Die Spiele der SGS Essen sind in der Frauenfußball-Bundesliga derzeit wahrlich nichts für schwache Nerven: Nach zwei leidenschaftlich erkämpften Unentschieden zeichnete sich gegen RB Leipzig im Abstiegskampf bereits der nächste Rückschlag ab. Doch als Paulina Platner in der sechsten Minute der Nachspielzeit fast schon als Akt der Verzweiflung den letzten Freistoß aus dem Mittelfeldkreis vor das Leipziger Tor in Richtung der großgewachsenen Laura Pucks brachte, kamen die Essenerinnen doch noch zum nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich. Pucks war zwar gar nicht mehr dran, irritierte RB-Torfrau Elvira Herzog aber zumindest so, dass sie den Ball unglücklich selbst ins eigene Tor verlängerte.
Ihre Mitspielerinnen feierten Pucks wie die Torschützin, die ihnen in letzter Sekunde zumindest noch den einen Punkt rettete. Drei hätten es sein sollen, doch nach diesem Spielverlauf sprach die Reaktion der Essener Zuschauer Bände: Es hielt nach dem Abpfiff niemand mehr auf den Sitzen. Sie feierten die Mannschaft auch für den einen Zähler, mit dem sie sich erneut für ihre Moral belohnte.
SGS-Trainer Heleen Jaques tat sich mit der Einordung etwas schwerer. „Es war sehr turbulent heute. Jetzt habe ich irgendwie ein doppeltes Gefühl“, befand sie. Denn gerade der Auftakt war für die Essenerinnen noch so verheißungsvoll: Ramona Maier besorgte bereits in der zweiten Minute die Führung.
SGS Essen lässt RB Leipzig den Ball, verteidigt aber gut
Natasha Kowalski hatte beim ersten Angriff des Spiels Paula Flach auf den rechten Flügel in Position gebracht. Ihre Flanke konnte Maike Berentzen zwar nicht verarbeiten, doch Maier stand goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. Es war der perfekte Start für die SGS, die sich in der Folge auf das konzentrieren konnte, was in den vergangenen Wochen so gut funktionierte: das Verteidigen. Die Essenerinnen zogen sich mit der Führung im Rücken zurück und ließen RB anlaufen. Die Gäste versuchten immer wieder, mit vertikalen Bällen hinter die letzte Linie zu kommen. Doch die SGS ließ sich tief fallen, um keine Räume anzubieten.
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Alles, was hinter die Kette kam, war so sichere Beute für Torfrau Kim Sindermann, die auf der Linie in der ersten Halbzeit nur einmal gefordert war. Marlene Müller konnte ein Zuspiel erlaufen und probierte es aus spitzem Winkel. Sindermann lenkte ihren Schuss zur Ecke ab (15.). Und so erinnerte die Partie ein wenig an das Gastspiel der SGS in Wolfsburg: Zwar war der Gegner optisch drückend überlegen, doch im letzten Drittel standen die Essenerinnen kompakt. Und wenn doch mal eine Lücke entstand, war Abwehrchefin Lena Ostermeier allgegenwärtig. Die beste Torchance im ersten Durchgang hatte Schönebeck.
Fußball-Bundesliga: RB Leipzigs Einwechselspielerin sticht sofort
Flach spielte Kowalski an, die sich im Strafraum um ihre Gegenspielerin drehte und das lange Eck anvisierte. Doch RB-Torfrau Herzog tauchte ab, mit den Fingerspitzen lenkte sie den Ball zur Ecke (36.). Das war aber auch der einzige Entlastungsangriff der SGS, die allerdings dank ihrer Stabilität auch relativ ungefährdet in die Pause kam.

Jaques aber war nicht ganz zufrieden. „Wir haben uns sehr tief fallen lassen und wollten nach der Pause etwas höher schieben.“ Allerdings gab es gewisse Anpassungsprobleme. Denn die eingewechselte Lisa Baum hatte die SGS noch nicht so richtig auf dem Plan. Flach kam nicht in den Zweikampf, hatte aber auch keine Unterstützung. Baum flankte scharf und Boboy köpfte das 1:1 (49.).
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Der Ausgleich veränderte direkt die Statik des Spiels: Die SGS musste selbst mehr kommen und öffnete den Gästen damit auch mehr Räume. RB nutzte das und ließ die eigene Qualität aufblitzen: SGS-Torfrau Kim Sindermann verhindert gegen Boboy im Eins-gegen-Eins aber zunächst den Rückstand (68.). Jaques sah die Notwendigkeit einzugreifen und wechselte gleich dreifach. Überraschend dabei: Laura Pucks als nominelle Innenverteidigerin war plötzlich Mittelstürmerin. „Ich habe schon in meiner ersten Woche hier angefangen, sie umzuschulen.“
SGS Essen ist nun seit drei spielen ungeschlagen
Einen Effekt hatten die Wechsel aber nicht. Leipzig war weiter am Drücker und ging dann auch verdient in Führung. Den Eckball hatten sie eigentlich gut verteidigt, doch als RB den Ball aus dem Halbfeld noch einmal hereinbrachte, wirkten die Essenerinnen unbeholfen. Marleen Schimmer war Nutznießerin, als sie die Kugel aus sieben Metern unter die Latte knallte (71.). Die Gäste hatten die Partie gedreht und das Momentum auf ihrer Seite. Doch sie gingen nicht auf die Entscheidung, sondern schalteten in den Verwaltungsmodus – ähnlich wie die SGS nach der Führung.

Und so kamen die Gastgeberinnen zurück ins Spiel. „Wir haben den Ausgleich gesucht“, erklärte SGS-Trainerin Jaques, die mit der Hereinnahme von der nach Verletzung zurückgekehrten Beke Sterner die Fünferkette auflöste. Nach einer Ecke waren die Essenerinnen dicht dran: Flach brachte sie an den zweiten Pfosten, wo Julia Debitzki den Ball scharf vors Tor brachte. Maier war mit dem Kopf dran, doch RB-Torfrau Herzog parierte stark (85.). Elf Minuten später war sie dennoch untröstlich. „Dass wir jetzt drei Mal nicht verloren haben, ist positiv. Aber jetzt müssen wir im nächsten Spiel auch gewinnen“, fasste Jaques zusammen.
SGS Essen - RB Leipzig 2:2 (1:0)
- SGS: Kim Sindermann - Lany Bäcker (63. Vanessa Fürst), Lena Ostermeier, Julia Debitzki (83. Beke Sterner) - Paula Flach, Paulina Platner, Ella Touon - Maike Berentzen (63. Laura Pucks), Natasha Kowalski (63. Shari van Belle), Leonie Köpp (73. Emilia Watermeier) - Ramona Maier.
- RB Leipzig: Elvira Herzog - Lou-Ann Joly (85. Luca Graf), Andrea Norheim, Marleen Schimmer (74. Emilia Asgeirsdottir), Nikoline Dudek (90. Viktoria Krug) - Sandra Starke, Annabel Schasching, Gina Chmielinski (46. Lisa Baum) - Marlene Müller, Delice Boboy (85. Persis Oteng), Julia Landenberger.
- Tore: 1:0 Maier (2.), 1:1 Boboy (49.), 1:2 Schimmer (71.), 2:2 Pucks (90.).



