Diese Nachricht dürfte überraschen. Manch einen, der es mit den Miners hält, gar schockieren: Basketball-Pro A-Aufsteiger ETB Miners sagt „Danke, Raffi!“. Raphael Wilder wird seinen zum 30. Juni 2026 auslaufenden Vertrag als Sportlicher Leiter (und Co-Trainer) bei den Essenern nicht verlängern. Der Architekt einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte gibt die Verantwortung ab zu einem Zeitpunkt, an dem es wohl nicht wenige gibt, die diese neue, große Herausforderung „Pro A“ gerne in seinen Händen gesehen hätten. Immerhin: Wilder bleibt den Miners – auch ganz offiziell – als Berater erhalten und ist auch in den Sondierungen des Spielermarktes eingebunden, wie Wilder erklärte.

Das Kapitel ist also noch nicht beendet – und doch ist es eine Zäsur. Gut drei Wochen nach dem sensationellen Comeback im Finale gegen Ulm, mit dem sich die Essener die Pro B-Meisterschaft gesichert hatte, gibt es also keine Nachricht zu Spielerverpflichtungen. Nein, „Raffi“ Wilder geht von Bord. So halb zumindest.

ETB Miners - Lok Bernau in Essen
Jahrelang ein Erfolgsteam: Raphael Wilder (l.) und Trainer Lars Wendt.© FUNKE Foto Services | Uwe Möller

ETB Miners: Übernommen, als Klub am Boden lag

Die Dankbarkeit ist natürlich groß, das betont Geschäftsführer Dieter Homscheidt. Wilder hatte den Verein übernommen, als Basketball-Essen nach der Insolvenz der Wohnbau Baskets am Boden lag, die Miners fast beispiellos bis in die Zweite Regionalliga abgestürzt waren. Dass sich der erfolgsverwöhnte Senior dieser Mammutaufgabe überhaupt angenommen hatte – wohl keine Selbstverständlichkeit. Homscheidt und Co-Vorstand Robert Hildebrandt legten das sportliche Schicksal der Organisation in seine Hände – fünf Jahre später ist der ETB wieder zurück in der Pro A.

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Was die Miners wiederum als Start für den nächsten Aufbruch sehen. Die Pläne sind nicht nur groß – sie sind riesig in Essen. Die Meldung über den Rücktritt Wilders ins zweite Glied darf in einem ersten Moment dann doch als Dämpfer für die hohe Erwartungshaltung empfunden werden. Sie wirkt irgendwie fehl am Platze – und ist dann vielleicht doch Teil eines großen Ganzen, über den sich der Verein bislang jedenfalls aber noch in Schweigen hüllt.

ETB Miners: Neue, komplett professionelle Dimension

In einem zweiten Moment mag man sich jedenfalls daran erinnern, was Dieter Homscheidt gegenüber dieser Redaktion betont hatte: Dass man sich unabhängig von den handelnden Personen machen müsse. Sich selbst im Übrigen eingeschlossen. Strukturen schaffen müsse, die Stand hielten, auch wenn sich der Kreis der in Verantwortung stehenden Personen ändere. Und diese Strukturen sind in der Pro A enormem Druck ausgesetzt. Organisation, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Vorgaben der Liga – all das erreicht eine neue, komplett professionelle Dimension. Die Miners müssen wachsen, sich weiterentwickeln – noch schneller. Auch um die Gestaltung der sportlichen Verantwortung sei es in den vergangenen Wochen in vielen Gesprächen gegangen, heißt es. Dies ist nun offenbar eine erste Konsequenz daraus.

Raphael Wilder blieb sich in einer ersten Reaktion gegenüber dieser Zeitung vage. Gleichwohl kann man herauslesen, dass er sich die Verantwortung zumindest hätte teilen müssen. Nichts für ihn, Wilder bleibt sich treu: „Ich habe beschlossen, nicht mehr der sportliche Leiter und Co-Trainer zu sein, da ich nicht mehr alles, was das Sportliche betrifft, entscheiden kann“, so Wilder. „Und ich möchte keine Verantwortung für etwas übernehmen, was ich nicht entscheiden kann. Jetzt bleibe ich dem Verein als Berater erhalten und unterstütze ihn momentan dabei, den Spielermarkt zu sondieren und Spieler zu verpflichten.“

ETB Miners: „So wird man Meister“

Dann wurde er doch noch emotional, beim Blick auf die bislang zurückgelegte Wegstrecke mit dem Höhepunkt Pro B-Meisterschaft: „Es war wirklich eine überragende Saison, es war eine fantastische Mannschaft.“ Ein Team, das er niemals so erfolgreich gesehen habe. „Ich habe den Jungs immer und immer wieder gesagt: ,Defense wins championships‘ (Verteidigung gewinnt Meisterschaften). Sie konnten es nicht mehr hören. Aber wir haben in den letzten zehn, 15 Spielen im Schnitt 65 Punkte kassiert. So wird man Meister. Punkt. Es war unglaublich und das Ende, dieses Comeback, wie ein Märchen.“

An weiteren Märchen arbeitet man bei den Miners – und ja: Raphael Wilder wäre dann doch weiter ein Teil davon. Wenn auch ein kleinerer.