Das mit Spannung erwartete Moerser Fußball-Landesliga-Derby zwischen dem GSV und dem SV Scherpenberg endete am Samstagabend in einem handfesten Skandal. Kurz nach dem Freistoßtreffer des eingewechselten Marc Bäsner in der 88. Minute zum 2:1 (0:1) für Grafschafter gab es an der Seitenlinie hitzige Wortgefechte. Gäste-Trainer Christian Mikolajczak marschierte plötzlich tief getroffen in die Kabine, die Mannschaft folgte kurz darauf geschlossen und kam auch nicht mehr aus der Kabine, so dass Schiedsrichter Mathäus Kobylanski vom SV Niersia Neersen die Partie abbrechen musste.
Spieler des GSV Moers soll auch die Scherpenberger Bank bedroht haben
Was war passiert? „Die Nummer 77 des GSV Moers hat unseren Trainer als Scheiß-Nazi bezeichnet. Das geht gar nicht“, erklärte Scherpenbergs Sportlicher Leiter Sven Schützek und meinte damit GSV-Rechtsverteidiger Burak Bayram: „Nach einer solchen Beleidigung mussten wir ein Zeichen setzen.“ Trainer Christian Mikolajczak, einst Bundesliga-Profi bei Schalke 04, war ganz offenbar mit den Nerven runter und mochte auch nach langer Beruhigungsphase in der Umkleide nichts zu dem Vorfall sagen.

Referee Kobylanski dürfte zu dem Vorfall einen Sonderbericht anfertigen. Nach Informationen des SV Scherpenberg ist das im Spielbericht bereits so angelegt, weil eine Diskriminierung - die umfasst nicht nur Rassismus, sondern auch Antisemitismus und Homophobie - durch einen Moerser Spieler gegen den SVS-Trainer vorgelegen habe. Das Verbandssportgericht dürfte sich nun mit dem Fall befassen.
GSV Moers nimmt sich von den Beschuldigungen nichts an
Kurz nach Spielende wollte sich auf Seiten des GSV niemand etwas von den Beschuldigungen der Gäste annehmen. „Das war der letzte Strohhalm, den Scherpenberg wohl ergreifen wollte, um die Niederlage zu verhindern“, erklärte Teammanager Patrick Iwersen, nachdem die Gelb-Schwarzen auf dem Platz nach dem offiziellen Schlusspfiff des Referees gejubelt hatten. „Ich habe zu hundert Prozent nichts von der Beleidigung gehört“, versicherte dazu Trainer Dirk Warmann. GSV-Kapitän Thorsten Kogel meinte: „Das ist eine billige Aktion und schon peinlich, einfach das Spielfeld zu verlassen.“ Letzteres dürfte Scherpenberg Spiel und Punkte gekostet haben, weil dies ziemlich sicher eine 2:0-Wertung für den GSV nach sich zieht.
Marcio Blank bringt den SV Scherpenberg in Führung
Fußball wurde 89 Minuten lang auch gespielt. Zwar nicht so, dass die gut 250 Zuschauer bei fies-kaltem Ostwind erwärmt worden wären. Trotzdem bot das Derby eine gewisse sportliche Spannung. Marcio Blank erzielte in der 20. Minute seinen 18. Saisontreffer für Scherpenberg, als er im GSV-Strafraum erst Innenverteidiger Anton Riegert und dann Keeper Deniz Aktas alt aussehen ließ. Der Ball flog knallhart in die kurze Torecke.

Vor der Pause wirkten die Gastgeber lethargisch und hatten offensiv wenig zu bieten. Das Bild änderte sich aber nach dem Wechsel. Der GSV nahm das Heft in die Hand, Scherpenberg operierte mit zu vielen langen und unpräzisen Bällen. Per Lattentreffer aus kurzer Distanz war Danny Rankl dem 1:1 schon in der 58. Minute nahe. Nur zwei Minuten später nutzte der Torjäger einen Stockfehler von Innenverteidiger Max Abel. Rankls Querpass in den Strafraum schob Osman Simsek ins leere Tor.
Marc Bäsner erzielt für den GSV Moers das Siegtor
Bis zur 88. Minute schien alles auf eine gerechte Punkteteilung hinauszulaufen. Dann hatte der eingewechselte Marc Bäsner seinen Auftritt. Einen Freistoß von der rechten Angriffsseite zog der Winterzugang sehenswert in den kurzen rechten Torwinkel zum 2:1. SVS-Keeper Jamie van Dornick sah da ebenso wenig gut aus wie zuvor Abwehrchef Nico Frömmgen. Der schmälerte in dieser Szene mit Ballverlust im Spielaufbau und dem folgenden Foul zum Freistoß seine ansonsten gute Leistung.
„Wir akzeptieren die Niederlage, das ist gar keine Frage. Gegen den Spieler, der den Trainer beleidigt und die Bank bedroht hat, werden wir eine Strafanzeige stellen. Den Vorfall haben mehrere Personen gehört“, kündigte Scherpenbergs Sportlicher Leiter Sven Schützek noch am Samstagabend an.
So haben sie gespielt
GSV Moers: Aktas - Ghrayeb, Riegert (68. Bäsner), Nowitzki, Bayram - Preuß, El Moumen (85. Konrad), Kogel, Dogan (70. Ljesnjanin) - Simsek, Rankl.
SV Scherpenberg: van Dornick - Schoof, Frömmgen, Abel, Kapuscinski - Grillemeier (72. Jones), Tietz, Karaca (74. Case), Kretschmer - Blank, Sadiklar.


