fördererkreis Walsumer Rollhockey überreichte der Abteilung einen symbolischen Scheck über 3000 Euro als Erlös aus einem Benefizessen. Insgesamt haben die Förderer seit ihrer Gründung vor 41 Jahren über 200.000 Euro für die Roten Teufel aufgebracht.

„Cronenberg ist eine brutal gute Mannschaft“, hatte Christopher Nusch, der wieder das Coaching für Spielertrainer Miquel Vila übernahm, schon vor der Partie festgestellt. Für eine solche Feststellung reicht es bei der RESG trotz einer Saison mit vielen positiven Momenten und Erkenntnissen immer noch nicht.