Die Wochen der Wahrheit sind in vollem Gang – das Thema Abstiegskampf ist allgegenwärtig. Aber die Zweitliga-Handballerinnen des TuS Lintfort stellen sich der besonderen Situation mit Hingabe und Herzblut. Das Team um Trainerin Bettina Grenz-Klein hat bereits Teil eins mit Bravour bestanden, wies zuletzt das Tabellenschlusslicht SV Werder Bremen mit einem dominanten Auftritt eindrucksvoll in die Schranken. Nun wartet allerdings das nächste, sogenannte Vier-Punkte-Spiel. Der TuS Lintfort (11:21 Punkte) hat zum Kellerduell die HSG Bad Wildungen (9:23) zu Gast. Der Anwurf in der Eyller-Sporthalle ertönt am kommenden Samstag um 17.30 Uhr.

Auf die Zweitliga-Handballerinnen des TuS Lintfort wartet das nächste Vier-Punkte-Spiel

Der TuS Lintfort hat aktuell vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Doch es wäre fatal, diesen „Puffer“ als eine Art Ruhekissen anzusehen. Und auch Bettina Grenz-Klein gefällt dieser Gedanke überhaupt nicht: „Ja, wir haben unsere Situation nach dem letzten Spiel etwas verbessert und die Mädels durften auch kurz einmal durchatmen. Aber es gibt keine Sicherheiten und niemand käme bei uns auch auf die Idee, sich zurückzulehnen oder gar auszuruhen.“

Gleichwohl war der jüngste Auftritt in Bremen in gewisser Weise auch eine Machtdemonstration. Beide Konkurrenten sind von ihren Qualitäten ähnlich einzustufen. Aber nur Lintfort hat die Substanz und die Energie auf die „Platte“ bekommen. Das Team trat vor allem mutig und selbstbewusst in Erscheinung. Bettina Grenz-Klein muss wohl den richtigen „Zugang“ zu ihren Schützlingen gefunden haben. Insbesondere die beiden Niederländerinnen zündeten in der Startviertelstunde auf der linken Seite ein wahres Feuerwerk ab. Rückraum-Ass Eline Veltrop präsentierte sich in exzellenter Spiellaune und wirbelte die Bremer Defensive mehrfach gehörig durcheinander. An ihrer Seite bestach zudem Landsfrau Nyah Metz, die mit sehenswerten Toren von Linksaußen glänzte. Lintfort hatte den Gegner total unter Kontrolle und zog schon bis zum Pausenpfiff auf 22:12 auf und davon.

Ihre Spezialität sind die Gegenstöße: Nyah Metz.
Ihre Spezialität sind die Gegenstöße: Nyah Metz.© TuS Lintfort

Eline Veltrop und Nyah Metz waren sicherlich dafür verantwortlich, dass die TuS-Offensive auf Touren kam und schließlich als eine gut harmonierende Einheit auftrumpfte. Die Abwehr hingegen bleibt eine Baustelle. Dieses Manko fiel in Bremen allerdings nicht ins Gewicht, denn auf Laura Graef war Verlass. Die Torfrau hielt überragend und bügelte mit zahlreichen, sehenswerten Paraden die Patzer ihrer Vorderfrauen aus und verdiente sich deshalb auch das Prädikat: besonders wertvoll.

Die oftmals löchrige Defensive des TuS Lintfort bleibt eine Baustelle

Jetzt wartet mit den „Vipers“, wie sich der Verein aus Bad Wildungen nennt, eine neue, schwere Aufgabe. Die Gäste aus Hessen, bevorzugen in der Deckung regelmäßig eine ganz offensive 3:2:1-Variante, die mit soliden Zweikampfwerten gut eingespielt ist und darauf aus ist, den gegnerischen Spielaufbau schon im Ansatz zu stören. Torhüterin Larissa Schutrups steht in der Statistik mit den meisten Paraden derzeit auf Platz eins der 2. Bundesliga. Die „Vipers“ haben auch in der Offensive so ihre Qualitäten. Aber die Abläufe sind jetzt nicht so überragend, dass sich der TuS Lintfort nicht darauf einstellen könnte. Doch bei aller Rivalität: Es gibt auch ein nettes Wiedersehen. Dana Gruner kehrt für ein Spiel zurück nach Lintfort. Die Linksaußen trug bekanntlich etliche Jahre das TuS-Trikot, ehe der Wechsel im vergangenen Sommer zu den Vipers zustande kam.

„Es wird für uns ein ganz schweres Spiel“, betont Bettina Grenz-Klein. „Aber wir müssen bereit sein und erneut ganz viel Energie freisetzen. Wir brauchen vor allem ganz viel Tempo, aber auch Cleverness und Übersicht, um die offensive HSG-Verteidigung in Schwierigkeiten zu bringen.“ Doch es werden wohl Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Doch wenn im Abstiegskampf das Nervenkostüm reißt, nützt auch der beste Matchplan überhaupt nichts. Bad Wildungen gewann das Hinspiel mit 29:24.

Gehört nicht mehr zum Aufgebot: Pia Kühn
Gehört nicht mehr zum Aufgebot: Pia Kühn© FUNKE Foto Services | Volker Herold

PERSONELLES

Der TuS Lintfort gibt nun bekannt: Pia Kühn steht künftig nicht mehr zur Verfügung, aufgrund einer beruflichen Überlastung. Die Rückraumspielerin bleibt dem Verein aber erhalten und würde in einem Ausnahmefall allerdings das Trikot wieder überziehen. Wenn es die Zeit erlaubt, sitzt Pia Kühn aber als eine „Art Betreuerin“ zumindest bei den Heimspielen mit auf der Bank. Ob Norah Kothen am Samstag gegen die Vipers zum Aufgebot gehört, ist fraglich. Erstligist Borussia Dortmund spielt am selben Abend und hält bekanntlich die „Zügel in der Hand“.