Am Ende einer genau 38 Minuten und 18 Sekunden dauernden Tortur ging Judith Gottwald sichtbar ausgelaugt in die Knie. Der blaue Zieldurchlauf auf dem Sportplatz am Julius-Stursberg-Gymnasium in Neukirchen-Vluyn war für die 40-jährige Läuferin der LG Alpen wie eine Erlösung. Mit diesem Gefühl stand die Siegerin des Zehn-Kilometer-Rennens beim 23. Donkenlauf (sehen Sie auch den Start des Rennens im Video unten) am Samstagnachmittag wahrlich nicht allein da. „Schwüle Luft und ein fieser Wind haben mir ganz schön zugesetzt“, gab Judith Gottwald zu, „zum Glück war die Sonne von Wolken verdeckt. Meine Angst vor einem Sonnenstich war vor dem Rennen groß.“

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Der nun zweite Enni-Laufseriensieg nach Moers sowie Platz sechs in Sonsbeck sind für die Richterin am Landgericht der Klever Schwanenburg keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Die jüngere Vergangenheit war geprägt von Verletzungen. „Ich hatte einen leichten Bandscheibenvorfall. Und dann auch noch einen Ermüdungsbruch in der Ferse, der fünf Wochen Rollstuhl nötig gemacht hat“, erzählt Judith Gottwald wenige Minuten nach dem Zieleinlauf. Die Fitness ist nun zurück. Die Motivation ebenso. Der Sieg am Samstag war deutlich. Die Neukirchen-Vluynerin Stefanie Zankl hatte als Zweitplatzierte fast vier Minuten Rückstand. Vorjahresgewinnerin Annika van Hüüt (LG Alpen) musste sich in 43:04 Minuten mit Platz vier begnügen. (Hier geht es zu unseren schönsten Fotos vom Donkenlauf).

War bei den Frauen über zehn Kilometer in Neukirchen-Vluyn nicht zu schlagen: Judith Gottwald von der LG Alpen beim Zieldurchlauf.
War bei den Frauen über zehn Kilometer in Neukirchen-Vluyn nicht zu schlagen: Judith Gottwald von der LG Alpen beim Zieldurchlauf.

Am kommenden Mittwochabend ist Judith Gottwald beim Heimspiel, dem Alpener City-Lauf, natürlich wieder auf den Beinen. Und zum Enni-Laufserienabschluss in Xanten am 12. September möchte sie den Seriensieg klarmachen. Die Deutsche Meisterschaft der Justiz-Mitarbeiter steht dazu auch noch auf dem Programm.

Lag beim 23. Donkenlauf über zehn Kilometer vorn: der für Laufseriensponsor Enni startende Moerser Malte Geke.
Lag beim 23. Donkenlauf über zehn Kilometer vorn: der für Laufseriensponsor Enni startende Moerser Malte Geke.

Triefend nass verschwitzt, aber glücklich präsentierte sich Männer-Sieger Malte Beke im blauen Enni-Dress. Der 29-jährige Moerser verpasste zwar um 19 Sekunden, unter der angepeilten 35-Minute-Marke zu bleiben. „Bei diesen schwierigen Bedingungen war meine Erwartungshaltung aber eh nicht so hoch“, gestand der ehemalige Fußballer des SV Budberg, der mittlerweile als Rettungsschwimmer für die Enni arbeitet.

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Donkenlauf: Rasensprenger und Wasserpistolen helfen an der Strecke

Nasses von oben gab es trotz tief hängender Gewitterwolken über Neukirchen-Vluyn zwar nur tröpfchenweise. Zum Glück natürlich. „Dafür haben die Zuschauer an der Strecke geholfen und die Rasensprenger im Garten laufen lassen. Einige Kinder haben mit Wasserpistolen für Abkühlung gesorgt. Das war schon cool“, gab Malte Beke zu. Am Ende hatte er 32 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Düsseldorfer Andreas Wundersee von den Bridgerunners. Stark: Ins Ziel schaffte es auch Werner Plenkmann vom TV Utfort-Eick. Der älteste Starter aus dem Jahrgang 1950 brauchte für die Doppelrunde rund um die Tersteegenstraße über zehn Kilometer genau 58:49 Minuten. Das nötigte den zahlreichen Zuschauern im Zieleinlauf natürlich applaudierenden Respekt ab.

Die jungen Läuferinnen und Läufer trotzten beim Donkenlauf des AS NeukIrchen-Vluyn am Samstagnachmittag den schwülwarmen Bedingungen.
Die jungen Läuferinnen und Läufer trotzten beim Donkenlauf des AS NeukIrchen-Vluyn am Samstagnachmittag den schwülwarmen Bedingungen.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Über die Fünf-Kilometer-Distanz (sehen Sie dazu auch unser Video vom Start weiter vorn im Text) machte sich Sieger Luca Uzkureit ein wenig auch für seine große Aufgabe am Sonntag warm. Der Kreisliga-B-Fußballer spielt mit dem TuS Borth gegen den FC Rumeln-Kaldenhausen um die mögliche Rückkehr in die Kreisliga A. Das Laufen liegt dem 28-Jährigen aber seit langem auch im Blut. „Vor zwei Jahren habe ich beim Donkenlauf schon einmal gewonnen“, betont Uzkureit, der im Vergleich mit seinem Sonsbeck-Rennen bei nun 16:52 Minuten rund 30 Sekunden langsamer unterwegs war.

Donkenlauf in Zahlen

Zehn Kilometer, Männer: 1. Malte Geke (Team Enni), 35:18 Min.; 2. Andreas Wundersee (Bridgerunners Düsseldorf), 35:40; 3. Issa Harrou (Ayyo Team Essen) 35:52; Frauen: 1. Judith Gottwald (LG Alpen), 38:18; 2. Stefanie Zankl (Neukirchen-Vluyn), 42:02; 3. Ricarda Schlimnat (LT Stoppenberg), 42:34; Firmenwertung: 1. Team Enni, 2. Neukirchener Erziehungsverein, 3. Ornua Deutschland GmbH; Stadtmeisterschaft, Männer: 1. Michael Westkamp (AS Neukirchen-Vluyn), 38:44; 2. Marcel Spillker, 44:02; 3. Enrico Rolfs, 52:46; Frauen: 1. Stefanie Zankl, 42:06; 2. Susen Zacharias, 48:38; 3. Beyza Esentürk, 58:48.

Fünf Kilometer, Männer: 1. Luca Uzkureit (TuS Borth), 16:51 Minuten; 2. Michael Schramm (Ayyo Team Essen), 17:11; 3. Paul van Lück (TSV Weeze), 17:32; Frauen: 1. Carolin Joeken (LV Marathon Kleve), 18:21; 2. Klara Bremenkamp (Running Crew Münster), 21:12; 3. Claudia Jäkel (TuS Lintorf/Laufsport Jäkel), 21:23; Jugendwertung, Jungen: 1. Arne Monning (U14/Moerser TV Hockey), 20:27; 2. Deniz Albracht (U14), 21:02; 3. Matthias Bremenkamp (U16/TSV Nieukerk), 22:18; Mädchen: 1. Leonie Löll (U16/Runnershigh Niederrhein), 24:11; 2. Katharina Peplau (U16/HADI Wesel), 26:01; 3. Laura Buchfink (U14/Neukirchener Erziehungsverein), 31:06.

Borther Fußballer will demnächst auch den Halbmarathon packen

Mit auf der Strecke war auch Vater Michael Uzkureit. „Er wollte wegen der schwülen Witterung schon aufgeben, hat es aber doch ins Ziel geschafft“, berichtete Luca Uzkureit: Platz 115 für den 67er-Jahrgang in immerhin 27:59 Minuten. Der flotte Fünfer im Gelände wird für den Borther Fußballer allerdings nicht das Ende der Fahnenstange bleiben: „Ich peile schon an, demnächst auch mal einen Halbmarathon zu bewältigen. Dass dafür dann auch entsprechendes Training vonnöten sein wird, ist natürlich klar.“

Warmmachen vor dem Start beim Donkenlauf des Ausdauersportvereins NeukIrchen-Vluyn.
Warmmachen vor dem Start beim Donkenlauf des Ausdauersportvereins NeukIrchen-Vluyn.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Was sonst noch vom Donkenlauf berichtenswert war? 1143 Starterinnen und Starter hatten letztendlich gemeldet. Dazu kamen rund 240 Kinder. Daniel Buschatz vom gastgebenden Ausdauersportverein Neukirchen-Vluyn war über fünf Kilometer mit seinem gehandicapten Sohnemann im Kinderwagen in 28:15 Minuten unterwegs. Die rund 130 Helferinnen und Helfer, in neonorangenen T-Shirts stets bestens sichtbar, hatten alles rund um die Läufe und Walking-Runden im Griff. Vor allem das starke Kuchen-Büffet direkt am Zieleinlauf konnte sich sehen lassen. Für die jungen Gewinner gab es bei der Siegerehrung eine Urkunde, eine weiß-goldene Medaille und, praktischerweise, ein Paar weiße Jogging-Socken.

Donkenlauf-Organisator Kai Ruthmann: Starterzahl war super

Donkenlauf-Organisator Kai Ruthmann, am Mikrofon und bei den Siegerehrungen souverän wie immer, durfte während des zügigen Abbaus der Strecken am Samstagabend schon positiv resümieren: „Die Starterzahl war natürlich super, das Helferteam hat hervorragend funktioniert. Es hätten allerdings gern ein paar Zuschauer mehr sein können.“ Das nahezu tropisch warme Wetter hatte offenbar gerade einige ältere Besucher vom Kommen abgehalten.