Das Samstagsderby auf den Kunstrasen an der Asberger Straße bot den gut 250 Zuschauern beste Fußball-Landesliga-Kost. Und doch entschied letztlich die spielerische Klasse eines Akteurs, der mittlerweile eine gute Punkteversicherung für den SV Scherpenberg darstellt. Marcio Blanks Solotreffer zum 2:1 (1:1) in der 61. Minute ließ das Team von Trainer Christian Mikolajczak am Ende jubeln. Die rot-blauen Protagonisten des 1. FC Lintfort schoben trotz guter Leistung sichtbaren Frust. Ein Unentschieden wäre verdient gewesen. Doch Blank hatte mit seinem 20. Saisontor etwas dagegen - und belässt Lintfort nahe der Abstiegszone.

SV Scherpenbergs Marcio Blank: Dank geht an die Mitspieler

„Der Treffer stärkt natürlich weiter mein Selbstvertrauen“, erklärte der 20-jährige Mittelstürmer kurz nach dem Schlusspfiff, „dennoch war es ein Teamsieg. Ich kann den Kollegen nur dankbar sein, dass ich so viele Bälle bekommen habe.“ Einer der Kardinalfragen in den Scherpenberger Reihen ist derzeit, ob der Shooting Star der laufenden Saison auch in der neuen Spielzeit im Kader bleibt. „Es ist noch alles offen“, versichert Marcio Blank. Dass der Youngster sicher mindestens mal von Oberliga-Interessenten umworben wird und offenbar auch ein Regionalliga-Angebot auf dem Tisch liegen hat, versteht sich von selbst.

Nach dem Heimsieg im Derby über den 1. FC Lintfort jubelt der SV Scherpenberg mit Trainer Christian Mikolajczak.
Nach dem Heimsieg im Derby über den 1. FC Lintfort jubelt der SV Scherpenberg mit Trainer Christian Mikolajczak.

Zwei andere Personalien nahmen ebenfalls Einfluss auf ein actiongeladenes Treffen mit vielen Torchancen auf beiden Seiten. Lintforts Trainer Thorsten Schikofsky ließ seinen Linksaußen Gabriel Derikx über 90 Minuten schmoren. Das hatte vor allem etwas mit dem offenbar unglücklichen Verhalten des Leistungsträgers beim 4:2 über Arminia Klosterhardt kürzlich zu tun. Mehr mochte der FCL-Coach dazu nicht sagen. Dass Tempodribbler Derikx fehlte, merkte man dem Lintforter Offensivspiel an. Hendrik Schons konnte sich über links nicht so gut in Szene setzen. „Natürlich fällt es schwer, auf einen Leistungsträger zu verzichten“, erklärte Schikofsky, „aber manchmal muss man auch ein Zeichen setzen.“

SV Scherpenberg im Glück: Kein Gelb/Rot gegen Redam

Genau dies versäumte der ansonsten pingelig korrekt pfeifende Duisburger Schiedsrichter Matthias Dransfeld in der 36. Minute. Scherpenbergs Comebacker Nick Noah Redam kassierte nach Foul an Jonas Haub zunächst Gelb, langte dann nur 90 Sekunden später von hinten gegen Furkan Baydar zu. Dransfeld drückte beide Augen zu, anstatt Gelb/Rot zu verhängen. Wenig später holte Scherpenbergs Coach Christian Mikolajczak seinen Sechser dann vorsichtshalber vom Feld.

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Die Schlüsselszene war eingekleidet in eine Vielzahl an Torchancen. Bei Samet Sadiklars Kopfballtor aus kurzer Distanz nach einer Linksflanke von Nick Noah Redam wirkte FCL-Keeper Stefan Hüpen etwas unentschlossen (18.). Auf der Gegenseite vergaben Carlos Pin (21.) und Hendrik Schons (25.) jeweils den schnellen Ausgleich. Marcel Kretschmer setzte einen Freistoß für Scherpenberg an die Latte (29.). Dennoch war der Lintforter Ausgleich drei Minuten vor der Pause verdient: Furkan Baydar jubelte nach einem 22-Meter-Aufsetzter in die linke Torecke. SVS-Keeper Jamie van Dornick schien das präzise Geschoss unterschätzt zu haben.

1. FC Lintfort: Baha Arslanboga vergibt Topchance zum 2:2

Auch in Halbzeit zwei machte zunächst Scherpenberg wieder mehr Druck. Das 2:1 war allerdings eine klasse Einzelaktion von Marcio Blank. Der setzte sich gegen Lars Hoffmeister an der Strafraumgrenze mit geschicktem Körpereinsatz durch und fackelte per Drehschuss-Aufsetzer in die rechte Torecke auch nicht lang (61.). Lintfort lief nun verzweifelt dem Ausgleich hinterher. Baha Arslanbogas möglichem 2:2 ging eine Abseitsstellung voraus (69.).

Zwei Protagonisten des Landesliga-Derbys: Nick Noah Redam (rechts) vom SV Scherpenberg gegen den Lintforter Außenstürmer Baha Arslanboga.
Zwei Protagonisten des Landesliga-Derbys: Nick Noah Redam (rechts) vom SV Scherpenberg gegen den Lintforter Außenstürmer Baha Arslanboga.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Marcel Kretschmer (73.) und der eingewechselte El Houcine Bougjdi (90.+3) trafen für die Gastgeber jeweils die Querlatte. Auch der spät gebrachte Florian Ortstadt hatte für Lintfort mit einem Lattenheber Pech (90.+5). Die Königschance allerdings vergab Baha Arslanboga. Der Rechtsaußen scheiterte freistehend im Scherpenberger Strafraum an SVS-Keeper van Dornick (85.).

Spielstatistik

SV Scherpenberg: van Dornick - Wastian, Tietz (68. Bougjdi), Williams, Kapuscinski - Grillemeier (58. Jones), Case, Redam (40. Abel), Kretschmer - Blank (90. Schoof), Sadiklar (90.+3 Igbionawmhia).

1. FC Lintfort: Hüpen - Bu. Arslanboga (66. Hasse), Hoffmeister, Vizuete Mora, Haub - Schons (66. von Zabiensky), Baydar, Ehis (77. Ortstadt), Ba. Arslanboga - Pin, B. Sezen (83. K. Bodden).

Tore: 1:0 Sadiklar (18.), 1:1 Baydar (42.), 2:1 Blank (62.).

Schiedsrichter: Matthias Dransfeld (ETuS Bissingheim).

Zuschauer: 250.

SV Scherpenberg: Viel Lob von Trainer Christian Mikolajczak

„In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft die Seele auf dem Platz gelassen, die Geschlossenheit des Teams war schon große Klasse“, lobte Trainer Christian Mikolajczak. Auch Lintforts Interimscoach Thorsten Schikofsky durfte mit der Leistung seiner Kicker zufrieden sein: „Da gibt es überhaupt nichts dran auszusetzen. Gerade vor der Pause haben wir es allerdings versäumt, mehr als ein Tor zu machen.“