Jugendfußball

Der Meister vor dem ersten Meister

Foto: NRZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der VfL Bochum holte vor 40 Jahren den ersten DFB-A-Junioren-Titel – und wurde damit Nachfolger von Hamborn 07.

Sepp Herberger wusste es schon sechs Jahre vorher. „Die machen's ja wie die Alten”, stupste der spätere Reichs- und Bundestrainer seinem Kollegen Teddy Lohrmann in die Rippen. Wo? In Duisburg. Hamborn, um genau zu sein. Herberger war 1932 noch Trainer beim Westdeutschen Spielverband in Duisburg; Lohrmann, der frühere Nationaltorhüter aus Fürth, coachte den Nachwuchs von Hamborn 07. Als Lohrmann die Junglöwen übernahm, waren die Jungs so um die zwölf Jahre alt, und landeten bis ins A-Junioren-Alter vornehmlich zweistellige Siege. 1938 gelang den Lohrmann-Jungs der große Wurf. Hamborn 07 wurde der erste Deutsche A-Junioren-Meister überhaupt.

Das wird die Fußballer beim VfL Bochum wundern. Die feiern schließlich in diesem Jahr ein Jubiläum. Vor 40 Jahren wurde das Ruhrpott-Team der erste Deutsche A-Juunioren-Meister.

Albin Liesen war der Star

Was denn nun? Hamborn 07 oder der VfL Bochum– wer war denn nun erster Meister? 1968 beschloss der Deutsche Fußball-Bund die Einführung der A-Junioren-Meisterschaft, ein Jahr später jubelte Bochum. Doch schon vor 40 Jahren war klar, dass der DFB einen Nachfolger für Hamborn 07 sucht. Den bis dahin einzigen Deutschen A-Junioren-Vereinsmeister. Dass 07 dennoch in keiner Meisterliste auftaucht, liegt am Ausrichter. Der war 1938 nicht der DFB – sondern die Hitlerjugend. Von 1939 bis 1941 nahmen bei dieser Meisterschaft allerdings keine Vereinsteams mehr teil, sondern sogenannte „Bannmannschaften”, also Kreisauswahlteams.

Den Jungs war das damals egal – für sie ging es einfach darum, Deutscher Meister zu werden. Und das schafften sie in beeindruckender Weise. In der West-Vorrunde wurden der VfL Köln 99 mit 3:0 und der BV Gelsenkirchen mit 4:2 aus dem Weg geräumt. Und auch in der Endrunde war Hamborn 07 nicht zu stoppen. 6:1 gegen Blau-Weiß 90 Berlin. 5:0 gegen Kickers Offenbach. Und im Endspiel am 28. August 1938 gab es 2:1 gegen Franken Nürnberg – vor 50 000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion. Auf dem Amtsgerichtsplatz in Hamborn wurde dem Meister ein großer Empfang bereitet; gefeiert wurde anschließend im Hotel Handelshof.

Der Star der Mannschaft wurde ein Opfer seiner Zeit. Albin Liesen, offenbar hoch talentiert, war der Torjäger, erzielte beide Tore im Endspiel – und fiel während des 2. Weltkriegs als 21-Jähriger in Russland. Genau einen Tag, bevor er abkommandiert werden sollte. Ein anderer Großer der Mannschaft war Bernd Oles, der als Trainer 1960 mit Borussia Mönchengladbach den DFB-Pokal gewann und als Coach unter anderem auch in Düsseldorf, Saarbrücken und Freiburg (beim FC wohlgemerkt) tätig war. „Unser Erfolg hatte zwei Väter”, sagte Bernd Oles einmal. „Unser Trainer Teddy Lohrmann und unser Betreuer Alfred Schürer.”

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben