Es ist dieser Moment, der den Boden ins Wanken bringt. Der jede Selbstverständlichkeit beendet. Der erschüttert. Der Beginn der Angst. Sorgen, die man teilen will, aber oft nicht kann. In dir tobt der Schrei nach Hilfe, der aber nicht den Weg über die Lippen findet. „Sie haben Krebs.“ Dieser Satz, den man nie mit sich selbst in Verbindung gebracht hätte, aber nun im Gedächtnis immer und immer wieder da ist. Als ob er nicht endet. „Es ist so wichtig, darüber zu sprechen“, sagt Sonja Luthardt von der Wanheimer Kanu-Gilde. „Mit Menschen, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben.“ Dafür will die Paddlerin, die eben selbst diesen Satz hören musste, nun einen Ort für Frauen schaffen. Oder genauer: ein Boot. Denn bei der Kanu-Gilde gibt es nun das pinke Drachenboot – namens Drachenkraft.

Es ist so wichtig, darüber zu sprechen

Sonja Luthardt, Mitbegründerin des Projekts Drachenkraft

„Wir haben solche Boote bereits bei Regatten gesehen“, berichtet Sonja Luthardt. Sie hat sich darüber informiert und dieses Projekt bei der Kanu-Gilde ins Leben gerufen. Das Angebot richtet sich an Frauen mit Krebserfahrungen. Es soll ein Ort sein für „Bewegung, Austausch, Gemeinschaft und neue Stärke“. Klassischerweise richten sich derartige Projekte stets an Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind. Sonja Luthardt will diese Idee aber nicht zu klein fassen. „Ob nun Brustkrebs, Eierstockkrebs oder andere Krebserkrankungen“, sagt sie. Bei Drachenkraft sollen sich Frauen zusammen finden und über den Sport den Weg zurück ins „normale“ Leben finden, in der Gemeinschaft, die die eigenen Sorgen kennt, wieder wachsen und sich stärken.

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„Die Erkrankung sorgt für Stress“, schildert Luthardt ihre Erfahrungen. Da ist zum einen die Verunsicherung, aber auch ganz greifbare Folgen: „Wenn du eine Chemotherapie durchmachen musst, bist du körperlich einfach erschöpft.“ Das Teilen von Ängsten und Erfahrungen hilft dabei, die Krankheit durchzustehen. Noch steht das Projekt Drachenkraft bei der Wanheimer Kanu-Gilde ganz am Anfang. „Bislang trainieren wir nur. Wir suchen noch Mitstreiterinnen, die mit uns im Drachenboot paddeln und die Gemeinschaft erfahren wollen“, berichtet sie. Dabei hat der Sport direkten Einfluss auf das Wohlbefinden: Schultern, Rücken und Arme werden gefestigt, die Beweglichkeit verbessert, der Lymphfluss unterstützt, Ausdauer und Kreislauf werden gestärkt. Gleichzeitig wird aber auch der Stress abgebaut, das Selbstbewusstsein gestärkt und der Körper positiv wahrgenommen.

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Das Motto der Drachenkraft lautet: „Im Drachenboot paddeln wir im gleichen Takt.“ Tatsächlich, um auf dem Wasser flott vorwärts zu kommen. Aber eben auch eine mentale Stufe darüber. Diese Idee ist einmal mehr ein Beleg dafür, dass Sport so viel mehr ist, als nur das nächste Tor zu erzielen oder ein Rennen zu gewinnen. Sport stützt und fördert das menschliche Zusammenleben. Und genau das ist die Idee von Sonja Luthardt, Andrea van Weelden und Trainer und Steuermann Jörg Sloma hinter der Drachenkraft. Wer sich informieren und das Ganze einmal ausprobieren will, kann sich bei der Kanu-Gilde melden. Entweder per E-Mail an drachenkraft@mein.gmx oder per Telefon unter der Rufnummer 0178/6622099.