Zusammenfassung

  • Bob Hanning, ehemaliger Trainer und Funktionär aus Essen, hat mit Italiens Handball-Nationalteam überraschend die Qualifikation für die WM 2027 in Deutschland geschafft.
  • Der 58-Jährige, sonst Geschäftsführer der Füchse Berlin, spricht von einem historischen Erfolg nach dem Sieg gegen die Schweiz.
  • Seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Essen und zum Tusem bleibt ungebrochen.

Essen ist noch immer seine Heimat, Berlin sein Lebensmittelpunkt: Nun aber steht Bob Hanning die Welt offen. Der 58-Jährige, der in Essen seine Karriere als Handballtrainer und -funktionär begann, hat als Nationaltrainer Italiens eine Sport-Sensation geschafft: Hanning hat sein Team zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland geführt - und darf sich nun auf seine ganz persönliche „Heim-WM“ freuen. 

Beseelt vom „größten Erfolg in der Geschichte des italienischen Handballs“ machte sich der gebürtige Essener am Montag auf die Rückreise aus der Emilia-Romagna. „Ich bin todmüde, aber mein Herz ist voll“, sagte er nach dem überraschenden Sieg in der Qualifikation gegen die Schweiz. Hanning ist hauptberuflich Geschäftsführer des Bundesliga-Topklubs Füchse Berlin, seit einem Jahr steht er zudem für die Italiener an der Seitenlinie.

Füchse Berlin - One Veszprem
In der Bundesliga ist Bob Hanning mit den Füchsen Berlin erfolgreich.© Andreas Gora/dpa | Andreas Gora

Essener Bob Hanning: „Einmal Tusem-Fan ist, immer Tusem-Fan“

„Dass Italien die Schweiz schlägt, ist wie wenn Hertha BSC den FC Bayern München schlägt“, sagte Hanning nach dem entscheidenden 38:31 im italienischen Faenza gegen die hochgehandelten Schweizer und sprach auch angesichts der Hinspiel-Niederlage (29:32) von einem „Sieg der Mentalität. Wir haben uns vor einem Jahr auf den Weg gemacht, dass Mindset zu verändern, Ansprüche zu formulieren und auch danach zu handeln. Jetzt sind wir so weit, dass die Mannschaft es verinnerlicht hat und selbst daran glaubt.“ Schon bei der zurückliegenden EM-Endrunde im Januar in Dänemark war Hanning als einziger deutscher Trainer dabei.

Beim Essener Tusem hatte Hanning seine Trainerkarriere einst begonnen und unter anderem als Nachwuchstrainer große Erfolge gefeiert (Deutscher A-Jugend-Meister 1994). Danach entwickelte sich der Essener zu einer der großen Persönlichkeiten des deutschen Handballs, als Bundesliga-Trainer, DHB-Vize-Präsident und als Füchse-Boss. Seine Wurzeln aber vergaß er nie. Hanning: „Natürlich blicke ich immer noch regelmäßig auf den Tusem. Wenn man als Essener einmal Tusem-Fan ist, bleibt man Tusem-Fan. Das ist ja mein Heimatverein und immer Teil meines Herzens. Da gibt es noch viele Kontakte und persönliche Verbindungen.“

Essener Bob Hanning: Er ließ Tusem-Trainer Hövels kommen

In Essen war er zuletzt an den Weihnachtstagen. „Leider komme ich viel zu selten nach Essen“, bedauerte er damals vor der Reise in jene Stadt, in die er wenige Tage zuvor Kenji Hövels hatte ziehen lassen, damit dieser dort der neue Tusem-Trainer wird. Hövels war zuvor Trainer des Füchse-Reserveteams in Berlin. „Ich kann dem Tusem zu dieser Wahl nur gratulieren“, sagte Hanning damals. „Ich traue es Kenji absolut zu, dieses nicht gerade einfache Unterfangen zu bewältigen.“ Derzeit steht der Tusem knapp über den Abstiegsplätzen, drei Spieltage sind noch zu absolvieren.

Doch zurück zu den Italienern: Für diese ist es nach 1997 und 2025 die dritte WM-Teilnahme. Bei seiner Mannschaft sieht Hanning „etwas ganz Besonderes, darauf können wir aufbauen. Sie wären beleidigt, wenn ich von großem Klassentreffen reden würde, aber da treffen sich Freunde, um zusammen zu zocken“, schwärmte der 58-Jährige: „Wir haben noch so viel Potenzial, dass wir zusammen ausschöpfen können.“ (Gold/sid)