Boxen / Sahan Aybay

Moerser Boxer Sahan Aybay plant 2020 sein Comeback, in Polen

„Team Aybay Boxing“ steht auf dem T-Shirt, den DM-Gürtel der Profis über der Schulter. Der Moerser Sahan Aybay.

„Team Aybay Boxing“ steht auf dem T-Shirt, den DM-Gürtel der Profis über der Schulter. Der Moerser Sahan Aybay.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Moers.  Am Ende sind ihm die Gegner ausgegangen. Sahan Aybay, 24-jähriger Profiboxer aus Moers, sucht nun eine neue Herausforderung. In Polen

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Den Gürtel des Deutschen Boxmeisters von 2017 wird ihm niemand mehr nehmen. Zumindest nicht im Ring. Denn Sahan Aybay, 24-jähriger Profiboxer aus Moers, hat den Titel im Mittelgewicht gewonnen und ist mittlerweile eine Gewichtsklasse hochgewechselt. Zwar standen noch Titelverteidigungen an, doch daraus wurde nichts. Einmal hat sein Gegner abgesagt, ein anders Mal hat der Herausforderer Aybay im Ring stehen lassen, wie eine verlassene Braut vor dem Traualtar. Das war im vergangenen Mai in Wuppertal.

„Der ist einfach nicht gekommen“, sagt der Moerser, der in der Boxszene für seine harten Schläge und sein fokussiertes Auftreten im Ring bekannt ist. So kann ihm nur der Boxverband den DM-Gürtel abnehmen, für einen neuen Titelträger.

Dass das Profiboxerleben kein leichtes ist, hat Sahan Aybay am eigenen Leib erfahren: „Zwei Kämpfe waren noch geplant. Aber meinen letzten Kampf habe ich im November 2018 gehabt.“ Alles andere als befriedigend. Aybay hatte sich vorbereitet, fit gemacht, war willens, wieder zu boxen. Doch alleine Boxen bringt eher wenig.

Der Moerser Junge hat Frust geschoben, mit dem disziplinierten Leben und den Essgewohnheiten gebrochen – und schließlich zugenommen. So wie es bei jedem anderen Menschen auch sein würde. Dazu kommt, dass die notwendige, ausgewogene Ernährung auch ins Geld geht. Nur, ohne Kämpfe rollt beim Boxer auch der Rubel nicht.

Im Supermittelgewicht angekommen

Doch das wird sich nun alles ändern. Jetzt ist er im Supermittelgewicht angekommen. Von etwa 72,5 auf bis zu 76,5 Kilogramm. „Ungefähr 4,5 Kilogramm mehr macht das aus“, erklärt er die Differenz zu den Gewichtsklassen. Da ist er allerdings momentan etwa sechs Kilo drüber. Was aber für ihn kein Problem ist. Bis zum nächsten Kampf hat er das alles wieder weg, seinen Körper wieder in Topform gebracht. Doch erst Ende Februar, Anfang Mai 2020 steht Sahan Aybay wieder im Ring. Allerdings in Polen.

Denn der Moerser hat einen Dreijahresvertrag mit Tymex Boxing Promotion unterschrieben. Einen Profivertrag, der ihn endlich das machen lässt, was er am besten kann und wofür er ausgebildet wurde. Und einen Vertrag, der ihm zusichert, dass er ausschließlich in den Ring steigt, wenn das Fernsehen dabei ist. In Polen ist das meistens PolSat Sport, der größte und älteste TV-Sender des Landes, der ein sportbegeistertes Millionenpublikum vor den Bildschirm holt und zu den „wielka czwórka“, den „großen vier“ Fernsehsendern gehört. PolSat liegt seit Jahren auf Platz zwei. Und dort boxen die Besten der Welt. „Ganz wichtig“, sagt Aybay. „Wenn ich nämlich nicht im Fernsehen bin, bleibe ich unbekannt, bekomme keine Sponsoren und verdiene nichts.“ Eine einfache Rechnung: Kein TV, keine Sponsoren.

So wurde er beim Start seiner Karriere vom Moerser Taxiunternehmer Ertan Yanik, dem Restaurantbetreiber Hasan Sarmis und vom Matratzen-Outlet-Betreiber Leo Hennen unterstützt. „Dafür bin ich ewig dankbar“, sagt der Kampfsportler. Aber das könne ja nicht sein restliches Leben so weitergehen.

Doch wie ist der gebürtige Moerser nach Polen gekommen. Das war im vergangenen Juli durch seine polnische Bekannte Monika Tomczak und durch Roman Morawiec, der früher 1. Vorsitzender beim Amateur-Box-Club Rheinkamp war. Kurz ABC. Dort hat Sahan Aybay seine ersten Boxhandschuhe geschnürt bekommen – damals, im Alter von elf Jahren – und erste Erfahrungen in Polen gemacht. Morawiec, der nun auch wieder dort lebt, hatte für Aybay auch Kämpfe in Polen organisiert. So schien dieses Land eine gute Wahl zu sein. In Deutschland wollte niemand gegen Aybay antreten, er wollte nicht gegen Fallobst kämpfen.

Allerdings bringt es nichts, wenn sich ein Deutsch-Türke einfach mal so nach Polen aufmacht und sagt: „Hier bin ich.“ Selbst wenn er den Gürtel des Deutschen Meisters im Koffer hat.

Als er aber Boxen auf PolSat gesehen hatte, musste Monika Tomczak mit dem Sender und den Promotern Kontakt aufnehmen. Das machte die gelernte Anwältin gerne. Passiert ist aber nix. Zwei Monate lang Funkstille. Doch in der Zeit hatte Aybay sein Training wieder aufgenommen, unter anderem auch etwas Sparring – und damit auf sich aufmerksam gemacht. Ende August kam schließlich eine Antwort – und die Nachfrage vom Boxpromoter.

Kampf um die Europameisterschaft

Danach ging alles ziemlich schnell. Sahan Aybay hat am 4. September einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben, an dessen Ende – oder auch früher – wenigstens ein Kampf um die Europameisterschaft steht. Dafür darf er ab kein Fußball spielen, keinen Extremsport betreiben, nicht so schnell mit dem Fahrrad fahren und auch mit dem Auto nicht rasen. Das, und noch viel mehr, ist jetzt vertraglich festgeschrieben.

Nun geht es am 1. Dezember zurück ins Trainingscamp nach Polen. Da wird Kondition, Athletik und Schnelligkeit gebolzt, und ab Anfang Januar geht’s ins Sparring. Alles Richtung EM-Titel 2023.

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