Die Vorbereitung ist endlich beendet. Die Zweitliga-Handballerinnen des TuS Lintfort warten nun hoffnungsfroh auf den Startschuss in der 2. Bundesliga. Die vergangenen Wochen waren mit Sicherheit intensiv, fordernd und schweißtreibend, aber eines ganz bestimmt: erkenntnisreich! Die Grundlagen in jeglicher Form sollten jetzt gelegt sein. Die Fortführung der spieltaktischen Elemente wird hingegen noch ein langwieriger Prozess. Trainerin Bettina Grenz-Klein muss nun den Spagat hinbekommen, eine junge, unerfahrene und neuformierte Mannschaft ins Rennen zu schicken. Wohlwissend, dass die körperliche Belastung immens ist und der mentale Druck ein steter Begleiter. Los geht es am kommenden Sonntag. Die TuS-Spielerinnen müssen früh ihre Sporttasche packen, denn es geht zu den Handball-Luchsen Buchholz-Rosengarten. Der Anpfiff dort ist um 16 Uhr.

Die lange schweißtreibende Vorbereitung ist vorbei – Sonntag beginnt die Meisterschaft

Die Vorbereitung verlief durchaus turbulenter als in den Jahren zuvor. Gerade die Personalie Eline Veltrop sorgte für Unruhe. Die Niederländerin bat erst ziemlich spät um ihre Vertragsauflösung, um in ihr Heimatland zurückzukehren. Einen gleichwertigen Ersatz zu diesem späten Zeitpunkt zu finden, war für TuS-Manager Ulrich Klein schier unmöglich.

TuS Lintfort hat auch bei den Torhüterinnen Handlungsbedarf

Handlungsbedarf bestand zudem auf der Torhüterinnenposition. Neuzugang Anita Polackova verletzte sich Anfang Juli am Kreuzband des linken Knies. Der TuS Lintfort verpflichtete daraufhin Senanur Gün vom Ligakonkurrenten HSV Solingen-Gräfrath. Hinzu kommt bekanntlich Neele Brandt. Alle drei Torhüterinnen sind derzeit fit. Somit hat Bettina Grenz-Klein am Sonntag bei ihrer Aufstellung die Qual der Wahl. „Es war schon ein gewisses Durcheinander in der Vorbereitung zu spüren“, erinnert sich die TuS-Trainerin: „Aber die Mannschaft hat sich kaum von den äußeren Umständen beeindrucken lassen, blieb gelassen und arbeitete ruhig weiter.“

Ist beim TuS Lintfort wieder fit: Torhüterin Anita Polackova.
Ist beim TuS Lintfort wieder fit: Torhüterin Anita Polackova. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Die vergangenen Wochen waren natürlich ein Findungsprozess, was man insbesondere in den zahlreichen Testspielen sehen konnte. Waren die Vorstellungen zunächst extrem schwankend, so wurden die Auftritte zuletzt immer souveräner und erfolgreicher. „Es hat etwas gedauert, bis jede Spielerin ihren Platz innerhalb der Mannschaft gefunden hat“, ergänzt Bettina Grenz-Klein: „Ich weiß, der Weg ist dennoch lang. Aber wir haben auch schon ein gutes Stück der Strecke hinter uns gebracht.“

TuS-Trainerin: Bettina Grenz-Klein: „Ich weiß, der Weg ist dennoch lang.“

Eine neue Mannschaft steht sicherlich auch immer ganz eng in Verbindung mit neuen Aufgaben. Eine, die künftig deutlich mehr in den Fokus rücken wird, ist Svenja Rottwinkel. In Lintfort nimmt man ihre stets kämpferische Einstellung wohlwollend zur Kenntnis. Die 30-Jährige ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Defensive und nur schwer zu ersetzen. Rottwinkel muss sich nun aber mit einer neuen Aufgabe in der Offensive anfreunden. Die Rückraumspielerin ist neuerdings als Spielmacherin eingeplant.

TuS Lintfort: Insa Weisz bekommt eine neue Rolle

Auch Insa Weisz hat sich ihre Rolle in der Mannschaft wohl etwas anders vorgestellt. Die Linkshänderin, eigentlich auf der Rechtsaußenposition zu Hause, muss mangels Alternativen jetzt fast ausschließlich im rechten Rückraum ran. Die 23-Jährige meistert die neue Herausforderung bislang mit Bravour und ist aufgrund ihrer Deckungsqualitäten sowieso eine absolute Leistungsträgerin.

Kommt im rechten Rückraum immer besser in Schwung: Insa Weisz, hier beim Wurf.
Kommt im rechten Rückraum immer besser in Schwung: Insa Weisz, hier beim Wurf. © FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

In Rosengarten am Sonntag ist allerdings die gesamte Mannschaft gefordert. Jana Willing als Kapitänin und Antreiberin, die Flügelzangen mit Alea Mattig und Nathalie Corsten oder die beiden „jungen Wilden“, Leonie Udaw und Eva Manthei. „Ich fahre nach Rosengarten, um etwas Zählbares mitzunehmen“, gibt sich Trainerin Bettina Grenz-Klein kämpferisch: „Ob es uns gelingt, weiß ich natürlich nicht. Aber auch wir verfügen über Qualitäten, haben in der Vorbereitung durchaus in Phasen mit Esprit und Spielwitz überzeugt.“

Die Überraschung nach der Vorbereitung: TuS-Neuzugang Alea Mattig.
Die Überraschung nach der Vorbereitung: TuS-Neuzugang Alea Mattig.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Vieles jedoch wird von der eigenen Deckungsarbeit abhängen: Disziplin, Lauffreudigkeit, Biss und Aggressivität sollten fruchtbar ineinandergreifen. Und ganz wichtig: Die Rücklaufmoral muss stimmen. Lintfort kann es sich nicht erlauben, einfach und klassisch in die Konterfalle zu tappen. Bei Bettina Grenz-Klein spürt man jedoch so kurz vor dem Meisterschaftsbeginn eine große Vorfreude. „Ich habe eine richtig spannende Mannschaft, würde mir wünschen, dass die Mädels schnell ihre Nervosität überwinden, als Underdog auch mit der dazugehörigen Portion Fortune überzeugen und eventuell sogar punkten.“ Der TuS Lintfort reist mit einem kompletten Kader an, kann aus dem Vollen schöpfen.