Kurz nach dem umjubelten EM-Zuschlag ist der Plan für einen gemeinsamen Ligaverband des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit den 14 Klubs der Frauen-Bundesliga überraschend geplatzt. Wie die Vereine am Donnerstag gemeinsam mitteilten, werden die Klubs am kommenden Mittwoch ohne den DFB eigenständig den „Frauen-Bundesliga FBL e.V.“ gründen. Dies soll die Vermarktung der Liga auf ein neues Niveau bringen und die Professionalisierung vorantreiben.

Die Klubs werfen dem DFB vor, Absprachen vor der anvisierten Gründung in der kommenden Woche missachtet zu haben. Laut Bild geht es dabei vor allem um die Mehrheitsverhältnisse im neuen Gremium. Während die Klubs über die neue Ligapräsidentin die Entscheidungshoheit haben wollten, soll der DFB auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei Beschlüssen bestanden haben.

„In den Gesprächen mit dem DFB waren die wesentlichen Punkte zur Gründung einer gemeinsamen FBL GmbH bereits vereinbart, umso überraschender war für uns Klubs das Infragestellen der verhandelten Eckpunkte zum jetzigen Zeitpunkt - obwohl die Vereine im Vergleich ein Vielfaches in die Frauen-Bundesliga investieren werden“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Jan-Christian Dreesen: Die Entscheidung sei nun „einstimmig“ getroffen worden, „um nicht weiter Zeit zu verlieren“.

SGS Essen: Geschäftsführer spricht Klartext

SGS Essen: Manager Florian Zeutschler spricht.
SGS-Geschäftsführer Florian Zeutschler.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Und was sagt die SGS Essen, seit über 20 Jahren fester Bestandteil der 1. Bundesliga? „Dass wir auf dem Weg, die Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland voranzutreiben, auch die Heterogenität innerhalb der Liga bedacht haben, führte bis zum Schluss zu einstimmigen Entscheidungen. Die letzten zwei Jahre waren nicht nur von intensiver, sondern vor allem vertrauensvoller Zusammenarbeit geprägt“, erläutert SGS-Geschäftsführer Florian Zeutschler. Aber: „Dass nun bereits verhandelte Eckpunkte zwischen dem DFB und den Klubs durch den Verband in Frage gestellt werden, überrascht und enttäuscht uns. Gleichwohl wollen wir mit der Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. – wenn auch anders als geplant – den nächsten wichtigen Schritt auf dem gemeinsamen Weg gehen.“

Dass das lange geplante Projekt nicht gemeinsam mit dem DFB, sondern vorerst allein von den 14 Frauen-Bundesligisten umgesetzt werde, sei „zunächst mal enttäuschend“, meinte Eintracht Frankfurts Vorstandsboss Axel Hellmann, „weil es natürlich auch die Frage aufwirft, ob das die richtige Basis für eine lange und gute Partnerschaft sein kann“.

Ohne DFB geht es nicht

Denn klar ist auch: Ganz ohne den DFB geht es sowieso nicht! Schließlich muss es eine Absprache geben: beispielsweise in Sachen Nominierung für internationale Wettbewerbe, der Verzahnung mit der 2. Bundesliga, der Abstellung von Nationalspielerinnen, der Bestellung der Schiedsrichterinnen, der Sportgerichtsbarkeit und der Talentförderung und vielem mehr.

Ursprünglich sah der Plan vor, dass der Ligaverband und der DFB jeweils 50 Prozent der Anteile an der „Frauen-Bundesliga Gesellschaft“ halten sollen. Der DFB wollte 100 Millionen Euro in die angestrebte Professionalisierung investieren und das Geld schrittweise innerhalb von acht Jahren in die Liga pumpen. Noch mehr wäre auf die Klubs zugekommen: Mehrere Hundert Millionen Euro wollten die Vereine in das Personal und die Infrastruktur investieren.

Und nun, wie geht es weiter? Am Mittwoch werden die 14 Vereine zunächst einen eingetragenen Verein gründen. Die Tür wird für den DFB aber weiter offen bleiben. Die Prognose lautet ohnehin: Der Verband wird am Ende doch noch dazustoßen - und auf die Vetorechtklausel verzichten. (sid/Gold)