Es dauert nur noch wenige Tage, dann rollt bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA der Ball. Klar, dass dieses Highlight auch das Hauptthema bei einem Fußballtalk war, zu dem der Presseclub Kleve eingeladen hatte. Fünf Experten und Moderatorin Anne van Eickels hatten in „Leo‘s Sportlertreff“ auf dem Gelände des 1. FC Kleve viel Interessantes zu erzählen und gaben eine Einschätzung zu den bevorstehenden Titelkämpfen.
Tenhagen kritisiert Aufblähung der WM
Die deutsche Nationalmannschaft habe einen guten und insgesamt recht ausgeglichenen Kader, auch wenn vielleicht vorne fürs Zentrum noch ein Stürmer fehle, erklärte Jupp Tenhagen, der bekanntlich selber Nationalspieler war. Leider sei die WM aus kommerziellen Gründen weiter aufgebläht worden, das bedeute jetzt noch mehr Strapazen für die Spieler, ist der 73-Jährige gespannt, welche Mannschaft das Mammutturnier am besten bewältigen wird.

Fast wäre der damalige Libero des VfL Bochum selbst bei einer Weltmeisterschaft dabei gewesen, wurde aber 1978 kurz vor dem Turnier in Argentinien ausgebootet. Seine Nichtnominierung erfuhr der gebürtige Millinger vor dem Fernseher, als der Kader im Aktuellen Sportstudio verkündet wurde. Statt Tenhagen durfte Harald Konopka vom 1. FC Köln mitfahren. Der war in der Woche zuvor gar nicht bei einem Lehrgang der Auswahl in Malente dabei gewesen. „Das war eine Frechheit, wie das damals gelaufen ist. Das habe ich den Verantwortlichen auch gesagt“, so Tenhagen, der anschließend bei der deutschen Nationalmannschaft komplett außen vor war.
Auch interessant
WDR-Journalistin Anne van Eickels, die zusammen mit dem Klever Presseclub-Vorsitzenden Helmut Vehreschild die Fragen stellte, war kurz vor dem Fußball-Talk noch beim Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann gewesen und brachte ganz frische Eindrücke mit nach Kleve. Sie sei selten so positiv von einem Trainingslager zurückgefahren, erzählte van Eickels. Sie habe den Eindruck, dass die Mannschaft absolut verstanden habe, worum es gehe und auch wenn der Gegner Finnland sicherlich nicht zur ersten Kategorie gehöre, sei der 4:0-Sieg schon ein Statement gewesen und habe durchaus ein bisschen Euphorie geschürt.

Natürlich war auch das Comeback von Torhüter Manuel Neuer ein Thema. Der Tenor in der Runde war zwiegespalten. Zwar sei Manuel Neuer immer noch einer der besten Torhüter der Welt, „aber bei den letzten beiden Weltmeisterschaften sind wir auch mit ihm nach der Vorrunde rausgeflogen“, gab Georg Mewes zu bedenken. Aktuell steckt der Sportliche Leiter des 1. FC Kleve mit seinem Verein noch mitten im Abstiegskampf der Oberliga, wo es am Sonntag einen Showdown in Homberg geben wird. „Ich bin zuversichtlich, dass wir dort gewinnen.“ Allerdings sind die Klever auch noch von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig. „Es kann eigentlich nicht sein, dass man dann trotz vielleicht 41 Punkten absteigen muss“, beklagt Mewes.
Auch interessant
Zu Gast in Kleve war auch Joachim Böhmer, COO beim Gocher Sportartikelhersteller Derbystar. Auch wenn sein Unternehmen künftig nicht mehr den Spielball für die 1. Bundesliga stelle, sei man weiterhin sehr gut aufgestellt und habe den Bekanntheitsgrad in den vergangenen Jahren enorm erhöhen können, so Böhmer. Jüngst wurde beim DFB-Pokalfinale erstmals ein vom Unternehmen entwickelter Ball mit integriertem Chip eingesetzt. „Damit kann man extrem viele Daten erheben und auch brenzlige Situationen auflösen. Jede noch so kleine Berührung des Balles wird festgestellt“, erläuterte das Mitglied der Derbystar-Geschäftsleitung.
Wer wird der nächste Superstar?
Im Profifußball bestens aus kennt sich auch Holger Tromp, Direktor Kommunikation beim Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen. Er verdeutlichte, wie wichtig Social Media heutzutage sei. 80 Prozent laufe inzwischen über digitale Kanäle. „Wir arbeiten mit 35 Leuten wie ein eigenes Medienhaus.“ Dem ehemaligen Leverkusener Florian Wirtz traut Tromp zu, einer der Superstars bei der kommenden Weltmeisterschaft zu werden. Er verbinde herausragende technische Fähigkeiten mit einem unglaublichen Ehrgeiz.

Und wer könnte bei der WM sonst noch herausragen? Lamine Yamal sei ein toller Techniker und habe auf jeden Fall das Potenzial, ein echter Star zu werden, kann sich Jürgen Glowacz sehr gut vorstellen, dass der spanische Angreifer eine besondere Rolle bei den Titelkämpfen spielen wird.
Glowacz, der in den 70er Jahren 183 Bundesligaspiele für den 1. FC Köln absolviert hat und 1973 beim legendären Pokalfinale gegen Borussia Mönchengladbach dabei war, glaubt aber auch, dass das deutsche Team eine erfolgreiche WM bestreiten kann: „Julian Nagelsmann hat eine klare Spielidee und es gibt viel spielerische Qualität. Allerdings gehört in entscheidenden Momenten immer auch etwas Glück dazu, gerade bei einem so langen Turnier.“




