Für Anna-Lena Friedsam beginnt das neue Jahr schon drei Tage vor dem Heiligen Abend. Die Tennisprofispielerin aus Kamp-Lintfort fliegt am kommenden Samstag nach Auckland in Neuseeland, um sich auf die im Januar startenden Australian Open in Melbourne vorzubereiten. Die 30-Jährige, die in den vergangenen Tagen mit Trainer Patrice Hopfe wieder bei Blau-Weiß Kamp-Lintfort und im Fitnesszentrum Niederrhein gearbeitet hat, hofft dann auf ein besseres Tennisjahr. 2024 war geprägt von einer langen Spielpause. Von April bis Oktober musste Friedsam wegen eines chronisch entzündeten Knies passen.

Anna-Lena Friedsam: „Ich habe zu lange mit Schmerzen gespielt“

„Ich habe schlicht zu lange mit Schmerzen gespielt, das hat sich natürlich auch auf meine Leistungen ausgewirkt“, gibt Anna-Lena Friedsam zu. Der Fokus, wieder unter den Top 100 der WTA-Weltrangliste mitzumischen, ging entsprechend schnell in diesem Jahr verloren. Schlimmer: Die Probleme ließen nach dem Jahresstart auf dem fünften Kontinent einfach nicht nach. Grand-Slam-Turniere nach den Australian Open im Januar, die Sommer-Bundesliga mit dem TC Bredeney, die Olympischen Spiele in Paris - alles fiel der unausweichlichen Zwangspause zum Opfer.

Sieg für Kamp-Lintfort in Osaka: Trainer Patrice Hopfe freut sich mit Anna-Lena Friedsam (rechts) und Doppelpartnerin Nadiia Kichenok.
Sieg für Kamp-Lintfort in Osaka: Trainer Patrice Hopfe freut sich mit Anna-Lena Friedsam (rechts) und Doppelpartnerin Nadiia Kichenok.© NRZ

Das sorgte für einen Absturz in der Einzel- und Doppel-Weltrangliste sowie nur wenigen Turniereinnahmen. Doch die harte Entscheidung scheint sich seit einigen Wochen auszuzahlen. „Ich bin wieder beschwerdefrei und guten Mutes für 2025“, versichert Anna-Lena Friedsam. Seit Oktober ist die gebürtige Neuwiederin wieder im Einsatz, hat für ihren französischen Klub TC Cormontreuil in der nur zwei Wochenenden dauernden Winter-Hallenrunde erfolgreiche Einsätze im Einzel und Doppel absolviert und so zum Klassenerhalt in der höchsten Liga beigetragen.

Nominierung für deutsches Tennisteam durch Rainer Schüttler

Auch die Nominierung von Bundestrainer Rainer Schüttler für den Billie-Jean-King-Cup im November in Malaga hat Friedsam Auftrieb gegeben. Auch wenn das Doppel, in dem sie eingesetzt werden sollte, nicht mehr ausgetragen wurde. Die Partie gegen Großbritannien war nach den Einzeln für den DTB schon verloren. „Das war schade, zumal ich sehr gern für Deutschland spiele“, betont Friedsam.

Trainieren bei Blau-Weiß Kamp-Lintfort im Sommer auch mal gemeinsam: die Tennisprofis Anna-Lena Friedsam (links) und Daniel Altmaier.
 
Trainieren bei Blau-Weiß Kamp-Lintfort im Sommer auch mal gemeinsam: die Tennisprofis Anna-Lena Friedsam (links) und Daniel Altmaier.  © NRZ

Trainer Patrice Hopfe wird übrigens nach Weihnachten seinem Schützling nach Neuseeland folgen. Seit mehr als zwei Jahren betreut der frühere Neukirchener nun schon die Profispielerin. „Wir lieben beide den Sport, arbeiten gut im Detail, sind charakterlich auf einer Wellenlänge“, lobt Anna-Lena Friedsam ihren Coach: „Er hat ein sehr gutes Tennisverständnis, ist sehr zuverlässig und dramatisiert auf seine ruhige Art auch nicht Sachen.“

Nach Verletzung: Friedsam nutzt das Protected Ranking

Ein kleiner Vorteil für Anna-Lena Friedsam ist, dass sie wegen ihrer langen Verletzung die Tennisregel des „Protected Ranking“, übersetzt: geschützter Ranglistenplatz, nutzen darf. Friedsam wird also beispielsweise für das anstehende Turnier in Auckland oder auch die Qualifikationsrunde in Melbourne nicht mit ihrem aktuellen WTA-Platz 528 berücksichtigt, sondern mit der durchschnittlichen Weltranglistenplatzierung aus den ersten drei Verletzungsmonaten. Nur so klappt es bei den höherrangigen Turnieren mit einem Start - zumindest in der Qualifikation.

Tennistrainer Patrice Hopfe wird Anna-Lena Friedsam nach Neuseeland und Australien begleiten.
Tennistrainer Patrice Hopfe wird Anna-Lena Friedsam nach Neuseeland und Australien begleiten.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

„Das Protected Ranking darf ich bei Grand Slams zweimal anwenden, also in Melbourne und dann bei den French Open im Mai in Paris. Mein Plan ist, im Idealfall in der Einzel-Weltrangliste bis Sommer so weit wieder nach vorn zu kommen, dass ich auch in Wimbledon mitmachen darf“, sagt Anna-Lena Friedsam. Die erste Qualifikationsrunde bei den Australian Open im vergangenen Januar brachte trotz Niederlage gegen die Tschechin Gabriela Knutson immerhin 20.668 US-Dollar ein. Es war die höchste Turnierprämie für Friedsam, die zu diesem Zeitpunkt noch 127. der WTA-Weltrangliste im Einzel war, im gesamten Jahr 2024.