Das Leben des 21-jährigen Bela Lehnen dreht sich vollständig um den Voltigiersport, eine Leidenschaft, die er bereits in seiner Kindheit entdeckte. Seine ersten Kontakte mit Pferden knüpfte der Moerser auf dem Bauernhof von Freunden seiner Eltern, wo er früh mit dem Reiten begann. Doch die klassischen Reitübungen wurden ihm schnell zu eintönig. Stattdessen entwickelte er eine Faszination für die akrobatischen Elemente des Voltigierens. Was einst auf dem Bauernhof als Leidenschaft begann, hat sich mit den Jahren zu einer beeindruckenden Profikarriere entwickelt. Bis hin zur Teilnahme bei Weltmeisterschaften.
Belas Erfolgsgeheimnis: Training und Vertrauen
Mit gerade einmal acht Jahren nahm Bela an den ersten Voltigierturnieren teil und bestritt bereits die Deutsche Meisterschaft. Heute prägt ein intensiver Trainingsplan seinen Alltag: Er trainiert fünf bis sechs Tage die Woche, jeweils drei Stunden lang beim Voltigierverein Köln-Dünnwald. Neben dem Training muss auch das Pferd versorgt werden, was viel Zeit und Kraft in Anspruch nimmt.

Dieses intensive Training sei unerlässlich, um Verletzungen vorzubeugen, versichert Lehnen. Die Voltigierer vollbringen ihre akrobatischen Kunststücke schließlich auf locker 1,70 Metern messenden Pferderücken. Keine unerhebliche Fallhöhe. Diese Erfahrung machte auch der Moerser Pferdefreund, als er sich im vergangenen Jahr bei einem Sturz einen Kreuzbandriss zuzog, der ihn zu einer gut halbjährigen Pause zwang.
Bela Lehnen: Beziehung zu Pferden auf Vertrauensbasis
Auch weiß er, wie wichtig die Beziehung zu seinem eigenen Pferden ist. „Das funktioniert rein auf Vertrauensbasis. Das Pferd und ich müssen uns als Partner aufeinander verlassen können“, betont Lehnen. Eine starke Verbindung und das tiefe Vertrauen seien das Fundament für jedes sichere Manöver im Wettkampf.
Was ist eigentlich Voltigieren?
Beim Voltigieren führen Athleten akrobatische Übungen auf dem Rücken eines galoppierenden Pferdes aus. Dieser Sport vereint Elemente des Turnens, der Artistik und des Reitens. Die Disziplin kann sowohl im Einzel, als auch im Doppel und in Gruppen ausgeübt werden. Die Leistung wird nicht nur nach Technik und Ausführung der turnerischen Elemente bewertet, sondern auch nach dem Zusammenspiel von Mensch und Vierbeiner.
Dafür sind eine tiefe Vertrauensbasis zwischen Voltigierer und Pferd sowie ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, Kraft, Balance und Koordination unerlässlich. Das Pferd wird dabei von einem Longenführer in der Mitte eines Zirkels an einer langen Leine, der Longe, kontrolliert und im gleichmäßigen Galopp gehalten. Voltigieren erfordert somit eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Bela Lehnen kämpft an der sportlichen Front
Doch zum Glück kann Bela Lehnen sein Leben ganz nach dem Voltigier-Sport ausrichten. Er ist Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Diese Einheit ermöglicht Spitzensportlern eine duale Karriere als Soldat. Sie bietet professionelle Trainingsbedingungen, Infrastruktur und Betreuung. Man muss allerdings Mitglied eines Bundes- oder Landeskaders sein und über den jeweiligen Fachverband vorgeschlagen werden.
Die Bundeswehr repräsentieren die Athleten bei Wettkämpfen und erhalten eine finanzielle Absicherung sowie eine berufliche Perspektive nach der Sportkarriere. „Wäre ich nicht in der Einheit, könnte ich den Sport nicht in dieser Intensität ausführen“, erklärt Bela Lehnen: „Mein Auftrag ist es also, für Deutschland Medaillen zu gewinnen.“
Drei Medaillen bei der EM und der WM
Und diesen Auftrag erfüllt er mit Bravour: Kürzlich trat der Moerser mit dem Kölner Team Norka Automation bei den Europameisterschaften in Stadl-Paura/Österreich an und holte drei Medaillen, darunter zweimal Gold. Das Team verteidigte erfolgreich seinen Titel im Teamwettbewerb und sicherte sich auch den Sieg im Nationenpreis. Im Einzelwettkampf bei der parallel ausgetragenen U21-Weltmeisterschaft war Bela Lehnen in Österreich ebenfalls erfolgreich und sicherte sich den Vizeweltmeistertitel.
Als frisch gebackener Team-Europameister ging er anschließend bei der Deutschen Meisterschaft in München an den Start und konnte sich dort mit seiner Mannschaft bereits zum fünften Mal in Folge den Titel sichern. An diesem Donnerstag, 14. August, wird er auch im Einzel bei der Deutschen Meisterschaft in München antreten. Wieder mit guten Medaillenchancen.



