Im August war Julia Schweers wieder flott unterwegs. Die Sportlerin aus Haffen startete bei der Deutschland-Tour in Heilbronn und absolvierte dort auf einer Original-Teilstrecke der Profis das Jedermann-Rennen. Für die 118 Kilometer und 1700 Höhenmeter benötigte sie mit einem Schnitt von 34,1 km/h eine Zeit von 3:27,47 Std., das bedeutete den siebten Platz unter 100 Starterinnen und Rang zwei in der Altersklasse Seniorinnen I.

Mit Wiete Lukkezen auf der Deutschland-Tour

„Das Rennen war von Anfang an hart und die Anstiege nicht von schlechten Eltern. Ich konnte lange mithalten, hatte aber ordentlich zu kämpfen, da ich vor der Veranstaltung etwas krank war. Beim vorletzten Anstieg musste ich meine Gruppe dann ziehen lassen und fuhr die letzten 25 km alleine bis zum Ziel“, erklärte die 36-Jährige, die den Ausflug zur Deutschland-Tour zusammen mit Wiete Lukkezen unternahm.

„Wiete ist meine Partnerin in crime, getreu dem Motto ‚erst anmelden, dann nachdenken‘ macht sie jedes Hirngespinst mit“, so Schweers schmunzelnd. „Die Rennradwelt ist weiterhin sehr männerdominiert, weshalb ich mich umso mehr freue, gleichgesinnte Frauen wie Wiete an meiner Seite zu haben.“ Lukkezen finishte knapp unter vier Stunden und erreichte Platz 33 in der Gesamtwertung.

Erster Triathlon-Wettkampf 2014

Speziell Radrennen bestreitet Julia Schweers erst seit einem Jahr, nachdem sie gut ein Jahrzehnt Triathlon betrieben hatte. „Früher war ich vor allem als Reiterin unterwegs, nach meinem Studium wollte ich aber was anderes machen“, erzählt Julia Schweers, geborene Rupprecht. „Als ich dann in der NRZ einen Artikel über die die Triathlon-Abteilung des Reeser SC gelesen habe, fand ich das echt cool - obwohl ich nichts davon konnte - nicht mal Kraulschwimmen. Daraufhin habe ich einfach mal beim Verein angerufen und bin auf eine echt nette Truppe getroffen.“

Im Frühjahr 2014 war es soweit. Sie absolvierte in Kleve ihren ersten Wettkampf, einen Schnupper-Triathlon. Anschließend folgten weitere Starts und es ging auf die längeren Distanzen. Als 2017 ihre Tochter geboren wurde, legte sie eine Pause ein. „Danach habe ich mich wieder richtig reingehängt“, so Schweers. Wenig später folgten aber Corona und die Geburt ihrer Zwillinge. „Das hat dann zwei Jahre gedauert, bis ich wieder richtig fit war.“

Produktmanagerin Bekleidung bei Rose Bikes

Nach dem Comeback und einer Teilnahme am Bocholter Aasee-Triathlon gab es 2023 eine berufliche Neuorientierung. „Bei dem Wettkampf wurde Rose Bikes als Arbeitgeber beworben und nachdem ich zuvor schon eine Stellenanzeige von Rose gesehen hatte, die genau passend für mich war, habe ich mich dort gemeldet“, erzählt Julia Schweers. Seitdem designt sie als Produktmanagerin Bekleidung die Eigenmarke des Bocholter Unternehmens - von Trikots über Jacken und Hosen bis hin zu den Socken. Und das von der Entwicklung bis zur Produktion.

„Weiß, grau und schwarz sind immer gefragt, in der letzten Zeit geht es aber auch immer mehr weg vom Schlichten“, sagt Schweers. Vor allem bei den Jüngeren dürfe es heute gerne lauter und weniger elitär sein und aus dem Rahmen fallen. Streetstyle inspirierte Jerseys und Jacken mit coolen Sprüchen - am besten noch limitiert - seien mittlerweile oft ein echter Renner, freut sich Schweers, dass sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen kann.

Julia Schweers RG Haldern 03
Julia Schweers designt Bekleidung bei Rose Bikes.© NRZ | Michael Schwarz

Da ihr inzwischen das Radfahren am meisten Spaß machte, entschied sich Julia Schweers 2025, den Fokus künftig mehr auf den Radsport zu legen und startete beim Jedermann-Rennen „Rund um Köln“ mit zwei Triathlon-Kollegen. 120 Kilometer und 1200 Höhenmeter waren zu meistern. Mit einem Schnitt von 38,1 km/h fuhr sie bei den Frauen gleich auf Platz acht.

Starker Auftritt beim Münsterland-Giro

„Ein solcher Wert bei dieser Topographie ist schon richtig knackig. Julia hat ein enormes Kraftpotenzial“, sagt Volker Maas, Vorsitzender der Radsportgemeinschaft Haldern 03, der die Haffenerin dann nach einem weiteren starken Auftritt beim Münsterland-Giro, wo sie mit einem Schnitt von 44,6 km/h über 115 km den vierten Platz bei den Frauen und Platz eins in ihrer Altersklasse belegte, überzeugen konnte, in seinen Verein einzutreten. Nun konzentriert sich Julia Schweers seit Beginn dieses Jahres voll auf den Radsport und ist jetzt auch im Besitz einer Rennlizenz.

Wie man ein Rennen am besten gestaltet, daran muss ich sicherlich noch arbeiten.

Julia Schweers, muss noch an der Taktik feilen.

Im Frühjahr wartete dann mit der Teilnahme bei „Rund um Fischeln“ auf einem winkligen 1,4 km-Rundkurs eine richtig anspruchsvolle Aufgabe für die „neue“ Rennradspezialistin. Anders als beim Triathlon muss sie sich nun in einem Feld behaupten, es gibt ständige Tempowechsel, sie muss gut durch die Kurven kommen und risikobereit sein. Außerdem spielt die Taktik eine große Rolle. Im starken Feld mit Amateur- und Elitefahrerinnen aller Altersklassen belegte sie in Krefeld den siebten Platz.

Platz vier bei der NRW-Meisterschaft

Erneut auf sich aufmerksam machte Schweers dann im Mai bei der NRW-Meisterschaft in Bocholt, wo sie lange das Feld anführte. Am Ende fehlten dann aber ein paar Körner, so dass es Platz vier wurde. „Wie man ein Rennen am besten gestaltet, daran muss ich sicherlich noch arbeiten“, weiß die 36-Jährige, die anschließend in den Urlaub fuhr - ihre Familie mit dem Auto, sie die 250 Kilometer an die niederländische Küste mit dem Rad. Anschließend meldete sich allerdings die Achillessehne. Das führte dazu, dass das Rad neu eingestellt werden musste. „Jetzt passt es“, kann die Haffenerin inzwischen wieder ohne Schmerzen ihre Kilometer abspulen.

Team aus Rees bei Rad am Ring
Lisa Verhoeven, Wiete Lukkezen, Julia Schweers und Kristin Hemmers (v.l.) starteten bei „Rad am Ring“.© NRZ | Privat

Ende Juli ging es dann zum 24-Stunden-Rennen auf den Nürburgring, wo sie beim Event mit über 12.000 Teilnehmern zusammen mit den Triathlon-Kolleginnen Wiete Lukkezen, Lisa Verhoeven und Kristin Hemmers in einer reinen Damenmannschaft an den Start ging. Das „Team Windschnitte“ genoss die tolle Stimmung bei „Rad am Ring“ und hatte „mega Spaß“.

„Team Windschnitte“ bei „Rad am Ring“

Sportliches Ziel war es, auf dem 26 km langen Rundkurs bei Tag und Nacht so viele Runden wie möglich zu absolvieren. Obwohl die Truppe zeitweise nur zu dritt fahren konnte, erreichte sie am Ende mit 680 Kilometern und 14.500 Höhenmetern den sechsten Platz - besser waren nur vier Profiteams und die Vorjahressiegerinnen auf Rang fünf. Für mächtig Adrenalin sorgt die „Fuchsröhre“ auf der legendären Strecke in der Eifel. Da zeigte der Tacho von Julia Schweers eine Spitzengeschwindigkeit von 96,4 km/h.

„Rund um Hamminkeln“ am 27. September

Noch weitere Radsportveranstaltungen stehen für Julia Schweers in diesem Jahr auf dem Plan, so ist in Kürze eine Teilnahme an der Sauerland-Rundfahrt geplant. Anschließend freut sich die Niederrheinerin auf ein Heimrennen, wenn die RG Haldern 03 am 27. September wieder „Rund um Hamminkeln“ veranstaltet.