Die Paris Musketeers? Die haben sich bereits einen Namen gemacht. Drei Saisons hatte das Team aus der französischen Hauptstadt in der European League of Football absolviert. Allerdings schlossen sich die Musketiere nach dem ELF-Crash der European Football Alliance an, während sich Rhein Fire für die American Football League Europe entschied. Dennoch stand in Duisburg das Heimspiel gegen Paris an – gegen die neu gegründeten Paris Lights. Zwei Teams in einer Stadt? Das ist selbst im rugbyverrückten Frankreich ein wenig zu viel Football an einer Stelle, könnte man meinen. Sportlich hatten die Weinroten auf einen attraktiven Gegner gehofft, doch die Gäste kamen am Samstagabend in der Schauinslandreisen-Arena vor nur 4219 Fans nicht einmal auf die Anzeigetafel. Fire fegte mit 35:0 (0:0, 21:0, 14:0, 0:0) über die Franzosen hinweg und knipste den Lights das Licht aus.
Ein knappes Viertel gaben sich die beiden Mannschaften, um sich gegenseitig zu „beschnuppern“. Tatsächlich war der Wissensstand über den Gegner aus der Stadt der Liebe nicht besonders groß. Doch nach zwölf Minuten begann der Erdrutsch, den die offensiv sehr harmlosen Lights dann nicht mehr aufhalten konnten. Der entscheidende Spielzug, der das Unheil über Paris hineinbrechen ließ, war die Interception von Fire-Spieler Christian Matthew. Zwar kam das Viertelende dem ersten Touchdown zuvor, doch das zweite Quarter war erst neun Sekunden alt, als Jonathan Scott erstmals mit dem Ball über die Ziellinie lief. Dem Ganzen ging ein schöner Play-Action-Spielzug voraus: Fire-Quarterback Kenji Bahar deutete eine Ballübergabe an Runningback Jonathan Scott an, passte aber auf Christopher Mielke.
Gäste-Quarterback verletzt
Danach sorgte ein Fauxpas des Pariser Punters vor den nächsten „Sechser“. Der Lights-Spieler konnte das Spielgerät nicht kontrollieren und wurde an der Drei-Yard-Linie umgerissen. Kurz darauf rannte Scott erneut in die Endzone. Noch vor der Halbzeitpause spielte Bahar einen 20-Yard-Pass auf Receiver Kaylon Geiger, sodass der dritte Touchdown des Spiels in Sack und Tüten war. Damit war praktisch klar, dass Paris an diesem Abend in Duisburg nichts mehr würde holen können, zumal Lights-Quarterback Evan Hillock verletzt passen musste.

Das dritte Viertel war fünf Minuten alt, als der schönste Touchdown des Spiels dann doch keiner war. Geiger fing einen Pass im Fallen, rollte sich ab und spurtete in die Endzone. Allerdings war im Videobeweis klar erkennbar, dass der Receiver beim Bodenkontakt klar von einem Verteidiger berührt worden war, sodass er „down by contact“ und das Spiel damit unterbrochen war. Das war halb so wild, weil Giacomo de Pauli und Kenji Bahar zwei Touchdowns nachlegten. Alle fünf Extraversuche verwandelte übrigens Sebastian van Santen, der im Vergleich zu den Vorjahren noch viel sicherer spielt, als er es ohnehin bislang getan hat. In den drei Saisonspielen unterlief ihm nur ein Fehlversuch bei einem Field-Goal-Versuch aus 48 Yards Entfernung in Wien; allerdings traf er im Saisonverlauf bereits aus 51 und 55 Yards. Das ist bärenstark.
Alles zu Rhein Fire:
Ebenfalls gut: Fire versuchte es nun deutlich öfter mit einem Pass- statt des Laufspiels, streute zudem Play-Action-Spielzüge ein. So wirkte die Offensive bereits deutlich variabler als noch in Wien, wo freilich auch ein deutlichst stärkerer Gegner auf der anderen Seite des Feldes stand. Im Laufspiel kam einige Male der wendige T.J. Alexander zum Einsatz, der das Spielfeld allerdings im dritten Viertel verletzungsbedingt verlassen musste.
In der kommenden Woche steht erneut ein Heimspiel an: Am Sonntag (17.10 Uhr, Schauinsland-Reisen-Arena) ist Berlin Thunder zu Gast.
Touchdowns: Jonathan Scott (2), Kaylon Geiger, Giacomo de Pauli, Kenji Bahar; Extrapunkte: Sebastian van Santen (5).
Wien lässt Biel keine Chance
Die Vienna Vikings, die zusammen mit Rhein Fire als die großen AFLE-Titelfavoriten gelten und vor Wochenfrist das Spitzenspiel gegen die Duisburger in Wien mit 24:10 gewonnen hatten, fuhren am Samstag ebenfalls einen Kantersieg ein. Gegen die Alpine Rams aus dem schweizerischen Biel führten die Österreicher bereits mit 47:7, ehe schließlich ein 47:20-Sieg zu Buche stand. Am Sonntag reisen die Vikings auf die britische Insel und treten bei den London Warriors an.


