Fußball

Ein Nationalspieler für die Bullen

Dr. Michael Welling und Dr. Uwe Harttgen verabschieden sich von Markus Heppke bei RW Essen.

Dr. Michael Welling und Dr. Uwe Harttgen verabschieden sich von Markus Heppke bei RW Essen.

Foto: WAZ FotoPool

Kalkar.   Markus Heppke spielte einst mit Manuel Neuer und Kevin-Prince Boateng für die DFB-Junioren. Nun will der Mittelfeldspieler dem SV Hönnepel/Niedermörmter helfen. Seinen neuen Teamkollegen kann Heppke von einer besonderen Bundesliga-Erfahrung berichten.

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Manuel Neuer hat für den 30. Juni einen Trip ins Stadion von Porto Alegre geplant. Lösen sich seine Probleme mit der rechten Schulter und holt die Deutsche Nationalmannschaft den Gruppensieg, darf der Torwart dort das WM-Achtelfinale bestreiten. Einen Tag vor der Partie in der brasilianischen Hafenstadt hat ein langjähriger Schalker Teamkollege von Neuer ebenfalls einen wichtigen Termin: Dann steht für Markus Heppke der Trainingsauftakt beim SV Hönnepel/Niedermörmter auf dem Programm.

Mit der Verpflichtung des 28-Jährigen hat der Fußball-Oberligist am Niederrhein mal wieder für Aufsehen gesorgt. Trainer Georg Mewes sieht sich zwar selber als Talente-Förderer, immer mal wieder lotst er auch Spieler mit Profi-Erfahrung zum Acker. Vor anderthalb Jahr kam Christian Mikolajczak. Vor einem Jahr verpflichtete Mewes Benjamin Schüßler. Nun warb er erfolgreich um Markus Heppke.

Der jüngste namhafte Zugang der Schwarz-Gelben flog 2005 mit Manuel Neuer, Kevin-Prince Boateng und Eugen Polanski zur U-19-Euromeisterschaft. Für den FC Schalke hatte er einen Bundesliga-Kurzeinsatz, für Rot-Weiß Oberhausen bestritt er 36 Zweitliga-Spiele. Zuletzt trug Heppke die Kapitänsbinde bei Rot-Weiss Essen.

Fußball nur noch eine Nebenrolle

Nun beginnt für den defensiven Mittelfeldspieler ein neuer Lebensabschnitt, in dem Fußball nur eine Nebenrolle spielt. „Ich habe zwar mein Abitur gemacht, aber nie eine Ausbildung. Das hole ich jetzt nach“,sagt Heppke im NRZ-Gespräch. Im Essener Krupp-Krankenhaus lässt er sich zum Physiotherapeuten ausbilden.

Da Heppke nicht ganz auf Fußball verzichten wollte, kam das Angebot vom SV Hö./Nie. gerade recht. Er kannte den Verein von Duellen im Niederrheinpokal oder im Freundschaftsspiel. „Das waren immer angenehme Begegnungen“, sagt der gebürtige Essener, bevor er sich korrigiert: Okay, auf dem Platz war es nicht angenehm. Dafür hatten wir hinterher aber Spaß. Das Gespräch mit Georg Mewes überzeugte ihn dann vollends. „Das war einfach überragend“, betont Heppke.

Bei seinem neuen Verein trifft er viele alte Bekannte wieder. Kapitän Mikolajczak spielte während Heppkes Schalker Jugendzeit bei den königsblauen Profis. Schüßler war sein Teamkollege in Essen.

„Einen sehr guten Draht habe ich auch zu Benny Venekamp. Der war damals in meinem Bio-Leistungskurs. Es ist schade, dass er Hö./Nie. verlässt. Aber mit der Pendelei aus Solingen ging das einfach nicht mehr“, sagt Heppke über den Linksverteidiger, der zu den Sportfreunden Baumberg wechselt.

Er selber kann sich glücklich schätzen, im Ruhrgebiet zu leben. Dort wohnen viele künftige Teamkollegen, Heppke kann sich also einer Fahrgemeinschaft anschließen. Dass er künftig auf schlecht gelaunte Spieler im Auto trifft, die sich noch über den Verzicht auf den Regionalliga-Startplatz ärgern, glaubt der Ex-Profi nicht.

„Klar war der ein oder andere mit Sicherheit enttäuscht. Aber vor der Entscheidung des Vereins muss man einfach nur Respekt haben. Jetzt wollen wir wieder neu angreifen“, betont Heppke. Er will auf jeden Fall mithelfen, um die gute Stimmung aus der abgelaufenen Saison mit in die neue Spielzeit zu retten.

Mit der ein oder anderen Anekdote kann Heppke seine Teamkollegen bestimmt unterhalten. Die von seinem einzigen Bundesliga-Einsatz garniert er stets mit einer Prise Humor. Es war beim Schalker Auswärtsspiel in Cottbus vor acht Jahren. Mirko Slomka wollte wechseln und beorderte einen Ersatzspieler zur Bank. „Da habe ich nur gedacht: Der kann nicht mich meinen“, erzählte Heppke. Doch der Coach meinte seinen Nachwuchsspieler. So stand Heppke an der Seitenlinie und wartete -- minutenlang.

„Das Problem war, dass es keine Unterbrechung gab“, sagt der Ex-Schalker heute. Levan Kobiashivil beförderte schließlich den Ball ins Aus und verhalf dem damals 20-Jährigen zum Debüt. „Das waren mit Nachspielzeit noch so vier Minuten. Fast hätte ich nach einem Konter mit Kevin Kuranyi noch eine Kirsche gemacht“, erklärt Heppke.

Trikot-Andenken dank Slomka

Schalke gewann mit 4:2 und Heppke wollte sein Trikot später artig zum Waschen abgeben. Slomka verklickerte seinem Schützling, dass er es als Andenken gefälligst behalten sollte. Und Heppke gehorchte.

„Ich war damals sehr zurückhaltend“, beschreibt er sich heute. Zurückhaltung war für seine Weggefährten wie Neuer und Boateng schon damals ein Fremdwort. Dass die beiden nun bei der WM antreten und Millionen von Euro pro Saison verdienen, während er nur noch Oberliga spielt, stört Heppke jedoch nicht. „Wehmut verspüre ich überhaupt nicht. Ich bin aber stolz darauf, was ich erreicht habe“, sagt er.

Wenn Heppke demnächst mit Freunden die Nationalmannschaft anfeuert, kann er immer sagen: „Mit dem Neuer habe ich schon gemeinsam gejubelt.“

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