„Abstiegskampf macht keine Freude“, sagte Bettina Grenz-Klein im Vorwort des aktuellen Hallenheftes. Und die Trainerin des Frauenhandball-Zweitligisten TuS Lintfort weiß genau, wovon sie redet. Ihre Schützlinge geraten immer mehr in eine Abwärtsspirale, die derzeit kaum zu kontrollieren ist. Neuerlicher Tiefpunkt war die krasse 23:36 (7:20)-Heimschlappe gegen die TG Nürtingen. Die TuS-Spielerinnen bekamen vor über 300 Zuschauern eine kostenlose Lehrstunde von den Gästen aus Baden-Württemberg erteilt, die es erst einmal zu verdauen gilt.
TuS Lintfort ohne Jule Samplonius und Nyah Metz
Aber Lintfort musste kurzfristig auf zwei ganz wichtige Stammkräfte verzichten. Mit Jule Samplonius und Nyah Metz fielen zwei Top-Spielerinnen wegen jeweils grippaler Infekte aus. Diese bittere Pille galt es erst einmal zu schlucken. Und irgendwie war dann auch von Beginn an der Wurm drin – ganz besonders in der Offensive. Svenja Rottwinkel stand zwar in der Startaufstellung, aber man konnte sehen, dass die Rückraumspielerin nach ihrem grippalen Infekt noch nicht richtig bei Kräften war.

In Anbetracht der widrigen Umstände wurden die ersten 30 Spielminuten aus TuS-Sicht dann ganz übel. Die Mannschaft brachte überhaupt keine Qualität auf die „Platte“, präsentierte sich ohne Selbstbewusstsein, aber auch ohne Kampfgeist. Spielerinnen zogen sich nach Misserfolgen immer weiter in ihr Schneckenhaus zurück. Ein Beispiel war Eline Veltrop. Wo war nur ihre gewohnte Leichtigkeit und Torgefahr? Die Niederländerin agierte weit unter Normalform, schoss schwach und leistete sich ungewohnt viele persönliche Patzer. Aber die Trefferquote war in Halbzeit eins durchweg mangelhaft. Spielerinnen verwarfen Möglichkeiten in Serie, wie beispielsweise eine Nathalie Corsten von Linksaußen. So kam eines zum anderen und der TuS Lintfort brachte gerade mal sieben Tore bis zum Halbzeitpfiff zustande.
Spielstatistik
TuS Lintfort: Laura Graef – Michelle Breitbarth 1, Lynn Broders, Sydney Lupisella 1, Eline Veltrop 7/3, Julia Fassbender, Nathalie Corsten 2, Milica Vlahovic 3, Jana Willing 4, Svenja Rottwinkel, Sophia Bücker 1, Insa Weisz 3, Rieke Rosner 1.
So geht es weiter: ESV Regensburg - TuS Lintfort (Sa., 18.30 Uhr).
Nürtingen hingegen trat im Stile einer Spitzenmannschaft auf, nutzte die Schwächen des Gegners eiskalt aus und zog stets seinen eigenen Streifen unbeirrt durch. Die Gäste stellten das klar bessere Team, hatten Vorteile auf jeder einzelnen Position. Im direkten Vergleich der Mannschaften fällt jedoch sofort ein ganz krasser Unterschied auf: die Trefferquote. Während die TG-Spielerinnen clever und konsequent ihren Chancen verwerteten, hatte man beim TuS Lintfort oft das Gefühl, dass nur „geballert“ wird, ohne zu schauen und ohne Finesse. Nürtingen drückte ab der 10. Minute das Gaspedal beim Spielstand von 7:4 erst richtig durch und enteilte mit einer Machtdemonstration auf 20:7 bis zum Pausenpfiff.

Die zweite Halbzeit nahm dann einen merkwürdigen Verlauf und ist auch schnell erzählt. Eine Lintforter Aufholjagd gab es nicht. Der Mannschaft fehlten dazu schlichtweg die Mittel, aber es mangelte noch mehr am Personal. Dass sich in den zweiten 30 Minuten die Gegnerinnen zumindest vom Ergebnis dann auf Augenhöhe begegneten, lag allerdings einzig und allein an den Gästen. Nürtingen wechselte viel – die Stammkräfte saßen oft auf der Bank. Lintfort konnte deshalb nun auch seinen Beitrag zum Spiel leisten. Wenn etwas gelang, dann überwiegend mit individueller Klasse. Und so konnten gerade die beiden jungen TuS-Talente Lynn Broders und Rieke Rosner wichtige Spielpraxis sammeln.
TuS Lintfort: Schwacher Auftritt drückt auf die Stimmung
„Die erste Halbzeit war ganz schlimm“, betonte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein: „Aber ich weiß auch, selbst mit komplettem Aufgebot und mit Bestform, wäre es ganz schwer geworden, Nürtingen zu schlagen. Leider hat der schwache Auftritt extrem auf die Stimmung gedrückt – die Niederlage ist mehr als verdient.“


