Zusammenfassung
- Tibor Meingast nimmt mit über 60 Jahren erstmals an einem Ruderkurs der Kettwiger RG in Essen teil.
- Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen macht er auf der Ruhr erste praktische Erfahrungen im Ruderboot.
- Am Ende sind alle begeistert und viele möchten das Rudern gerne wiederholen.
Die Stadt Essen hat, was in Bayern, Schleswig-Holstein und Brandenburg weitgehend unbekannt ist, eine Vielzahl reizender und idyllischer Orte. Zu denen zählt auch die Ruhr bei Kettwig, auf der an diesem strahlenden Samstagmorgen etliche Ruderboote ihre Bahnen ziehen. Überwiegend sind da echte Könner am Werk, die gerade trainieren, aber sie sind nicht die einzigen.
- Dieser Text erschien zum ersten Mal im März 2026
Gerade hat der Frauen-Achter mit Steuerfrau sein Boot zu Wasser gelassen – das Team aus der Ruder-Bundesliga. Vor dem Bootshaus der Kettwiger Rudergesellschaft von 1906 e.V. warten derweil mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche. Sie absolvieren hier einen Schnupperkurs, dem ich mich mit mehr als 60 Jahren ganz tapfer angeschlossen habe.
Rudern in Essen: Mit Kraft und Begeisterung auf das Wasser
Die Vögel singen, es ist nahezu windstill. Sechs junge Erwachsene leiten die Ruderinteressierten an. Kathi, Ali, Emil, Flynn, Pia und Nadja. Kathi hat die meiste Erfahrung, gibt entsprechend die Kommandos, ziemlich unaufgeregt, klar und präzise. Am Freitag wurden die 15 Schnupperkursteilnehmerinnen und -teilnehmer in ein paar theoretische Grundkenntnisse eingeführt und haben am Ergometer schon mal geübt. Jetzt geht es erstmals raus auf die Ruhr.

Es ist kurz nach 10 Uhr. Da kommt Oliver Clemens schon von seiner Sportstunde zurück. Ein Hühne mit einer V-förmigen Figur und geradezu unglaublichen Muskeln am Oberkörper und an den Armen. Der frühere Leistungsruderer und Trainer ist ganz begeistert: „Welch ein Wetter, das Wasser glatt, kein Wind. Da kannst du gleich loslegen!“
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Das tun die Kids und ich auch. Auf Anweisung von Kathi werden erst die Ruder, die Skulls oder Riemen aus dem Bootshaus geholt. Und später dann gemeinsam die relativ stabilen Vierer-Boote mit Platz für einen Steuermann oder eine Steuerfrau. Die Boote haben Namen: „Orle“, „Spieck, „Aaarke“ und total überraschend: „Kettwig“. Sie sind nicht so schmal und wackelig wie die Rennboote.


Sie werden zum Steeg getragen, dann gehen die Leute auf der Wasserseite zur Seite und die Ruderboote werden auf die Ruhr gesetzt. Nun werden die beiden Skulls in die vorgesehenen Halterungen angebracht. Dann das vorsichtige Einsteigen, der linke Fuß zuerst. Das Brett für die Füße wird der entsprechenden Beinlänge angepasst und schon kann‘s losgehen.
Rudern gelingt schneller als erwartet und macht allen Spaß
Ganz vorsichtig abstoßen vom Steg – eiserne Regel: Immer die Skulls in der Hand behalten! Und gegen die kaum spürbare Strömung wird gerudert. Für uns Anfängerinnen und Anfänger ist ein harmonischer Gleichklang im Vierer natürlich nicht möglich. So dass wir immer nur paarweise rudern und die beiden anderen halten derweil ihre Riemen zur Stabilisierung des Bootes auf dem Wasser.

Steuermann Flynn erklärt viel, gibt Hilfestellungen, macht Verbesserungsvorschläge. Und so geht es tatsächlich überraschenderweise auch einigermaßen zügig voran, nur gelegentlich verhaken sich die Skulls ineinander, wenn jemand nicht aufpasst.
Das etwas breitere Wassergefährt als die Rennboote liegt ganz gut auf der Ruhr, ist nicht einmal besonders wackelig. Es ist natürlich ein Glücksfall, dass der sanfte Fluss so glatt wie eine Tischplatte ist. Die Mitruderer zappeln auch nicht rum. Es bleibt sogar Muße, die Aussicht zu genießen. Leichter als gedacht. Insgesamt ist es eine wirklich spaßige Sache.
Schnupperrudern auf dem Baldeneysee kommt gut an
Wenn ein Trainer, der die Profis auf einem Motorboot begleitet, zu nahe kommt, wird es mal ein wenig unruhig. Die Bugwelle des Motorbootes ist dann auch im Vierer zu spüren. Gelegentlich begegnen wir Enten, doch die kennen sich aus und machen einen weiten Bogen um die schlanken Boote.
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Eine Stunde bleiben wir auf dem Wasser, die spüre ich dann doch auch in den völlig untrainierten Armen. Der Schnupperkurs hat riesige Freude bereitet, das äußern auch die Kinder und Jugendlichen: „Wahnsinn“, „Wie cool“ oder auch „Puh, anstrengend“. Die meisten haben den dringenden einen Wunsch, das Ganze zu wiederholen. Vermutlich hat die Rudergesellschaft Kettwig mit ihrer tollen Aktion, die noch eine große Portion Nudeln mit Bolognesesauce beinhaltet, neue Mitglieder gewonnen.







