Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als zunächst die Spielbetriebs-GmbH der Moskitos Essen Insolvenz anmeldete. Später kündigte der 1. Vorsitzende Thomas Böttcher an, auch den dahinterstehenden Hauptverein in die Insolvenz zu schicken – was bis heute (1. Juli 2026) aber nicht passiert ist. Nun, im Sommer 2026, scheint das nächste Kapitel des Essener Eishockeys ein jähes Ende zu finden. Nur zehn Monate nach der Gründung stehen die Eagles Essen-West vor dem Aus – die dritte Insolvenz kurz nacheinander.
Dass Sportvereine in finanzielle Schieflage geraten, ist keine Seltenheit. Im Sommer 2025 traf es neben den Moskitos auch die damaligen Fußball-Regionalligisten KFC Uerdingen und 1. FC Düren. Aber wann ist ein Insolvenzantrag notwendig? Und wie läuft so ein Verfahren überhaupt ab? „Der perfekte Geschäftsführer müsste eigentlich jeden Morgen aufstehen und die Zahlen kontrollieren“, sagt Dr. Matthias Merkel. Der Rechtsanwalt ist auf Sanierung und Beratung bei Insolvenzverfahren spezialisiert. Er und seine Partner von den resnova Rechtsanwälten mit Kanzleien in Essen, Dortmund, Hagen und Bottrop wissen, wie die meisten Fälle von Insolvenz beginnen und ablaufen.
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Insolvenz: Der Unterschied zwischen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit
Eine Insolvenz liegt dann vor, wenn eine juristische Person überschuldet oder zahlungsunfähig ist. Bei Privatpersonen nur, wenn diese zahlungsunfähig sind. Der Unterschied zwischen beidem: Überschuldung liegt insolvenzrechtlich dann vor, wenn mehr Verbindlichkeiten als Vermögen bestehen. Es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist in den nächsten zwölf Monaten überwiegend wahrscheinlich.
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Bei der Zahlungsunfähigkeit ist die Insolvenz quasi schon vorhanden. Sie ist erreicht, wenn aktuell zehn oder mehr Prozent der Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können. Merkel: „Plakativ gesagt, heißt zahlungsunfähig sein nicht, dass man 0 Euro auf dem Konto hat. Man kann auch 500.000 haben, wenn man aber 20 Millionen Schulden hat, ohne, dass Geld reinkommt, ist man zahlungsunfähig.“
- Interview zum Thema: Moskitos-Chef Thomas Böttcher über den Insolvenzantrag, die Oberliga-Pläne und offene Gehälter
In beiden Fällen gibt es eine Verpflichtung, einen Insolvenzantrag beim Insolvenzgericht zu stellen. Dann entscheidet ein Richter oder eine Richterin, ob zunächst noch ein Sachverständiger eingesetzt wird, der den Fall erstmal prüft, oder ob es direkt zu Sicherungsmaßnahmen kommt und ein vorläufiger Verwalter eingesetzt wird. Ist das geschehen, wird der Fall zeitnah auf Insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht.

„Es gibt aber auch Verfahren, von denen man gar nichts mitbekommt“, weiß Merkels Kanzlei-Partner Markus van Marwyk. „Das sind mittelgroße und große Unternehmen, die ein gutes Controlling haben und schon frühzeitig einen Antrag stellen, wenn die Zahlungsunfähigkeit auch nur droht. Dann haben sie noch viel Zeit, nach Geldgebern zu suchen und es sind noch nicht alle Gläubiger und Geschäftspartner verprellt.“
Über 90 Prozent der Insolvenzanträge kämen jedoch einfach zu spät. Hier könnte sich der Moskitos-Fall einreihen. Beispiele ähnlicher Größenordnungen, die häufig auf dem Tisch der resnova Kanzlei landen würden, sind Mittelständler oder kleine Handwerksbetriebe. „Der Geschäftsführer arbeitet von Montag bis Freitag, macht samstags die Buchführung – da kann der richtige Moment für den Insolvenzantrag schon gar nicht mehr erkannt werden. Der pünktlich gestellte Antrag ist die Ausnahme“, so van Marwyk.
Insolvenzverfahren: Scham und Angst vor der „öffentlichen Schmach“
Hinzu kämen Scham und Angst vor der „öffentlichen Schmach“. „Insolvenzverfahren haben für viele immer noch ein gesellschaftliches Stigma, das nicht sein sollte“, findet Merkel. Daher, nicht aus böser Absicht, würden die meisten einen fristgerechten Antrag verpassen. Theoretisch müsse der nämlich unverzüglich erfolgen, wenn sich die Zahlungsunfähigkeit abzeichnet. Merkel: „Es geistert immer so herum, dass man drei Wochen Zeit hätte, das stimmt aber so nicht. Wenn in der Zeit nachweislich Sanierungsoptionen, zum Beispiel mit Banken, geprüft wurden und es tatsächlich gelingt, Geld kurzfristig zu bekommen, müsste man keinen stellen. Das passiert aber in den wenigsten Fällen.“
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Ein schuldhaftes Zögern sei aber ebenso selten wirklich nachweisbar, ergänzt van Marwyk. „Wann die Liquiditätslücke von über 10 Prozent aufgetreten ist oder absehbar war, lässt sich oft gar nicht rekonstruieren. In den meisten Fällen gibt es, wie gesagt, einfach kein umfangreiches Controlling. Wirklich kriminelle Energie für eine Insolvenzverschleppung ist die Ausnahme.“
Was am Ende eines Insolvenzverfahrens für ein Ergebnis steht, kann ganz unterschiedlich sein – wie alleine drei Beispiele aus dem Fußball zeigen: Der KFC Uerdingen hatte den Spielbetrieb im vergangenen Jahr vorzeitig eingestellt, der 1. FC Düren zog bis zum Saisonende durch. Den Dortmunder Oberligisten TuS Bövinghausen hatte es sogar noch härter erwischt: Der Klub wurde aus dem Spielbetrieb ausgeschlossen und aus dem Vereinsregister gelöscht.
Moskitos Essen: Insolvenz der GmbH muss sich nicht auf Verein auswirken
Um so etwas zu verhindern, hatten die Moskitos damals ihren Spielbetrieb ausgegliedert. Das Insolvenzverfahren der Spielbetriebs GmbH der „Mücken“ musste auch nicht bedeuten, dass es sich auf den Verein auswirkt. Trotz 50 Prozent der Beteiligung des Vereins an der GmbH. „Es gibt keine Sippenhaft“, so der erfahrene Insolvenzberater Matthias Merkel. „Abstrakt überlegt: Wenn der Verein der GmbH ein Darlehen gegeben hätte, kann ihn das mit runterziehen. Aber eine Insolvenz der GmbH ist nicht automatisch eine des Vereins und umgekehrt.“
War es für den Essener Eishockeyverein in der damaligen Situation überhaupt sinnvoll, in einer schon angespannten finanziellen Lage eine GmbH zu gründen? Van Marwyk: „Es sollte schon einen klaren Plan geben, was eine GmbH bringt. Angenommen man merkt dann aber schnell, dass auch der GmbH Gelder wegfallen oder alles teuer für sie wird – Spielerprämien, Sponsoren, die pleite sind etc. – dann bringt es natürlich nichts.“ Das Verfahren für den Hauptverein der einstigen Moskitos, der auf dem Papier noch existiert, ist bis heute (1. Juli 2026) übrigens noch nicht eröffnet.
Dieser Text erschien zum ersten Mal im April 2025 und wurde nun an einigen Stellen aktualisiert.





